So bewältigte das Spital im Unterengadin das Carunglück in Susch
Ein Ereignis wie das Carunglück in Susch mit 40 Verletzten und fünf Todesopfern fordert die umliegenden Spitäler. Verschiedene Gründe führten dazu, dass das Spital dennoch nicht an seine Grenzen kam.
Um 16.45 Uhr kam es am vergangenen Donnerstag auf der Strasse zwischen Zernez und Susch zu einer Katastrophe. In einem Baustellenbereich kam ein niederländischer Reisecar von der Strasse ab. Fünf Personen starben, drei Personen verletzten sich schwer, sieben mittelschwer und 30 leicht. Sie wurden alle von insgesamt sieben Rettungshelikoptern der Rega, der Alpine Air Ambulance und Heli Austria sowie von 13 Ambulanzteams in verschiedene Spitäler überführt.
Zehn der leicht bis mittelschwer Verletzten wurden ins Gesundheitszentrum Unterengadin nach Scuol gebracht. Für ein Regionalspital kein alltägliches Ereignis, wie auch der Spitaldirektor des Gesundheitszentrums Unterengadin, Joachim Koppenberg,festhielt, der gleichzeitig Chefarzt der Abteilung für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Notfallmedizin ist.
Dennoch sei das Spital nicht an seine Kapazitätsgrenzen gestossen, wie er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte. Verschiedene Faktoren hätten die Chaosphase, die es nach einem solchen Ereignis häufig gebe, minimiert. «Zum einen liess das Wetter Rettungsflüge zu, was eine bessere überregionale Verteilung der Verletzten auf verschiedene Spitäler zuliess», sagte Koppenberg.
So wurden beispielsweise sechs der leicht bis mittelschwer verletzten Patienten direkt nach St. Gallen geflogen, wie das Kantonsspital St. Gallen am Dienstag bestätigte. Die Schwerverletzten konnten ebenfalls in die entsprechend ausgerüsteten Zentrumsspitäler überführt werden.
Zum anderen hat gemäss Koppenberg die Triage vor Ort – die am Ende entscheidet, wer in welches Spital transportiert wird – sehr gut funktioniert. «Das zeigt auch, dass keiner der zehn Verletzten, die ins Gesundheitszentrum Unterengadin gebracht wurden, weiterverlegt werden musste», so Koppenberg. So habe das Chaos von den Spitälern ferngehalten werden können.
Krisenstab eingesetzt, Personal aufgeboten
Das Spital Scuol sei selbst mit drei Ambulanzen und zwei Notärzten vor Ort gewesen. Geholfen habe für die schnelle Behandlung der Patientinnen und Patienten auch, dass aufgrund der Tageszeit sowieso mehr Personal im Einsatz gewesen sei. «Nach Bekanntwerden des Unglücks setzte sich unser Krisenstab zusammen und sorgte dafür, dass die Ressourcen hochgefahren werden – sprich zusätzliches Personal aufgeboten wurde», sagte Koppenberg.
Zwischen 17.30 und 18.40 Uhr seien dann die Verletzten – etwa mit Rippen- oder Beckenbrüchen – alle eingetroffen und mussten auch stationär aufgenommen werden. Stand Dienstagnachmittag waren noch zwei der Patienten hospitalisiert.
Der Normalbetrieb im Spital sei dank der genannten Faktoren innert dreier Stunden wiederhergestellt gewesen. Zudem konnten noch zwei normale Notfälle betreut werden. «Bei schlechtem Flugwetter oder einem Grossunglück zu Randzeiten hätte die Aufnahme und Versorgung der Patientinnen und Patienten wohl bis in den Freitag hinein angedauert», so Koppenberg.
Das Spital in Scuol verfüge über ein Katastrophen-Konzept und übe solche Katastrophenereignisse regelmässig, was ebenso geholfen habe. Der tragische Ernstfall habe nun bewiesen, dass solche Übungen sich bewähren.
Zehn Patienten auch im Oberengadin behandelt
Ähnlich schildert die CEO des Spitals Oberengadin, Sacha Geier, die Krisenbewältigung. Auch dort wurden insgesamt zehn verletzte Personen stationär behandelt. Die meisten von ihnen konnten das Spital mittlerweile wieder verlassen.
«Die zusätzlichen Patientinnen und Patienten konnten im Rahmen der vorhandenen und kurzfristig mobilisierten Kapazitäten versorgt werden. Zu Kapazitätsengpässen kam es nicht», sagte sie.