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Graubünden

TV-Serie über Bündner Medienimperium: Fiktion oder Realität?

Die fünfteilige TV-Serie «L'ultim Rumantsch» wird ab Sonntag im Fernsehen zu sehen sein. Darin wird eine fiktive Geschichte rund um ein Bündner Medienimperium erzählt.
Agentur sda
20.01.2024, 04:30 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Ähnlichkeiten zur Somedia-Verlegerfamilie Lebrument sind nicht abzustreiten. Die Serie zeigt aber viel mehr noch die Herausforderungen der Schweizer Medienlandschaft.

Die Serie reflektiere ein aktuelles Thema, schrieb RTR-Chefredaktor Flavio Bundi in einer Mitteilung zu «L'ultim Rumantsch». Sie zeige den Überlebenskampf der Medien und den an Substanz verlierenden Journalismus. Es sei deshalb umso relevanter, auch als öffentliches Medienhaus solche Themen aufzugreifen. Die Serie in Rätoromanisch und Deutsch wird ab dem 21. Januar immer sonntags um 18.15 Uhr auf SRF 1 ausgestrahlt.

Die fiktive Geschichte um die Verlegerfamilie Durisch zeigt die hart umkämpfte Verlagsindustrie. Das Familiendrama dreht sich um überholte Geschäftsmodelle, Abhängigkeiten, Macht, Geld und Neid. Als der Gründer des Unternehmens «Medias Grischunas» Gion-Peder Durisch - genannt «GP» - überraschend stirbt, will der jahrelang schikanierte Sohn Gion endlich seine Macht ausüben und die schwächelnde rätoromanische Zeitung «Posta» einstellen. Ihm kommt jedoch seine aktivistische Nichte Ladina in den Weg.

Charaktere ähneln Familie Lebrument

Gewisse Ähnlichkeiten zur Somedia Verlegerfamilie Lebrument drängen sich auf. Auch hier gründete Hanspeter Lebrument - oft «HP» genannt - das Medienimperium Somedia. Zum Verlagshaus gehören unter anderem die Zeitungen «Bündner Zeitung», «Glarner Nachrichten», «Bündner Tagblatt», sowie der Radiosender «Radio Südostschweiz» und der gleichnamige Fernsehsender.

Auch im Somedia-Imperium gibt es eine rätoromanische Zeitung, die «La Quotidiana». 2017 gab das Medienhaus bekannt, die jährlichen Defizite nicht mehr länger tragen zu wollen und die Zeitung einzustellen, wenn sich keine Lösung finde. Mittlerweile produziert die Fundaziun Medias Rumantschas das Blatt. Die Zeitung erscheint aber weiterhin im Verlag Somedia.

Auch die Kinder Hanspeter Lebruments sind - wie in der Serie - im Familienunternehmen tätig. Sohn Silvio Lebrument amtet als Verwaltungsratspräsident. Seine Schwester Susanne Lebrument hat den Posten der Vizepräsidentin inne. Der jüngste Sohn Pesche Lebrument führt als Chefredaktor die Zeitung «Bündner Tagblatt».

«Ähnlichkeiten stören nicht»

Auch die Dreharbeiten von «L'ultim Rumantsch» fanden unter anderem im Somedia-Haus in Chur statt. Teilweise ist sogar das Büro Gions, oder eben Silvio Lebruments zu sehen. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte dieser, dass die Ähnlichkeiten zwar nicht abzustreiten seien, ihn aber nicht gestört hätten.

Der Verwaltungsratspräsident erteilte RTR sogar die Erlaubnis, im Medienhaus zu drehen. «Wenn sie schon eine Serie über ein Bündner Medienunternehmen machen, dann auch in einem authentischen Haus», sagte Lebrument. Er nannte die Serie weiter «erfrischend», auch wenn er sich persönlich ein anderes Ende gewünscht hätte. Er hoffe einfach, nicht als so «giftig» wahrgenommen zu werden wie sein Pendant in der Serie, Gion Durisch.

RTR schreibt zu den Ähnlichkeiten, dass die Familie Lebrument bei der Entwicklung der Serie nie Vorbild oder Thema gewesen sei. Die Gemeinsamkeiten hätten vielmehr mit gesellschaftlichen Realitäten zu tun. Auch in anderen Medienhäusern würden ähnliche Strukturen herrschen. Da eine authentische Geschichte gezeigt werden solle, habe man sich eben an der Wirklichkeit orientiert.

Hier lang gehts zum Trailer der Serie: