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Graubünden

Landquarter Optometrist warnt: Darum ist eine Sonnenbrille im Winter unerlässlich

Ob strahlender Sonnenschein oder bewölkter Himmel – UV-Strahlung kann im Winter besonders gefährlich sein. Optometrist Christoph Castelberg klärt auf, warum Schneeblindheit ein unterschätztes Problem.
Bündner Woche
10.02.2025, 04:30 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

von Lara Buchli

Im Winter scheint die Sonne grundsätzlich weniger lang und fühlt sich auch weniger stark an. Deshalb würde es ja nur Sinne ergeben, wenn wir keine Sonnenbrille tragen würden, oder? Nein, meint Optometrist Christoph Castelberg. In einem Gespräch mit der «Büwo» berichtet er davon, dass gerade im Winter besondere Vorsicht geboten sei, was den Schutz der Augen angehe. Wir haben ihn in seinem Geschäft in Landquart besucht und er hat inmitten von Sonnenbrillen und Gläsern Antworten geliefert.

Viele denken, UV-Strahlung sei nur im Sommer ein Problem. Wie sehen Sie das Christoph Castelberg?

Christoph Castelberg: Im Winter ist besonders der Schnee gefährlich für unsere Augen. Dieser reflektiert viel Sonnenlicht zurück.

Kann man sagen, wie viel Strahlung der Schnee reflektiert?

Ja, das kann man tatsächlich sagen: Ungefähr 85 Prozent der Strahlung wird noch einmal zurück reflektiert.

Welches sind die schlimmsten Folgen von zu viel und zu hohen UV-Strahlen in Bezug auf das Auge?

UV-Strahlen können verschiedene Folgen auf das Auge haben. Die Bindehaut, die Hornhaut, die Linse und die Makula leiden darunter. Die Schäden auf die Binde- und Hornhaut sind zum Teil reversibel, aber trotzdem mit grossen Unannehmlichkeiten, wie zum Beispiel vorübergehendes verschwommenes Sehen, rote und tränende Augen und zum Teil auch mit starken Schmerzen verbunden. Sozusagen eine Art Sonnenbrand auf dem Auge.

Wie lange ist man vor den Folgen sicher? Respektive ab wann wird es ohne Schutz gefährlich?

Na ja, das kann zum Teil recht geschwind gehen. Es kommt natürlich immer darauf an, aber im Schnee kann es besonders schnell geschehen, dass man etwas merkt.

Was heisst das genau? Was merkt man?

Wie gesagt: Die Bindehaut rötet sich, die Augen fangen zu tränen an und im Falle einer sogenannten Schneeblindheit sieht man verschwommen und leidet zusätzlich unter starken Schmerzen.

Und das macht also eine Schneeblindheit aus?

Genau. Eine Schneeblindheit oder auch Photokeratitis genannt, ist eine Entzündung der Hornhautoberfläche. In der Regel verschwinden die Symptome nach und nach wieder. Häufig sind Augentropfen und möglicherweise auch schmerzstillende Medikamente nötig. Der Heilungsprozess kann bis zu drei Tage andauern.

Was wäre denn Ihrer Meinung nach der perfekte Schutz für die Augen?

Ich empfehle immer einen 100-prozentigen UV-Schutz, der die Strahlung bis zu 400 Nanometern Wellenlänge abhält. Ebenfalls sehr wichtig ist der Seitenschutz. Sodass das Auge auch von der Seite her von den UV-Strahlen geschützt wird.

Wie sieht es denn bei der Tönung und der Beschichtung der Gläser aus? Muss man dabei auf etwas Besonderes achten?

Eine Verspiegelung macht, dass sich weniger Wärme zwischen Auge und Brillenglas bildet. Dies hat zur Folge, dass die Scheiben weniger schnell anlaufen. Auch die Tönung der Gläser spielt eine Rolle. Dabei kommt es ganz darauf an, was für Lichtverhältnisse an diesem Tag herrschen. Bei einem strahlend blauen Himmel würde ich ein eher braunfarbenes Glas empfehlen und bei diffusem Licht eher orangefarbenes oder gelbliches, um den Kontrast zu steigern.

Wie unterscheiden sich die Anforderungen an eine Sportbrille für den Winter von einer für den Sommer?

