Zugfahren mit dem Velo ist nirgends so simpel wie hier
Versteckt auf dem südlichsten Gleis 7 des Bahnhofs Rapperswil steht am Montagmorgen ein unscheinbar wirkender Zug der Südostbahn (SOB). Doch dieser hat es in sich. Darum steigen über ein Dutzend Medienschaffende aus der ganzen Schweiz und dem benachbarten Ausland zu.
«Wir präsentieren heute ein Novum, eine Schweiz-Neuheit – wenn nicht eine Weltneuheit», sagt Urs Brütsch, Leiter Mobilität bei der SOB und nimmt die Journalistenschar mit auf eine Reise in die nahe Zukunft. Konkret geht es um ein Pilotprojekt, das die SOB in einer Medienmitteilung mit «flexible Abteile für Velo und Gepäck» umschreibt.
Wer schon einmal mit einem Velo in einen Zug eingestiegen ist, weiss: Das ist mühsam. Entweder fehlt es an Platz, das Velo ist zu schwer für die Aufhängevorrichtung, andere Zugreisende drängeln und so weiter. Das Gleiche gilt für Kinderwagen, E-Trottinette, Reisekoffer, Skis und Snowboards.
Das ÖV-Dilemma
Gleichzeitig fordert die Situation Bahnbetriebe heraus. Denn die Bedürfnisse der Kundschaft ändern sich je nach Uhrzeit, Wochentag oder Saison. «Trotzdem bieten wir zu jeder Tages- und Nachtzeit, bei jedem Wetter, stets das gleiche Angebot an Sitz- und Stellplätzen an», so Brütsch. Der SOB-Kadermann nennt es ein regelrechtes Dilemma des öffentlichen Verkehrs.
Abhilfe soll nun ein System schaffen, das von der Firma Erfindergeist aus Rorschacherberg entwickelt wurde. Industriedesigner Christian Keller zeigt in wenigen Handgriffen, wie es geht. Er braucht keine Minute, um zwei Viererabteile verschwinden zu lassen. Zusammengeklappt hängen diese an der Seite und geben eine Fläche frei für sechs Fahrräder. «Das ist die offiziell zugelassene Zahl», sagt Keller mit einem Augenzwinkern.
Offensichtlich bietet die Stellfläche je nach Zweiradtyp wohl auch Platz für etwas mehr Gefährte. Kinderwagen wiederum sind auf der gegenüberliegenden Seite vorgesehen. Am Boden aufgezeichnete Piktogramme zeigen, was wo hingehört.