Dagmar Doll: «Musik berührt weit mehr als den Verstand»
von Swantje Kammerecker
Nach dem letztjährigen Erfolg des Formats «Wort und Musik» in der Stadtkirche Glarus wird nun am gleichen Ort wieder eine Lesung mit Musik angeboten. Das Programm haben Konzertmeister Peter Ferndriger und Reto Cuonz, Dirigent des Glarner Kammerorchesters, speziell für die tragende Akustik der Alpenkathedrale zusammengestellt.
Die Orgel übernimmt im «Concerto Grosso Nr. 1» von Ernest Bloch mit dem ursprünglich für Klavier gesetzten Solopart eine tragende Rolle. Sie erweitert den Klang des Streichorchesters auf symphonische Dimensionen. Möglicherweise ist mit der von Organistin Lara Schaffner eingerichteten Orgelfassung sogar eine Uraufführung zu hören.
In Arvo Pärts meditativem Stück «Fratres» kommt ein von Christoph Kobelt gespieltes Schlagwerk dazu. Alle gespielten Werke stammen aus dem letzten Jahrhundert. Erfahrungen wie Krieg, Flucht, Emigration betrafen dabei nicht nur Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926), dessen Gedichte von Dagmar Doll rezitiert werden, sondern auch manche Komponisten. Sie decken eine grosse Spannweite emotionaler Erfahrungen ab – vom verträumten oder melancholischen bis zum kraftvollen, aufwühlenden Gestus.
Protagonisten des Anlasses sind das Glarner Kammerorchester unter Reto Cuonz, die Organistin Lara Schaffner und Pfarrerin Dagmar Doll. Sie erklärt, wieso sie diese Art einer Veranstaltung spannend findet.
Frau Doll, wieso haben Sie für «Wort und Musik» Gedichte von Rilke ausgesucht? Und werden die Gedichte auch kommentiert?
Dagmar Doll: Mein Zugang zu Rilke ist emotionaler Art. Das Gedicht «Die Blätter fallen» bewegt mich jedes Mal, wenn ich es lese oder höre, zutiefst. Die darin enthaltene Melancholie und der hoch emotionale Schlusssatz «und doch ist einer, welcher dieses Fallen unendlich sanft in seinen Händen hält» berühren mein christliches Empfinden und lassen mich demütig und glücklich vor Gott stehen. Darüber hinaus ist Rilke wohl der Dichter, dessen Gedichte mich persönlich seit vielen Jahren am meisten begleiten. Ich werde etwas zu Rilke und seiner Art der Dichtkunst erzählen. Die Gedichte lasse ich weitestgehend unkommentiert. Sie stehen für sich. Ich hoffe, ich zeige mich seiner würdig, wenn ich sie vorlese.