Wie ein Partyschiff im Rapperswiler Hafen die Geister umtreibt
Punkt zehn Uhr eröffnete Bruno Huber im berstend vollen «Kreuz»-Saal in Jona das 55. Schübligbankett. Gleich zu Beginn seiner pointenreichen Rede machte der Zunftobermeister das Gasthaus selber zum Thema, indem er die Befürchtung äusserte, dass angesichts der angesagten asiatischen Küche im «Kreuz» die Wurstbrüder die Schüblig zukünftig mit Stäbchen zu essen hätten. Huber kam auch auf die «Zigeuner» zu sprechen beziehungsweise auf die Familie Knie, die mit Crowdfunding ein neues Zelt finanzierte. «Das ist nichts anderes als moder- ne Bettlerei», rief Huber in den Saal hinein. Auch Stadtpräsident Martin Stöckling kriegte sein Fett weg: Dieser verwechsle dauernd die Wörter und lasse Senioren mit Radiatoren statt mit Rollatoren durch die Gegend laufen.
In der Folge wurde der 35-jährige Adrian Haller, Präsident des Gewerbevereins Rapperswil-Jona, in die Bruderschaft aufgenommen. Nach dessen Rede kam es zu einer Premiere in der Geschichte der Zunft. Zum ersten Mal wurde ein Wurstkranz-Oscar verliehen. Favoriten für den Preis waren alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann, alt Nationalrat Toni Brunner, Bruno Hug, ehemals Verleger der «Obersee-Nachrichten», und Regierungsrat Benedikt Würth. Der illust-ren Konkurrenz zum Trotz machte schliesslich Bruno Huber das Rennen. Ihm wurde der Oscar nicht zuletzt deswegen verliehen, weil er seit 30 Jahren Wurstbruder ist und seit 15 Jahren der Obermeister der Zunft.
Weltuntergang als Fake News
Der erste Gastredner, Urs Ingold von der Rapperswiler Schellegoggi-Zunft, thematisierte das Partyschiff von Oliver Bühler im Rapperswiler Hafenbecken. Ebenso den Stadtrat Kurt Kälin, der zwar unterdessen in der Lage sei, ein Bierfass sachgerecht anzustechen, aber gleichwohl nicht, den Pflasterstein für die Übergabe an die Fasnächtler parat zu halten.
Im Anschluss daran war Alfons Amweg alias Emos Rigazotti an der Reihe, der mit seinem Klavierspiel und Gesang einen poetischen Höhepunkt setzte und dessen Auftritt vom Publikum mit brausendem Applaus belohnt wurde. Rigazotti spannte in seinem Lied einen Bogen von der frisch gebackenen Mutter und CVP-Kantonsrätin Yvonne Suter bis zur jüngst verstorbenen Uriella, deren angekündigter Weltuntergang als Fake News abzuhaken sei.