Snus als Gift für die Zähne
von Sarina von Weissenfluh und Nicole Nett
Es ist schnell passiert. Jugendliche hängen in der Clique herum und der oder die eine hat eine Snusdose parat. Mal probieren kann ja nicht schaden. Aber genau so ist es: Es schadet, wie Zahnarzt Andreas Bader verrät. «Gelangt Nikotin auf die Schleimhaut, gibt es automatisch eine Verätzung und lokale Entzündung.» Die Schleimhaut könne sich sogar zurückbilden. Dazu gibt es Snus, welcher krebserregende Stoffe beinhaltet.
In Baders Praxis in Davos werden immer wieder Patienten behandelt, deren Zahnfleisch wegen des Snus verätzt ist. Vor allem im Unterland seien momentan mehr Fälle bekannt und der Tabakkonsum sei drastisch angestiegen. Die Zahlen sind laut Bader alarmierend. Hierbei betreffe es alle Gesellschaftsschichten und sehr oft auch Jugendliche. In den Jahren von 2018 bis 2022 hat sich der Snus-Konsum bei den 15-Jährigen hierzulande verdoppelt, wie ein Monitoring zeigt. «Jugendliche sind affin für alles, was neu ist. Ist es dazu verboten, wird es umso interessanter», weiss der Zahnarzt. In der Gruppe ist es noch schwerer, Nein zu sagen. Und: «Es braucht nur wenig Nikotin und schon wird man süchtig.»
So sieht von Snus befallenes Zahnfleisch aus:
Einstiegsdroge für die Glücksexplosion im Gehirn
Durch die Nikotinaufnahme via Zigarette oder Snus werden Glückshormone ausgeschüttet. Mit der Zeit gewöhnt sich der Körper daran und braucht es – immer mehr. «Viele Snuser stellen nach einer gewissen Zeit auf Zigaretten um, damit noch mehr Nikotin aufgenommen werden kann», betont Bader. Gehört hätten die Zahnärztinnen und Zahnärzte auch schon, dass Snus zur Raucherentwöhnung helfen soll. Allerdings ist dies laut dem Zahnarzt kein geeignetes Mittel, um mit dem Rauchen aufzuhören. Denn in einem Snus-Beutel sei dreimal weniger Nikotin drin und der Suchtdruck werde dadurch nicht gestillt. Deshalb sei es für einen Zigarettenkonsumenten schwer, von der Zigarette wegzukommen. Das Verführerische beim Snus seien die verschiedenen Geschmacksrichtungen wie Kirsche, Orange oder Mint. Es scheint also eine attraktive Einstiegsdroge zu sein.
Die Patienten erschrecken, wenn sie ein Bild von ihren Zähnen sehen.»
Andreas Bader, Zahnarzt aus Davos
«Wir machen Patienten auf gesundheitsschädigende Folgen aufmerksam und raten ihnen ganz von Snus oder Zigaretten ab», sagt Bader. «Viele Patienten erschrecken richtig, wenn sie ein Bild von ihren Zähnen sehen.»
Wie muss die Schweiz handeln, damit sich die Fallzahlen verringern? Zahnarzt Andreas Bader weiss eine mögliche Antwort:
Snust ihr?
Hier geht es zum Sendungsbeitrag von TV Südostschweiz: