Junge Frau beschuldigt Cousin des jahrelangen Missbrauchs
Das fünfköpfige Richtergremium des Kreisgerichts See-Gaster, welches gestern den ganzen Tag den Ausführungen der Parteien lauschte, steht vor einer schwierigen Frage. Denn die Ansichten der in der Region wohnenden Klägerin, einer heute 17-jährigen Frau, und des Beschuldigten, ihres 33-jährigen Cousins, könnten unterschiedlicher kaum sein.
Die Familie ist muslimischen Glaubens und stammt ursprünglich nicht aus der Schweiz. Die Klägerin wurde hier geboren, verbrachte aber die ersten sieben bis acht Jahre ihres Lebens in ihrem Heimatland. Als sie zehn war, kam auch ihr Cousin in die Schweiz und lebte teilweise im Haus ihrer Familie. Das Verhältnis sei allgemein sehr gut gewesen, die Familie habe den Cousin wie ihren eigenen Sohn akzeptiert.
Er drohte, meine Eltern umzubringen, wenn ich jemandem von den Übergriffen erzähle.»Privatklägerin
Schon wenige Monate nach seiner Ankunft begannen laut der Klägerin aber die sexuellen Übergriffe: Zwei bis drei Mal pro Woche soll er sich nachts oder wenn die Eltern des damals zehnjährigen Mädchens ausser Haus waren, in ihr Zimmer geschlichen und zu ihr ins Bett gelegt haben. Er habe sie dann – teils bekleidet, teils nackt – am ganzen Körper und auch an intimen Stellen berührt. Dabei sei er immer weiter gegangen, habe auch masturbiert und das Mädchen hie und da dazu aufgefordert, seinen Penis in den Mund zu nehmen, was sie aber nie gemacht habe.
Aus Angst jahrelang geschwiegen?
Ab 2013 sei es noch schlimmer geworden. Laut der Klägerin hat ihr Cousin sie in den folgenden zwei Jahren vier oder fünf Mal unter Anwendung von Gewalt und Drohungen vergewaltigt, indem er sie auf dem Bett festhielt und bis zum Samenerguss penetrierte. Weil ausserehelicher Sex – auch gegen den eigenen Willen – im Herkunftsland als grosse Schande für die ganze Familie gilt und zur Ächtung in der Gesellschaft führen kann, habe die Klägerin die Taten jahrelang verschwiegen. Ein weiterer Grund dafür war laut ihr, dass ihr Cousin ihr bereits beim ersten Übergriff gedroht hat, ihre Eltern umzubringen.