Familientreffen im Kulturplatz
Ruedi Wachter, emeritierter Professor für historisch-vergleichende Sprachwissenschaft und begeisterter Wahlmonsteiner, – wie er sich selbst bezeichnet – hatte sich eigentlich vorgenommen, die Geschichte von Monstein aufzuarbeiten. «Das ist das Schöne an der Forschung. Man weiss nie, wohin sie einen führt», kommentiert er nun das Resultat. Angefangen hatte er mit der Transkription der Davoser Kirchenbücher ab 1559 bis 1650. Was er darin fand, fügte er in detektivischer Kleinstarbeit zu Familien- und Lebensgeschichten der Buol, Guler, Sprecher, Ardüser und all der anderen damals in Davos ansässigen Geschlechter zusammen. Deren Nachkommen sassen in grosser Zahl im Publikum und verfolgten gespannt, wer wann mit wem, und manchmal auch warum.
Ausführlich stellte Wachter die Geschichte von Drina Portmännin vor. Sie war die Einzige oder Letzte ihres Geschlechts, denn mit ihr verschwindet der Name aus dem Kirch- als auch dem Davoser Spendbuch. Dieses hatte sich für den Wissenschaftler als zusätzliche Quelle unschätzbaren Wertes erwiesen. «Beim Brand des Rat- sowie des Pfarrhauses von 1559 gingen alle schriftlichen Aufzeichnungen verloren. Um das Einkommen der Gemeinde wieder sicherzustellen, wurde in den Jahren danach in aufwendiger Arbeit jedes Gut und dessen Besitzer definiert und beschrieben», berichtete Wachter. Ausgehend von diesen Dokumenten und ergänzt durch die Chronik des Hans Ardüser (1557 bis 1617), Schulmeister und Wandermaler ab Ardüsch, gelang es ihm, ein überraschend detailliertes Lebensbild der eingangs erwähnten Drina Portmännin zu zeichnen. Denn sie hatte in zweiter Ehe Hans’ Bruder Christen geheiratet. In erster Ehe mit Abraham Buol hatte sie ein Gut in der Furra eingebracht und zwölf Kinder geboren, von denen sicher nur drei überlebten.
Damit war man schon mittendrin im Davoser Leben des späten 16. Jahrhunderts, durch das Wachter mit spitzbübischem Charme und offensichtlicher Begeisterung führte. Inzwischen vergessene Eigenarten hatten das allerdings erst möglich gemacht. So behielten Frauen nach der Heirat ihren Namen. Allerdings wurde dieser um die Silbe -in ergänzt, was zu der für heutige Ohren ungewohnten Variante Portmännin führt. Da man es damals mit der Orthografie nicht so genau nahm, sah sich Wachter mit nicht weniger als dreizehn verschiedenen Schreibweisen konfrontiert.