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«Ich habe jetzt wieder Platz für neue Ideen»

Reto Kaufmann ist in der Kategorie «Song des Jahres 2019» nominiert – und zwar für den Song «Blau». Wir verraten Euch, weshalb.

Kristina
Schmid
Mittwoch, 01. April 2020, 04:30 Uhr Kaufmann
Reto Kaufmann lässt es dieses Jahr etwas ruhiger angehen mit der Musik.
MARCO HARTMANN

Nach dem musikalischen Höhenflug in den vergangenen zwei Jahren – Kaufmann veröffentlicht sein erstes Album, gibt rund 100 Konzerte, gewinnt mit «Lisa» den Bündner Music Award – lässt er es in diesem Jahr ruhiger angehen. Es wird keine Konzerte geben. Keine öffentlichen Auftritte. «Ich brauchte einfach mal eine Pause. Ich musste mich abschotten», sagt Reto Kaufmann.

Zwei Monate hat Kaufmann nichts gemacht, das auch nur im entferntesten mit Musik zu tun hat. «Ich konnte so endlich wieder Sachen machen, für die ich sonst keine Zeit hatte. Ich war etwa mit Skiern auf der Piste unterwegs», sagt Kaufmann und lacht. Er brauchte diese Auszeit. Um den Kopf zu lüften. «Jetzt habe ich wieder Platz für neue Ideen. Ich habe bereits neue Songs, neue Texte, neue Melodien im Kopf.»

Neue Songs entstehen

Das Einzige, was dieses Jahr auf dem Programm steht, sind Band-Proben. Und zwar sehr viele davon. «Wir proben mindestens zwei Mal die Woche», sagt Kaufmann. Grund dafür ist das neue Album, an dem die Band zurzeit arbeitet. Kaufmann will es noch in diesem Jahr aufnehmen. Wenn irgendwie möglich. «Ich hoffe schwer, dass wir das Album dann im ersten Halbjahr 2021 herausgeben können.

Kaufmann musste das Programm runterschrauben, dafür sorgen, dass es keine Konzerte mehr gibt. «Wir wollten von allem weniger, um mehr am Album arbeiten zu können. Und ich bin so ein Typ Mensch. Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und arbeiten. Ich muss in der Stimmung dafür sein. Und ich brauche Zeit, um etwas Gutes zu machen.»

Etwas Gutes ist auch im vergangenen Herbst herausgekommen. Eine EP mit vier Songs. Einer davon mit dem Titel «Blau», der nun für den Bündner Music Award in der Kategorie «Song des Jahres 2019» nominiert wurde.

Kalt und distanziert ist nicht immer

«Blau ist eine warme Farbe». So heisst der Film, der Kaufmann inspiriert hat, den Text für den Song «Blau» zu schreiben. «Eines Abends sass ich Zuhause und schaute mir diesen Film an. Und er hat mich voll berührt. Diese Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen. Dieser Schmerz. Diese Ehrlichkeit. Er war so echt. Am Ende des Films habe ich mich hingesetzt und den Text für 'Blau' niedergeschrieben», sagt Kaufmann.

Jury-Entscheid:

«Der Song 'Blau' stammt von der Churer Rockband Kaufmann. Das melancholische Liebeslied besticht zum einen durch den Mundarttext des Singer-Songwriters Reto Kaufmann, dem Kopf der Gruppe. Zum anderen nimmt einen die Musik, vor allem der Refrain, gefangen: Trotz aller Melancholie animiert die Komposition zum 'Mitrocken'.»

Valerio Gerstlauer, Kulturredaktor bei der «Südostschweiz» und Jury-Mitglied des «Bündner Music Award»

Angelehnt an den Film-Titel singt Kaufmann auch in seinem Song immer wieder davon, dass Blau eigentlich eine warme Farbe sei. Auf die Frage, wie er das meint, sagt Kaufmann: «Blau ist auf den ersten Blick eine kalte Farbe. Und auf den ersten Blick kann auch eine Person kalt und distanziert erscheinen. Wenn man diese Person aber näher kennenlernt, merkt man, wie warm und nahbar dieser Mensch doch eigentlich ist. Und deshalb dieser Ausdruck», erklärt Kaufmann.

Die Melodie zum Song hatte er schon lange. Er hatte aber nie einen Text, der zu dieser Melodie passte – und den Song komplettieren würde. «Als ich den Text an jenem Abend niedergeschrieben hatte, wusste ich sofort, dass er zu dieser Melodie passen würde. Und es hat gepasst.»

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