Leiterlispiel mal anders: Mit Rückschlägen und Abkürzungen durchs Mittelalterland Graubünden
Da wäre man bei Strada im Unterengadin schon fast am Ziel angelangt, und dann muss man vom grünen Feld 56 über den Vereinapass zurück nach Klosters, Feld 30. Ein herber Rückschlag. Aber immerhin, in Chur durfte man auf dem goldenen Feld 25 die Abkürzung via Lenzerheide nach Vaz/Obervaz nehmen, zu Feld 34. Ja, so kanns gehen im Leiterlispiel – auch in jenem von Mittelalterland Graubünden, einer Kooperation von zehn Bündner Museen, in deren Ausstellungen sich, ja, genau, auch Mittelalterthemen finden.
Katastrophenforscher, Klosterkatze und Kropfenstein
Wie aber bringt man die auf den ersten (Kinder-)Blick vielleicht eher spröden mediävalen Themen an die Jüngsten und Jugendlichen? Nicht anders als heute auch in der Welt der Apps üblich: mit Gamification, auf Deutsch Verspielifizierung. Jedes der zehn Museen hat deshalb für die eigene Ausstellung ein Spiel entwickelt. Da können Detektivinnen und Detektive beispielsweise auf Hohen Rätien die Überreste einer historischen Katastrophe suchen, im Klostermuseum Müstair begleitet einen die Klosterkatze Babette auf einer Entdeckungstour, in der Schmelzra in S-charl darf man Münzen aus weichen Metallen prägen, und im Museum Waltensburger Meister im gleichnamigen Dorf gilt es, die versteckte Burg Kropfenstein zu finden.
Das elfte Spiel vereint die zehn Institutionen auf einem gefalteten Spielplan im Format A2 – eben das Leiterlispiel, das auf dem Spielplan selbstverständlich an allen involvierten Museen vorbeiführt. Wer mitmacht, geht mit Ritter Heinrich von Frauenberg und seinem Pferd Clotilde auf die Reise vom Oberalppass in der Surselva bis nach Martina im Unterengadin. Dabei folgt man Wegen und Übergängen, die im Mittelalter im Gebiet des heutigen Kantons Graubünden begangen wurden. Natürlich – je nach Würfelergebnis – mit willkommenen Abkürzungen und nervigen Umwegen. Wie es in der Realität wohl auch gewesen sein dürfte.
Ritter Heinrich stösst siegreich den Gegner vom Pferd
Und Heinrich von Frauenberg? Er ist keine fiktive Figur, ihn hat es tatsächlich gegeben. Er ist urkundlich belegt für die Zeit um 1300. Und er hat seinen grossen Auftritt in der Manessischen Liederhandschrift, der bedeutendsten Sammlung des Minnesangs aus dem 14. Jahrhundert. Eine der Abbildungen darin zeigt Ritter Heinrich an einem Turnier, er stösst gerade siegreich einen Gegner vom Pferd. Zur Zeit, als Ilanz eine Stadt wurde, war er einer der Grundherren von Ilanz, Luven und Castrisch. Seine damalige Burg Frauenberg ist heute eine Ruine – man kennt sie auch unter dem Namen Frundsberg, sie steht bei Ruschein in der Surselva. Später zog die Familie auf die Burg Gutenberg bei Balzers. Dort soll Ritter Heinrich den Quellen zufolge auch verstorben sein.
Das von Künstlerin Yvonne Gienal und Grafikerin Theres Jörger gestaltete Leiterlispiel ist laut einer Mitteilung von Mittelalterland Graubünden im ersten Museum, in dem man ein Ausstellungsspiel absolviert, gratis erhältlich. Aber Obacht: Einen Würfel und Spielfiguren muss man selber mitnehmen, wenn man sich mit Ritter Heinrich gleich auf die hindernisreiche Reise machen will. Und eben: Die grünen Felder nach Möglichkeit vermeiden – vor allem Feld 56. Kein Rückschlag ist schlimmer.