Jon Pult will in den Ständerat und glaubt an den «Geist des Wandels»
Jon Pult ist zwar erst 34, gehört im Kanton Graubünden aber seit 15 Jahren zu den aktivsten und umtriebigsten Politikern. Dass er diesen November für die SP als Nachfolger von Silva Semadeni in den Nationalrat einziehen wird, daran bestehen kaum Zweifel – bereits vor vier und acht Jahren fehlte dem in Chur aufgewachsenen Pult nur wenig zur Wahl nach Bern. Ob er es allerdings mit seiner gleichzeitigen Ständeratskandidatur gar ins Stöckli schafft, ist eher ungewiss. Denn die Konkurrenz ist stark, in Bern seit acht Jahren etabliert und gehört regelmässig zum Kreis derer, die auch als Bundesratskandidaten gehandelt werden: Martin Schmid von der FDP und Stefan Engler von der CVP.
Es wäre ein historisches Ereignis, sollte Pult den Sprung in den Ständerat schaffen. Er wäre der erste SPler aus Graubünden im Stöckli und es wäre das erste Mal überhaupt, dass die Bündner Ständeratssitze nicht in der Hand der Bürgerlichen wären. Dass er selbst an seine Chance glaubt, ist nicht nur zwingend für eine Kandidatur, sondern auch logisch, betrachtet man Pults bisherigen Werdegang und seinen Ruf, der längst weit über die Kantonsgrenzen hinausreicht. Seit Jahren gilt er als einer der kommenden SP-Hauptakteure: Gründungsmitglied der Juso Graubünden, politisch erfahren, rhetorisch gewandt und drei Landessprachen fliessend sprechend, wartet man in der SP Schweiz schon fast sehnsüchtig auf Pults Ankunft in Bern. Bereits 2014 adelte die NZZ ihn als «eines der grössten Talente in der Schweizer Politik».
«Offen zu Ambitionen stehen»
Diesen Vorschuss-Lorbeeren – wobei das mit dem Vorschuss bei seinem politischen Werdegang eigentlich nicht mehr stimmt – will er jetzt auf der nationalen Bühne gerecht werden. Und das am liebsten im Ständerat, wie er zum Auftakt seines Wahlkampfs am Dienstag in Chur sagte. «Politiker sollen offen zu ihren Zielen und Ambitionen stehen. Nach 15 Jahren in der kommunalen und kantonalen Politik fühle ich mich bereit für die nationale Ebene.»
Dass Graubünden nach 170 Jahren und 41 bürgerlichen Ständeräten bereit ist für den ersten linken Standesvertreter, davon ist Pult und ist die SP Graubünden überzeugt. «Ich bin überzeugt, dass ein Geist des Wandels in der Politik herrscht. Das hat man schon im letzten Jahr bei den Regierungs- und Grossratswahlen gesehen. Es gibt ganz viele Leute, die echte Veränderungen in der Politik wollen und vor allem eine Politik, die mehr auf das Gemeinwohl fokussiert, als auf zahlreiche wirtschaftliche Einzelinteressen», gibt sich Pult zuversichtlich. Er sei ausserdem überzeugt, dass Graubünden eine Auswahl brauche und nicht die amtierenden Vertreter einfach durchgewunken werden sollten.