Fall Quadroni: Urteil gegen Ex-Polizisten kommende Woche erwartet
Der Whistleblower Adam Quadroni, und der ehemalige Postenchef der Polizei in Scuol sind am Donnerstag vor Gericht angehört worden. Er muss sich wegen Amtsmissbrauchs und Freiheitsberaubung verantworten.
Der ehemalige Polizeipostenchef von Scuol muss sich vor Gericht wegen Freiheitsberaubung und Hausfriedensbruchs verantworten. Der ehemalige Bauunternehmer Quadroni wegen Drohung gegen die Behörden. Hintergrund des Prozesses sind Ereignisse, die fast zehn Jahre zurückliegen: die Durchsuchungen und die Beschlagnahmung von Jagdwaffen im Haus von Quadroni, dessen mutmassliche Drohungen gegen die Polizei und der Einsatz der Polizei-Sondereinheit, die den ehemaligen Bauunternehmer im Juni 2017 festnahm. Die Akten füllten 18 Ordner, die am Donnerstag im Gerichtssaal standen.
Vor dem Regionalgericht Engiadina Bassa/Val Müstair wurden zwei Versionen des Sachverhalts dargelegt. Auf der einen Seite jene des Ex-Polizisten, der überzeugt war, korrekt gehandelt zu haben, um Quadronis Familie vor einer möglichen gewalttätigen Eskalation zu schützen.
Auf der anderen Seite die Anklage, die im Vorgehen des heute 69-Jährigen ein manipulatives Verhalten sah, mit dem Ziel, dem ehemaligen Bauunternehmer einen Denkzettel zu verpassen. Dieser hatte die illegalen Absprachen im Baugewerbe des Unterengadins aufgedeckt.
Anklage sieht persönliche Feldzug
Die Staatsanwaltschaft forderte eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren für den ehemaligen Polizisten. Die Gründe für eine Hausdurchsuchung bei Quadroni im Dezember 2016 seien nicht gegeben gewesen. Ein darauffolgender Polizeirapport habe die Gefährlichkeit Quadronis verzerrt und übertrieben dargestellt.
Die Verhaftung Quadronis am 15. Juni 2017 durch eine Spezialeinheit bezeichnete die Anklage als «objektiv ungerechtfertigt und unverhältnismässig». Quadroni wurde damals aus seinem Auto gezerrt, gefesselt und mit verbundenen Augen zur Polizeistation gebracht. Anschliessend wurde er für eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik nach Chur überführt.