Kleine Kinos in der Region kämpfen ums Überleben
In Uznach steht eines der letzten kleinen Landkinos, die es im Linthgebiet noch gibt. Direkt am Bahnhof betreibt Nadine Crotti das Kino Rex. Ihre Bilanz zum vergangenen Jahr fällt sehr schlecht aus. Exakte Eintrittszahlen will sie nicht verraten. Nur so viel ist klar: Das heisse Sommerwetter hat nicht geholfen, ihre Kinokasse zu füllen. Oftmals kamen nur wenige Besucher, manchmal gar keine. «Wenn es so weitergeht, wird es uns einfach nicht mehr geben», sagte Kinobetreiberin Nadine Crotti gegenüber der SRF-Sendung «Schweiz aktuell».
Ein Stück Kultur geht verloren
Ein Kino auf dem Land am Leben zu erhalten, ist schwierig geworden. Mit dem Verlust der kleinen Kinos am Obersee geht naturgemäss ein Stück Kultur verloren. Um ein Haar wären im Jahr 2011 die beiden Kinos in Rapperswil geschlossen worden. Christian Meier, Geschäftsführer der Stiftung Fokus, hat vor acht Jahren die beiden Rapperswiler Kinos Schloss und Leuzinger übernommen. Und gleich im Jahr 2015 mit über 72 000 Eintritten seinen bisherigen Besucherrekord erreicht.
Christian Meier, Kino Leuzinger, Schlosskino Rapperswil
Die Bilanz im vergangenen Jahr fällt demgegenüber mit 50 000 Eintritten massiv schlechter aus: «Das schöne Wetter und die Fussball-WM haben uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zudem sind wenig wirklich gute Filme gelaufen, die ein grosses Publikum angezogen haben», bilanziert Meier: Es hätte tatsächlich Vorstellungen gegeben, da niemand gekommen und die Vorführung deswegen ausgefallen sei. «Eine Einbusse von einem Drittel des Publikums innerhalb von drei Jahren, damit geraten auch wir an die Schmerzgrenze.»
Jedes Jahr ein Kampf
Hinzu komme die ständig wachsende Konkurrenz durch Multiplex-Kinos, mit deren Filmangebot die Rapperswiler Kinos nicht konkurrieren könnten. Es sei so, dass sieben von zehn Besuchern der Region am Obersee nach Zürich ins Kino gingen. «Wir mussten die Ausgaben anpassen, nur mit Einsparungen können wir über die Runden kommen», sagt Meier. Gleichzeitig müsse laufend in die Infrastruktur investiert werden, jüngst wurde endlich der Balkon im Schlosskino renoviert. Obwohl jedes Jahr ein Kampf für die Kinos in der Region bedeute, ist Meier zuversichtlich für das Gewerbe am Obersee und glaubt nicht an den viel beschworenen Niedergang des Kinos: «Es wird noch in zwanzig Jahren Kinos geben, Netflix hin oder her.» Weil die beiden Kinos in Rapperswil immer wieder Neues wagten, sei er für die nächsten Jahre zuversichtlich. Seit Neuestem präsentiert denn Meier mit «Schlosskino sélection» aktuelle Studiofilme in Originalversion in einem wöchentlich wechselnden Programm.