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Graubünden

True Crime in Laax: Was die Polizei fand, ist kaum zu glauben

Ein beschauliches Haus in Laax, zwei Männer aus Kolumbien – und ein Fund, der die Polizei sprachlos macht. Die Geschichte hinter dem geheimen Kokainlabor liest sich wie ein Thriller.
Patrick Kuoni
14.07.2025, 16:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Wie ist das überhaupt möglich? Diese Frage stellte sich wohl auch die Polizei, als sie im Dezember 1993 in Laax ein Kokainlabor aushob. Aber bevor wir zum Grund für diese Frage kommen, der Reihe nach: Einer der beiden Hauptprotagonisten, im weiteren Verlauf der Geschichte Alejandro genannt, erhielt im Verlaufe des Jahres 1993 in Kolumbien den Auftrag von einer Person, die unter dem Übernamen «der Alte» bekannt war, jemanden zu organisieren, der nach Europa reist. Hintergrund für diesen Auftrag: Drogengeschäfte. Alejandro liess sich darauf ein. Unter anderem wohl deshalb, weil er mit einem Gold-Vermittlergeschäft Schulden in Höhe von 14'000 US-Dollar aufwies. Viel Geld, wenn man bedenkt, dass Alejandro durchschnittlich rund 300 US-Dollar im Monat verdiente.

Auf der Suche nach Chemikalien

Alejandro kontaktiere Francesco (Name auch hier geändert), von dem er wusste, dass dieser ohnehin vor hatte, nach Europa zu fliegen. Er brachte ihn mit «dem Alten» zusammen. Francesco erhielt den Auftrag, in der Schweiz diverse Chemikalien zu beschaffen, die später zur Extraktion von Kokain dienen sollten. Am 14. Juli 1993 begab sich Francesco in die Schweiz und traf Mitte August einen Mann namens Max (Name geändert) in Zürich. Er übergab diesem eine Liste mit Chemikalien, die für die Extraktion von Kokain notwendig sein würde.

In der Zwischenzeit wurde Alejandro in Kolumbien zu einem Spezialisten für die Extraktion von Kokain ausgebildet. Am 14. November 1993 reiste auch Alejandro in die Schweiz, wo er mit Francesco zusammentraf. Eine Woche später fand im Mc Donalds in Zürich ein Treffen mit Max statt. Die drei trafen eine Übereinkunft, dass sie in einem Appartement in Laax, welches Max organisieren würde, eine Kokainküche einrichten.

Kokain in Notenblättern

Und damit zurück zur einleitenden Frage. Die Pläne der Kolumbianer waren nämlich äusserst raffiniert. Das aus Kolumbien stammende Kokain wurde nämlich mit der Post und getarnt als Notenbücher in die Schweiz geschafft. Darum waren auch die Chemikalien, die Francesco über Mittelsmänner beschaffen wollte, von Nöten. Damit sollte das Kokain aus den einzelnen Notenblättern extrahiert werden.

Am 3. Dezember 1993 trafen die Chemikalien, transportiert von Max und Alejandro, in Laax ein. Alejandro bemerkte gegenüber Max zu diesem Zeitpunkt, dass die Menge an Flüssigkeit viel zu gering sei, um damit richtig arbeiten zu können. Doch dieses Problem erledigte sich dann von selbst. Kurz darauf erfolgte der Zugriff der Kantonspolizei Graubünden. Alejandro und Francesco. wurden verhaftet.

2,4 Kilogramm Kokain verborgen

Die Polizei stellte 1606 kokainhaltige Notenblätter sicher, dazu Laborgeräte und die Flüssigkeiten zur Extraktion des Kokains. Später stellte das Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern fest, dass aus den Notenbüchern insgesamt 2,4 Kilogramm reines Kokain hätten gewonnen werden können. Die beiden Beschuldigten wären ausserdem tatsächlich in der Lage gewesen, mit den entsprechenden chemischen Prozessen das Kokain aus den Notenblättern zu extrahieren. Alejandro werden in diesem Zusammenhang in Gerichtsakten «ein präzises Fachwissen, eine solide Grundausbildung und eine gute Schulung» attestiert.

Mehr Kokain in Spanien gelagert

Am 5. Juli 1994 kam es am Kantonsgericht Graubünden (heute Obergericht) zum Prozess gegen Alejandro und Francesco. Aus dem Gerichtsurteil kann entnommen werden, dass Alejandro inzwischen in Kolumbien wegen den gemachten Schulden unter Druck gesetzt worden war und dies das Motiv für das Drogengeschäft war. Francesco gab einzig ein finanzielles Motiv an.

Francesco wurde vor Gericht auch noch ein zusätzliches Geschäft mit 300 Gramm Kokain angelastet. Und das Kantonsgericht kam zum Schluss, dass Alejandro und Francesco wohl noch weiteres kokainhaltiges Material verarbeitet und abgesetzt hätten. Dies, weil in Spanien noch fünf bis sechs Kilogramm weiteres Kokain gelagert war, was die Angeklagten ebenfalls wussten. Das Kantonsgericht verurteilte Alejandro schliesslich zu vier Jahren Gefängnis, Francesco zu viereinhalb Jahren. Ausserdem wurde gegen beide ein Landesverweis von zehn Jahren Dauer ausgesprochen.

* Die Informationen aus diesem Artikel entstammen alten Zeitungsartikeln und dem Urteil des damaligen Kantonsgerichtes Graubünden.