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«Mit Bill ist es Magie»

Das Duo Mischgewebe ist in der Kategorie «Newcomer des Jahres 2019» nominiert. Wir erklären Euch, weshalb.

Kristina
Schmid
Freitag, 03. April 2020, 04:30 Uhr Mischgewebe
Auch ohne Album auf dem Markt startet die junge Band Mischgewebe zurzeit voll durch.
MARCO HARTMANN

Geschichten. Unzählige Geschichten. Wer Melanie Danuser und Bill Bühler eine Frage stellt, sei es auch nur eine ganz gewöhnliche, der erhält mit Sicherheit eine Wahnsinnsgeschichte, eine Geschichte hinter der Geschichte, ein Drama-Abenteuer zu hören. Nichts ist gewöhnlich an dieser Band. Nicht der Name Mischgewebe. Nicht die Kombination aus einer Bündnerin und einem St. Galler. Und ganz bestimmt nicht die Geschichte, weshalb die beiden angefangen haben, zusammen Musik zu machen.

Wo die meisten einfach erklären, dass es sich so ergeben hat, folgt bei Mischgewebe «The Origin Story», wie Danuser es nennt. Die junge Frau ist eine aufgeweckte Persönlichkeit, die viel lacht und schnell redet. Und wie aus dem Gespräch hervorgeht, ist sie auch jemand, der sich schnell zu etwas überreden lässt – ohne so wirklich zu wissen, was das für sie bedeuten könnte. Sie ist eine Optimistin. Durch und durch.

Harmonie und Magie

Ihr Tanzlehrer hat sie eines Tages vor gut zwei Jahren gefragt, ob sie nicht die Musik zu einer Tanzaufführung machen würde. Sie sagte zu. Im Glauben, sie wäre nicht die einzige Musikerin, die das zu stemmen bräuchte. Nachgefragt hat sie nicht. Zwei Wochen vor der Aufführung, einen Tag bevor es mit den Proben losgehen sollte, realisiert Danuser: Es gibt keine anderen Musiker. Hinzu kam, dass ihr Tanzlehrer Lust auf elektronische Beats hatte. Und davon verstand sie nichts. «Völlig verzweifelt stieg ich um 23 Uhr ins Tram. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, was ich machen sollte. Und da sass Bill. Ich kannte ihn vom Studium und erzählte ihm von meinem Dilemma», sagt Danuser. Bühler habe daraufhin vorgeschlagen, einen Tee zu trinken. Er zeigte ihr, dass er hingegen sehr wohl etwas von elektronischer Musik verstand – und sagte zu, Danuser am nächsten Tag zu helfen. «Als wir bei den Proben zum ersten Mal gemeinsam Musik gemacht haben, hat es unglaublich gut harmoniert. Mit Bill ist es Magie», sagt Danuser. 

Die grosse Aufmerksamkeit wurde dem Duo just in jenem Moment zuteil, als sie sich dazu entschlossen, beim Contest «BandXOst» mitzumachen. Prompt gingen sie im Dezember 2019 als Sieger daraus hervor. Danuser brach in Tränen aus, als sie die Verkündung hörte. Jetzt geht es für die beiden so richtig los: In diesem Jahr stehen fast 20 Festivals und etliche Konzerte auf dem Programm. Sie haben ihr erstes Album aufgenommen, das im Sommer auf den Markt kommen soll.

Ein Knicks im Stiel

Worum es in den Songs auf dem neuen Album geht, können die Beiden nicht wirklich beschreiben. Vor allem deshalb nicht, weil es eben nicht um etwas Konkretes geht. «Es gibt ein Liebeslied. Bei all den anderen Songs kann man das Thema nicht so genau definieren. Es gibt kritische und feministische Texte, es gibt Geschichten», sagt Danuser. 

Der Titelsong des Albums heisst «Violet». Dort geht es etwa um ein Veilchen, das einen Knicks im Stiel hat – und deshalb nicht wachsen kann, obschon es das so sehr möchte. «Viele unserer Songs sind sehr metaphorisch», sagt Bühler dazu.

Jury-Entscheid:

«Melanie 'Mel' Danuser hat eine aussergewöhnliche und wunderbare Stimme, wie es sie schon ganz lange nicht mehr in der Region gegeben hat. Sie trägt mit ihrer Stimme die elektronischen Töne ihres Bandkollegen Bill Bühler in weite Sphären. Einzigartig in der Südostschweiz!»

Simon Lechmann, Leiter Entertainment & Kultur bei den «Südostschweiz»-Medien sowie Jury-Mitglied beim Bündner Music Award

Danuser, die Sängerin des Duos, ist aber nicht nur mit Mischgewebe unterwegs. Sie hat auch ihr Solo-Projekt MEL am Laufen. Auch dieses Projekt entstand aus der Not heraus. «Zwei Wochen vor einem geplanten Auftritt in Zürich hat Bill plötzlich gemerkt, dass er an diesem Abend gar nicht auftreten kann, weil er arbeiten muss», sagt Danuser. Sie habe daraufhin dem Veranstalter absagen wollen. Doch dieser hat sie stattdessen dazu überredet, solo aufzutreten. «Und auch das war nur möglich, weil meine Freundin mich abfüllte, damit ich zusage», sagt Danuser und lacht.

Am nächsten Tag realisierte Danuser, dass sie in genau acht Tagen acht Songs schreiben muss, um dem Publikum ein anständiges Programm von 45 Minuten bieten zu können. Nebenbei brachte sie sich auch noch via Youtube-Videos bei, Gitarre zu spielen. «Eigentlich war es Irre, was ich in diesen acht Tagen gemacht habe», sagt Danuser. Doch es hat geklappt. Das Publikum war begeistert, weshalb Danuser beschloss, das Projekt MEL weiterzuverfolgen. «Ich habe noch Pläne. Und da läuft auch schon was. Aber ich verrate nicht, was es ist.» Wir sind gespannt.

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