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Graubünden

«Mich wundert es nicht, dass das Jesuskind in einem Stall geboren wurde»

Südostschweiz
20.12.2023, 04:30 Uhr
12.05.2026, 16:56 Uhr

von Gabi Corvi

Nun ist sie da, die Essenz aus dreieinhalb Jahren «Stalltüre». Auf vielfachen Wunsch der Leserschaft hat Barbara Schirmer aus dem Fundus von über 200 Geschichten, die in den «Glarner Nachrichten» und der «Linth-Zeitung» abgedruckt wurden, 51 in einem 107-seitigen Buch zusammengefasst. «Meine Darlings», wie Schirmer ihre ausgewählten Leseperlen nennt, sind witzige Streifzüge durch den Bauernalltag. Pointiert verknüpft Barbara Schirmer Begebenheiten zwischen Futtertrog und Feinkost, Heuballen und Hofhunden mit Gedankengängen ausserhalb des bäuerlichen Mikrokosmos.

Als Tochter eines Schreinermeisters und notabene selbst gelernte Schreinerin aus dem zürcherischen Uster wurde sie erst durch Heirat ins ländliche Schänis «versetzt». Genauer gesagt nach Warthausen in Dorf in Schänis. Und von diesem schönen Fleckchen aus, auf dem es miaut und schnattert, knattert und summt, berichtet sie 14-täglich in ihrer Samstagskolumne. Auch die Leserinnen und Leser sind mittendrin und nicht nur dabei, wenn Gitzi das Licht der Welt erblicken, der Heukran bockt oder «ihr Bauer» den ganzen Sommer lang mit der Aebi-Lady fremd geht. «Mein Bauer» ist denn auch das «Bonmot» fast jeder Geschichte und gehört zur Stalltüre wie das Huhn aufs Stängeli.

Buchprojekt ist auch Familiensache

«Apropos, ‹mein Bauer› hat fürs Buch die ‹Stalltüre› ins ‹Tänntörli› verwandelt», erzählt Barbara Schirmer. Für die nicht-bäuerliche Bevölkerung klärt Schirmer augenzwinkernd gleich selbst auf: «Mein Bauer meinte an einem regnerisch-nassen Tag, dass es richtiges Tänntörli-Wetter sei. Was so viel bedeutet, als dass man heute gescheiter am Schärme, sprich unter dem Tänntörli stehen bleibt, um etwas zu schwatzen.» Et voilà, das «Tänntörligflüschter» war geboren.

Zum treffenden Titel kamen dann noch die liebevollen Illustrationen ihrer Töchter Viktoria und Sophia hinzu. Im ganzen Buch steckt ganz viel (Hof-)Familie drin. «Mir war es wichtig, dass alle meine vier Kinder in irgendeiner Form vorkommen und auch alle Tiere einen Platz in den Geschichten erhalten.»

Die Begebenheiten basieren auf einem wahren Grund – und bekommen, angereichert mit dem Sprachwitz und den Gedankenspielen der Autorin, den unwiderstehlichen Touch. Ja, die zum Schmunzeln anregenden Bilder, die im Kopf entstehen, haben Suchtpotenzial. Leicht und fröhlich wie der Sommerflug der Schwalben im Gaden oder das wohlige Knistern des Buchenholzes im Kachelofen sind die Texte geeignet für den Lesespass auf dem Liegestuhl oder auf dem Sofa inklusive Wollsocken und Punsch. Fernab von politischem Hickhack oder gesellschaftskritischen Tönen geschrieben, sollten die 51 Geschichten Freude bereiten und unterhalten, meint Schirmer.

Bücher gehen weg wie frische Weggli

Die Bücher wurden in der Region gedruckt und kommen ohne Hochglanzcover aus. Das war Barbara Schirmer wichtig. Und ohne Schnickschnack möchte sie auch den Vertrieb gestalten und die Bücher über www.bauernhof-warthausen.ch/schreibstube/ verkaufen.

Was gar nicht so einfach ist, denn schon jetzt – kaum publik gemacht – ist die Nachfrage nach den «Tänntörlis» gross. Die vielen Schachteln an bereitgestellten Büchern im Gang des Hauses sprechen Bände. Auch die ersten Buchhandlungen sind aufgesprungen und haben die gesammelten Stalltüren-Werke bereits in der Auslage präsentiert. Jänu, jetzt muss halt in den Bauernalltag auch noch der Buchversand integriert werden.

Barbara Schirmer schmunzelt und nimmts locker. Denn auch die hektische Weihnachtszeit kann der Bauersfrau nicht viel anhaben. Wo sie ihren Ort des Friedens findet, ist klar. Man kanns auf Seite 104 nachlesen: «Wie viel schöner ist es doch in unserem Stall. Mich wundert es ja nicht, dass sich das Jesuskind ausgerechnet einen solchen ausgesucht hat, um auf die Welt zu kommen. Ställe sind die Ruhe pur. Das dürfen Sie mir glauben.»

Barbara Schirmer: «Tänntörligflüschter». Erni Druck. 107 Seiten. ISBN 9978–3-85724–092-8

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