Der Kanton Glarus ehrt Eveline Hasler
von Claudia Kock Marti
Das Ambiente zur Feier von Kulturpreisträgerin Eveline Hasler könnte nicht stimmiger sein. Hinter der zu ehrenden grossen alten Dame auf der Bühne des Anna-Göldi-Museums leuchten von ihr gemalte Aquarelle in allen Farben. Die Sonne dringt durch die offenen Jalousien des Hänggiturms. Von der Empore herab und aus dem Schatten der Anna-Göldi-Dauerausstellung erklingen sphärische Klänge, gespielt von John Wolf Brennan und Tony Majdalani, für die beeindruckende Dichterin.
«Heute ist ein ganz grosser Tag für mich. Ich musste 90 Jahre alt werden, um das zu erleben», bedankt sich eine vitale, strahlende Eveline Hasler bei der Glarner Regierung für den mit 20 000 Franken dotierten Kulturpreis. Ihren Dank richtet sie auch ans grosse Publikum, das aus nah und fern erschienen ist. Dabei schliesst sie sogar Anna Göldin irgendwo hoch oben ein, die hingerichtete stolze Glarner Magd, die im Jahr 1782 wegen sogenannten Hexentums von den Mächtigen in Glarus zum Schweigen gebracht wurde.
Eveline Hasler hat Göldis Geschichte in ihrem ersten historischen Roman «Anna Göldin. Letzte Hexe» aus dem Vergessen geholt. So wie ihr dies in folgenden Romanen immer wieder mit zu Unrecht ausgegrenzten, verdrängten oder verstummten Menschen gelang.
Grosser Tag in der alten Heimat
Bereits als kleines Mädchen las Hasler in der Schule Geschichten vor, weil sie dies so gut konnte. «Der Glärnisch war mein Zauberberg», erzählt die Autorin mit dankbarem Blick auf ihre Glarner Kindheit. Wer Eveline Hasler sei und warum sie den Glarner Kulturpreis erhalte, müsse man niemanden erklären. «Höchstens warum erst jetzt», sagt Bildungsdirektor Markus Heer, der den Preis im Namen der Regierung als Auszeichnung und in Würdigung ihres erfolgreichen Schaffens überreicht. Eveline Hasler sei eine «Menschenfreundin». Der Kanton Glarus sei stolz auf seine berühmte Autorin, ihren wachen Geist und ihre bis heute ungebrochene Schaffenskraft.