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Graubünden

Vom Glück vergessen

Davoser Zeitung
04.06.2022, 11:47 Uhr
heute um 12:16 Uhr

Bis in die 1970er-Jahre waren in Graubünden Tausende – Zehntausende in der Schweiz – Menschen von sogenannt «fürsorgerischen Zwangsmassnahmen» betroffen. Sie, oder bei Kindern ihre Eltern, passten nicht in die gängige Vorstellung eines bürgerlichen Lebens und der Staat griff «korrigierend» ein. Kinder wurden fremdplatziert, verdingt oder zwangsadoptiert, Erwachsene in Anstalten versorgt, entmündigt oder zwangssterilisiert. Anstatt dass ihnen ein «besseres» Leben geboten worden wäre, begann, besonders für Kinder, eine Odyssee durch Heime und Anstalten. Die den Eltern angelasteten «schlechten» Eigenschaften wurden auf die Kinder übertragen. Diese waren dann «lügenhaft», «mannstoll» oder «unzuverlässig» und wurden entsprechend behandelt. Die meisten dieser Menschen litten und leiden ein Leben lang unter dem erfahrenen Unrecht.

Seit etwa zehn Jahren steht das Thema auch im Fokus der Öffentlichkeit, und immer mehr Informationen drängen ans Licht. Die Betroffenen verlangen, gehört zu werden. Die Ausstellung lässt eintauchen in fünf Einzelschicksale und zeigt sie exemplarisch für Tausende andere. Dabei soll die Vergangenheit mit der Gegenwart verknüpft und die Frage gestellt werden, wie uns das heute betrifft.

Die Ausstellung im Heimatmuseum öffnet am Sonntag, 5. Juni, und ist jeweils von Sonntag bis Mittwoch von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Am Dienstag, 14. Juni, um 17.30 Uhr wird das Thema in einem ersten Museumshengert vertieft. Uschi Waser, eine der in der Ausstellung Porträtierten, erzählt, wie sie sich in den Archiven auf die Spuren des eigenen Lebens machte.

www.heimatmuseum-davos.ch

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