Näfelser in aller Welt
Es gibt New Glarus, es gab Neu-Elm, Neu-Schwanden oder Neu-Bilten. Aber es gab offenbar nie ein Neu-Näfels. Im 19. Jahrhundert seien zwar immer wieder Familien und Einzelpersonen aus Näfels ausgewandert, jedoch nie in grossen Gruppen, wie man sie von Engi oder Bilten kenne, schreibt die Historikerin Susanne Peter-Kubli in ihrer Untersuchung der Auswanderung aus Näfels. Das umfangreiche Werk ist im Auftrag der Freunde der Geschichte von Näfels entstanden und erscheint jetzt unter dem Titel «In alle Herren Länder – Die Auswanderung aus Näfels».
Peter-Kubli hat gegen 50 Familiengeschichten aus zwei Jahrhunderten zusammengetragen, die sie chronologisch ausbreitet. Beleuchtet wird die Zeit von 1800 bis 2000. Davor waren Auswanderer in erster Linie Söldner, die sich aus Not in fremden Armeen verdingten und wohl auch hofften, wieder einmal zurückzukommen. Auch Saisonniers in Deutschland gab es anfangs des 19. Jahrhunderts, die «Schwabengänger», die zeitweise als Knechte oder Mägde arbeiteten.
Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts hätten sich aber immer mehr Menschen für die dauerhafte Auswanderung entschlossen, teilweise aktiv gefördert von der Gemeinde. «Immer öfter war ihr Ziel Nordamerika, das, zumindest für Glarner Verhältnisse, fast unendlich gross und dabei fast menschenleer, besonders viele Entfaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten schien», so die Autorin. Rund die Hälfte der Näfelser Auswanderer hätten sich in den USA niedergelassen. «Mit grossem Abstand folgen Deutschland, Frankreich, Afrika, Kanada und Brasilien.» Auffallend sei zudem, dass – etwa im Gegensatz zu Mollis – aus Netstal oder Ennenda kaum ein Näfelser nach Russland ausgewandert sei.
Nachkommen von Kaspar Freuler
Man schätzt, dass zwischen 1800 und 2000 rund 520 Näfelser ausgewandert sind. Ein Spitzenjahr scheint 1872 gewesen zu sein, als 20 Menschen dem Dorf den Rücken kehrten. In andern Glarner Gemeinden war der Aderlass aber viel grösser. So hat etwa Engi 1855 mit 200 Menschen einen Fünftel seiner Einwohner verloren, die nach Brasilien reisten. Näfels sei also «keine ausgesprochene Auswanderergemeinde» gewesen, schreibt Susanne Peter-Kubli.