Filisur: Für 2500 Franken eine Wirtin ermordet
Paula Roth darf wohl getrost als «Original» betitelt werden. Also als eine Person, «die unabhängig von der Meinung anderer in liebenswerter Weise durch bestimmte Besonderheiten auffällt», wie das Wort im Duden beschrieben wird. Eine Eigenheit, die in verschiedenen Erzählungen und Berichten so überliefert wird, ist, dass sie nichts von Banken hielt und ihr Geld lieber in Reichweite gehalten hat. Die Wirtin des damaligen Wirtshauses «Bellaluna» zwischen Filisur und Bergün erzählte dies scheinbar jedem, der von ihrem Hund nicht angebellt wurde. Doch genau das könnte Roth zum Verhängnis geworden sein. Sie wird nämlich am 18. April 1988 bei einem Raub ermordet. Ihr Leben findet mit 70 Jahren ein abruptes und gewalttätiges Ende.
Geschäftsmann mit Geldsorgen
Aber der Reihe nach: Wie heute klar ist, endet das Leben von Roth wegen eines in Geldnot steckenden Geschäftsmannes. Wir nennen ihn an dieser Stelle G.K. Er hatte munkeln gehört, dass in der «Bellaluna» ein Geldbetrag von 50’000 bis 70’000 Franken zu holen sei. Der Schweizer plant zusammen mit zwei Männern aus dem damaligen Jugoslawien (B.E. und Z.R) den Raub und fährt am Abend des 18. April 1988 von St. Gallen zur «Bellaluna». Die beiden Begleiter führen Messer, einen Meissel, eine Metallkette, ein zwei Meter langes Seil, eine Taschenlampe und Handschuhe mit. Der Plan ist, wie im späteren Prozess gegen die drei bekannt wird, Roth an einen Stuhl zu fesseln und anschliessend im Haus nach Geld zu suchen.
Tatsächlich beim Verbrechen dabei sind dann aber nur B.E. und Z.R., während G.K. weiter nach Bergün fährt und ein Bier trinkt. Er hat die Aufgabe, B.E. und Z.R. nach dem Raub wieder abzuholen und nach Hause zu fahren. Z.R. steht Schmiere, während B.E. das Lokal betritt und Roth schliesslich mit elf Messerstichen brutal ermordet. Und dies für eine Beute von knapp 2500 Franken. Das ist der Betrag, den B.E. bei der darauffolgenden Suche nach Geld in den Räumlichkeiten der «Bellaluna» findet.