Es ist nicht unbedingt eine Frage von Sommer oder Winter.

Was denn dann?

Es kommt vor allem auf die Tätigkeit der Person darauf an. Das ist eher die Frage. Wie bereits erwähnt, ist im Winter besonders wichtig, dass die Brille überall gut abdichtet, sodass möglichst wenig UV-Strahlen hindurch gelangen. Dies ist jedoch auch im Sommer der Fall: Wenn jemand viel am oder im Wasser ist, braucht er oder sie ebenfalls eine gut abgedichtete Sonnenbrille, weil die Wasseroberfläche auch reflektiert.

Es gibt ja auch immer wieder Menschen, die davon ausgehen, dass, wenn es bewölkt ist, die UV-Strahlen nicht so stark seien. Ist die Gefahr einer Schneeblindheit bei bewölktem Himmel genau gleich hoch?

Das kann ich so nicht pauschal sagen. Es kommt natürlich auch auf die Höhe darauf an. Wo befinde ich mich? Liegt da oben Schnee? Grundsätzlich gilt ja: Je weiter man hinauf geht, desto stärker sind die UV-Strahlen.

Wie sieht es mit den Brillen aus, bei denen sich die Gläser automatisch abdunkeln und wieder aufhellen? Ist das eine gute Sache?

Es gibt neuerdings Sonnenbrillengläser, die auf der Technologie von Schweisserbrillen basieren. Die sind wirklich gut, meiner Meinung nach.

Aber nicht in allen Fällen?

Auch bei diesen Brillen gilt halt, dass der seitliche Schutz – vor allem in den Bergen – gewährleistet ist.

Wie stehen Sie als Optometrist mit Doktortitel dazu, dass die Menschen ihre Brillen vermehrt online einkaufen? Welche Risiken birgt so ein Kauf ohne richtige Beratung?

Man muss einfach vorsichtig sein. Es gibt bestimmt auch gute Brillen, die günstiger sind, aber man sollte sich im Vorhinein einfach gut informieren. Ein guter UV-Schutz sollte bei jeder Sonnenbrille gewährleistet sein. UV400 empfehle ich jedem und jeder. Der Kauf einer billigen Brille, bei der die Herkunft nicht bekannt ist, birgt natürlich immer ein Risiko. Ist das Material der Gläser wirklich auch das, was online steht? Und enthalten sie wirklich den angegebenen UV-Schutz?

Was ist aus Ihrer Sicht noch wichtig zu erwähnen?

Ich persönlich finde es wichtig, dass man auch im Winter nach draussen geht. Man spricht zu dieser Zeit ja oftmals von Winter-Blues, also dass man im Allgemeinen etwas träger und deprimierter ist. Fakt ist: Im Winter gibt es weniger Tageslicht als im Sommer. Durch das fehlende Tageslicht wird mehr Melatonin und weniger Serotonin ausgeschüttet. Dies wiederum führt dazu, dass wir Menschen uns antriebslos und schlapp fühlen. Deshalb sage ich immer wieder: Man muss auch im Winter raus! Hierbei ist einfach wichtig, dass man sich richtig und ausreichend vor den UV-Strahlen schützt. Wenn man dies tut, hält einen nichts mehr von einem sonnigen und fröhlichen Tag im Schnee ab.

Christoph Castelberg verabschiedet sich und verschwindet hinter einer grossen Wand voller Lese- und Sonnenbrillen. Nun denn: Ich packe meine Sachen und trete die Rückreise ins Medienhaus an. Als ich die Ladentüre aufstosse und nach draussen trete, scheint mir die milchige, aber doch relativ grelle Wintersonne entgegen. Sogleich blitzt ein Gedanke auf: Hätte ich doch heute Morgen nur meine Sonnenbrille eingepackt. Na ja, jetzt heisst es: Augen zu und durch.

Über «Sonnenlicht und Schattenwurf»
Wir befinden uns mitten im Winter. Und genau für diese Zeit haben wir – die Redaktion – uns eine neue Serie überlegt. «Sonnenlicht und Schattenwurf» berichtet von hellen, erleuchtenden Geschichten und dunklen Schattenseiten, denen wir tagtäglich begegnen.

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