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Graubünden

Erfolgreich im Vorstellungsgespräch: Weshalb euer Outfit nicht in Erinnerung bleiben sollte

Bewerbungsgespräche sind für viele eine grosse Herausforderung. Ein Bündner Experte für Arbeitsvermittlung verrät, welche Fehler ihr unbedingt vermeiden solltet und wie das Gespräch zum Erfolg wird.
09.04.2024, 11:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Die Hände sind schwitzig, die Stimme zittert leicht und im Kopf überschlagen sich die Gedanken – ja, Vorstellungsgespräche können sogar die Selbstsichersten unter uns ins Wanken bringen. Doch jede und jeder muss sich früher oder später mal einem solchen Gespräch stellen und will den zukünftigen Arbeitgebenden dabei natürlich überzeugen.

Wie aber bereitet man sich erfolgreich auf ein Vorstellungsgespräch vor und wie können Bewerberinnen und Bewerber einen positiven Eindruck hinterlassen?

Vorbereitung ist alles 

Nicola Melillo ist RAV-Koordinator und leitet die Abteilung der Arbeitsvermittlung beim kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit. Er beschäftigt sich beinahe täglich mit Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen. Laut ihm ist eine gründliche Vorbereitung der Schlüssel zum Erfolg. «Ich empfehle immer, sich gut über das Unternehmen zu informieren, bei dem man sich vorstellt.» Heutzutage lasse sich das schnell und einfach über die Website der Firma bewerkstelligen, wo man mit einem Klick herausfinden könne, wer die Geschäftsführung innehabe oder wie gross das Team sei.

Mit diesem Wissen schafft man laut Melillo eine solide Basis. Ebenso wichtig während der Vorbereitung sei die Outfitwahl. Melillos Rat lautet: «Nicht underdressed, nicht overdressed, sondern dem Unternehmen angemessen.» Damit meint er, eine branchengerechte, schlichte und gepflegte Kleidung. «Für ein Vorstellungsgespräch bei einer Baufirma wähle ich eine andere Garderobe als bei einer Bank», führt der Experte aus und fügt an: «Der Grundsatz lautet: ‹Nach dem Gespräch sollte sich der Gesprächspartner nicht unbedingt an das erinnern, was man getragen hat›.»

Nachfragen kann Interesse vermitteln

Auch wenn gerne und oft davon gesprochen wird, dass ein Vorstellungsgespräch ein Kennenlernen ist, so wird den Bewerbenden trotzdem mit Fragen ganz genau auf den Zahn gefühlt. Laut Melillo können das Fragen sein wie: Wieso sind Sie gerade für die Stelle geeignet? Was sind Ihre Lohnvorstellungen? Oder weshalb sind Sie die Person, die wir nehmen sollten? «Natürlich sind solche Fragen immer etwas spitzfindig, aber man kann sich gut darauf vorbereiten», betont der Experte. Gleiches gelte für die Abfrage der Stärken und Schwächen. 

Umgekehrt sollten Bewerberinnen und Bewerber ebenso den Mut haben, Fragen zu stellen, mit denen sie bestenfalls auch gleich noch ihr Interesse bekunden können. «Spezifische Fragen zum Unternehmen oder zu allgemeineren Themen sind immer willkommen, während Fragen zum Gehalt oder Urlaubstagen weniger geeignet sind, um ins Gespräch zu kommen.» Darüber hinaus sei die Körpersprache nicht zu unterschätzen. «Eine aufrechte Haltung und direkter Blickkontakt signalisieren Selbstbewusstsein und Interesse. Diese subtilen Zeichen können entscheidend sein, um während des Gesprächs eine positive Atmosphäre zu schaffen.»

Findet ihr, man sollte allgemein offener über das Thema Lohn sprechen?

