True Crime Graubünden: Ein überraschender Fund im Wert von mehreren 100'000 Franken
Ein Verteilzentrum ist ein wichtiger Teil einer Lieferkette – beispielsweise für Detailhändler. Es ist vereinfacht gesagt für den Empfang von Waren verantwortlich und lagert sie bis zu ihrer Weiterverteilung. Auch Sendungen aus dem Ausland werden hier häufig in Empfang genommen. Das ist für den neuesten True-Crime-Fall wichtig zu wissen. Dieser spielt am 24. November 2010 in einem Verteilzentrum in Landquart. Einige Tage zuvor wurde dorthin eine Warenlieferung aus Kolumbien zugestellt. Offiziell handelt es sich um Bananenschachteln voller Bananen.
So weit so normal, stammen viele der Bananen, die in der Schweiz verzehrt werden, doch aus Lateinamerika. Doch in diesem Fall fand noch ein noch ein zweiter und illegaler Exportschlager, für den Kolumbien ebenfalls bekannt ist, den Weg in die Bananenschachteln: 19 rund ein Kilogramm schwere Beutel mit Kokain, die in zwei Paketen verpackt waren. Es war zu diesem Zeitpunkt die grösste Menge an Kokain, die in Graubünden jemals sichergestellt wurde.
Weitere 80 Kilogramm Kokain in anderen Kantonen sichergestellt
Und es hätte noch mehr sein können. Denn: Ein Teil der «Bananen» war bereits von Landquart aus an eine Filiale im Oberthurgau ausgeliefert worden. Diese Lieferung hatte weitere zehn Kilogramm Kokain beinhaltet, welche kurz nach der Auslieferung ebenfalls durch die Polizei konfisziert werden konnte. Insgesamt wurden in dieser Novemberwoche in der Schweiz gar rund 100 Kilogramm Kokain entdeckt. Weitere rund 70 Kilogramm wurden nämlich im Kanton Bern gefunden. Der damalige Marktwert der gesamten Lieferung: rund 1,5 Millionen Franken.
Vertauschte Lieferungen
Gemäss damaligen Erkenntnissen des zuständigen Untersuchungsrichteramtes des Kantons Bern wurden die Bananenschachteln irrtümlich in die Schweiz geliefert. Eine Schiffsladung aus Kolumbien sei mit Verspätung im belgischen Zielhafen Antwerpen eingetroffen. Beim offenbar allzu hastigen Umladen seien die Bananenschachteln, in denen das Kokain versteckt gewesen sei, wohl vertauscht worden. Auf dem Landweg sei die Lieferung aus Antwerpen dann in ein Reifelager in Utzenstorf im Kanton Bern gelangt. Dieses belieferte unter anderem die Verteilzentrale in Landquart, sodass ein Teil des Kokains schliesslich nach Graubünden gelangte.
Antwerpen als Kokain-Umschlagplatz
Dass das Kokain von Kolumbien über Antwerpen angeliefert wurde, ist kein Einzelfall. Die belgische Hafenstadt ist bis heute einer der wichtigsten Umschlagplätze für Kokain in Europa. Alleine im vergangenen Jahr wurden dort 44 Tonnen Kokain beschlagnahmt, in anderen Jahren waren es teilweise gar über 100 Tonnen.
Fragen bleiben ungeklärt
Und wie ging die Geschichte rund um das an verschiedenen Schweizer Orten gefundene Kokain weiter? Wurden Täter gefasst? Und wo sollte das Kokain eigentlich hin? Diese Fragen sind bis heute unbeantwortet. Die zuständige Berner Staatsanwaltschaft hält gegenüber unserer Redaktion fest, dass das Verfahren mit Verfügung vom 19. August 2011 sistiert wurde, «weil die damaligen Ermittlungen keine Hinweise auf die Täterschaft liefern konnten und sich weiterführende verhältnismässige Beweismassnahmen zum damaligen Zeitpunkt nicht anboten».