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Graubünden

Ab 2050 «Après Ski»

Südostschweiz
05.02.2025, 17:00 Uhr
heute um 16:56 Uhr

Die ETH Architektur-Professuren von Alexandre Thériot und Silke Langeberg hatten ihren Studierenden die Aufgabe gestellt, eine «Erstwohnungsinitiative» für Davos zu entwickeln: «Der ausbleibende Schneefall stellt Wintertourismusorte vor eine riesige ökonomische Herausforderung.» Sie fragten, was mit all den Zweitwohnungen passiere, wenn die Skitouristen nicht mehr kämen? Wie könnte obsolet werdende Bergbahninfrastruktur weitergenutzt werden, und wie könnte es gelingen, dass wichtige Bauzeugen erhalten bleiben? Das Forum Bau und Kultur Davos präsentierte die Abschlussarbeiten vor einem in grosser Zahl erschienenen Publikum. Es sollte eine spannende und lehrreiche Diskussion über die Zukunft in einem dem Untergang geweihten Wintertourismusort angestossen werden. Für ihre Antworten hatten sie die Studierenden einen Zeithorizont bis 2050 gegeben.

Das Bündaquartier

Muriel Bünker nahm sich der bestehenden Wohnsubstanz an. Sie sieht ein Bündaquartier, das zugunsten einer neuen und zunehmenden ständigen Wohnbevölkerung umgebaut werden kann. Da die Besitzer nicht mehr zum Skifahren kommen würden, sieht sie die Häuser mit ihrem Zweitwohnungsanteil von über 90 Prozent verwaist. Dazu soll der Bestand umgenutzt werden. «Ein wichtiger Unterschied zu der Zeit, als ich studierte», bemerkte Moderator Jürg Grassl vom Forum Bau und Kultur an einer Stelle. «Der Nachhaltigkeit wird viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Abreissen und neu Bauen ist nicht mehr aktuell. Den Studierenden wird beigebracht, den Bestand weiterzuentwickeln.» Genau das machte Bünker, indem sie die Innenarchitektur der Häuser hin zu den Bedürfnissen von Familien veränderte, das Quartier vom Individualverkehr befreite und die Wohnqualität durch eine parkähnliche Umgebung verbesserte. Als Höhepunkt sieht sie eines der zentralen Häuser zu einem allen zugänglichen Quartierzentrum umgewandelt. Eine Nutzung als Treffpunkt, für Aktivitäten, Läden, Ateliers soll den Austausch im Quartier fördern.

Die Schiferbahn

Moritz Wick schaute sich die für den Skibetrieb am Berg erstellten Schneeerzeuger, Leitungen, Schächte, Speicher sowie Bauten an. Aus dem Patchwork von immer neuen, sich ergänzenden Bauten auf dem Weissfluhjoch entschied er sich schliesslich, sich die Bergstation der Schiferbahn genauer anzuschauen, und kam zu Schluss: «Es gilt, den Ort pragmatisch weiter zu bauen und ihn einer neuen Nutzung zuzuführen.» Diese sieht er in einem Schulungs- und Forschungsraum. Er schlägt vor, den auf dem Joch bestehenden Wohnraum zugunsten mehr Behaglichkeit zu vergrössern und bei der grossen, mehrheitlich aus Stahl bestehenden Halle das Dach lichtdurchlässig zu öffnen. Das Innere soll unter Verwendung von Material der überflüssig gewordenen Skilifte für die neue Nutzung ausgebaut werden.

Kinderheilstätte Pro Juventute

Luciano Sarti wiederum schaute sich das bereits anderweitig überbaute Areal der ehemaligen Kinderheilstätte Pro Juventute an und präsentierte eine nachhaltige Alternative zu einer rein profitorientierten Stadtentwicklung. Im Ensemble mit Arbeiten von Rudolf Gaberel und Gaudenz Issler seien seit 2009 drei Gebäude abgerissen und durch eine Luxusresidenz ersetzt worden, sagte er einleitend. Für die verbleibenden Bauten würden auch bereits Abrisspläne bestehen. Er dagegen erträumte sich einen auf Stelzen stehenden Wohnturm. Dank einem solchen hätten die bestehenden Häuser erhalten und dennoch zusätzlicher neuer Wohnraum geschaffen werden können. In seiner Vision wird um zwei zentrale Kerne herum, ein multifunktionaler Wohnraum gebaut, der über eine gemeinsame Terrasse erschlossen wird.

Dass es in Davos in nur 25 Jahren keinen Wintersport mehr geben könnte, dieser Vorstellung mochte das Publikum kaum folgen. Die anschliessende Diskussion verlief denn auch nur zögerlich und förderte keine zusätzlichen Erkenntnisse zutage. Ausser, dass die Veränderung sicher kommt und Davos gut daran tut, sich damit zu beschäftigen. Oder wie Bünker es ausdrückte: Manchmal brauche es den Rückgang, damit Neues wachsen könne.

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