Besser nicht vom Streit mit dem Ex-Chef erzählen

Ein Tabu in Vorstellungsgesprächen, dem Melillo oft begegnet, sind Geschichten aus der Vergangenheit. Bewerberinnen und Bewerber riskierten häufig ihre Chancen, indem sie während des Vorstellungsgesprächs schlecht über ihren ehemaligen Arbeitgeber sprächen. «Niemanden interessiert es, wie man im alten Unternehmen behandelt wurde oder welche Differenzen man mit seinem Vorgesetzten hatte», betont der Experte. Deshalb sollte man dies unbedingt vermeiden.

Generell gilt laut Melillo, vorbereitet in das Gespräch zu gehen. «Man hat in seinem Leben meist nicht Hunderte von solchen Gesprächen, und natürlich ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, aber das Vorstellungsgespräch kann man üben.» Oft würden sich Arbeitgeber nämlich für die Person entscheiden, die sympathischer und positiver gewirkt habe, auch wenn sie möglicherweise weniger Kenntnisse mitbringe. «Deshalb empfehle ich, das Gespräch zu Hause zu üben, sich Notizen zu machen, etwa zu möglichen Fragen, und eine positive Einstellung an den Tag zu legen.»

Des Weiteren sollte man nicht vergessen, dass in der heutigen vernetzten Welt auch die Onlinepräsenz eine Rolle spielen kann. Viele Arbeitgeber nehmen sich die Zeit, die sozialen Medien ihrer potenziellen neuen Mitarbeitenden zu durchstöbern, um ein ganzheitlicheres Bild von ihnen zu erhalten, wie Melillo sagt. «Man kann sich mit dem eigenen ‹Social-Auftritt› vieles verbauen. Daher ist es ratsam, sich online ebenfalls von seiner besten Seite zu zeigen», so der Experte.

Auf welchen sozialen Plattformen sind Menschen aus Graubünden eigentlich am meisten unterwegs? Dazu gibt es hier mehr: 

Graubünden setzt eher auf Facebook, Glarus wiederum auf Instagram und Linkedin

Auch digitale Treffen können schiefgehen 

Neben den traditionellen Vorstellungsgesprächen vor Ort nehmen digitale Gespräche immer mehr zu. Besonders seit der Coronapandemie setzen viele Arbeitgeber auf Onlinetreffen. Trotz der Distanz von Bildschirm zu Bildschirm gibt es – wie Melillo betont – einiges zu beachten. Ein wesentlicher Aspekt sei die Wahl der Umgebung. Er empfiehlt, einen ungestörten Ort mit einem möglichst neutralen Hintergrund auszuwählen – in vielen Videotelefonie-Apps sind mittlerweile aber auch voreingestellte Hintergründe verfügbar. Zudem sollte die Kamera so ausgerichtet werden, dass das Gegenüber Gesicht und Oberkörper deutlich sehen kann. «Und es mag banal klingen, aber bei einem digitalen Gespräch ist es ebenso wichtig, für Ruhe zu sorgen und beispielsweise kein offenes Fenster mit Aussenlärm zu haben», ergänzt Melillo.

Unabhängig davon, ob das Vorstellungsgespräch digital oder persönlich stattgefunden hat – das Verhalten nach dem Treffen ist auch von Bedeutung. In der Regel erhält man nicht direkt eine Zusage, und manchmal dauert der gesamte Bewerbungsprozess einfach etwas länger, wie Melillo erklärt. «Es kommt aber immer gut an, wenn sich Bewerbende kurz nach dem Gespräch nochmals melden und klarmachen, dass sie an der Stelle immer noch interessiert sind.» Mit der richtigen Wortwahl und Empathie dürfe man durchaus direkt im Gespräch nachfragen, bis wann man mit einer Antwort rechnen dürfe. Sollte das Interesse an der Stelle aber verloren gehen, empfiehlt Melillo, dies offen zu kommunizieren. «Eine respektvolle Absage per Schreiben oder Anruf hinterlässt immer einen guten Eindruck. Ehrlichkeit ist bei einer Bewerbung ohnehin das A und O.»

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