Risiko für Abbrüche von Felsmassen ist gestiegen: Wie sicher ist Brienz/Brinzauls?
Anlässlich einer Bevölkerungsinformation am Mittwochabend informierte die Gemeinde Albula/Alvra über die aktuelle Entwicklung des Brienzer Rutsches. Die Wahrscheinlichkeit für Abbrüche von Felsmassen oberhalb des Dorfes sei etwas gestiegen, schreibt Keystone SDA in einem Bericht zum Anlass. Die Gefährdungslage für die Bewohnerinnen und Bewohner bleibt dennoch praktisch unverändert.
Aktuelle Lage
Rutschung Berg
Die auf dem Rücken Caltgeras gemessenen Geschwindigkeiten stagnieren, in den Bereichen «Plateau/Front» und «West» nehmen sie ab. Konstante Geschwindigkeiten zeigen der Bereich «Insel Ost» und die Schutthalde.
Rutschung Dorf
Die Geschwindigkeiten der Rutschung Dorf nehmen im Trend weiter zu; in den letzten Tagen konnten allerdings stellenweise Verlangsamungen oder Stagnationen beobachtet werden. Das Messhäuschen bei der Kirche bewegt sich aktuell mit 2.4 m pro Jahr.
Geschwindigkeiten
Plateau: ca. 4.1 m /Jahr | abnehmend
Front: 4.0 m/Jahr | abnehmend
Schutthalde oben: 25.9 m/Jahr | abnehmend
West: ca. 7.4 m/Jahr | abnehmend
Insel Ost: ca. 5.2 m/Jahr | stagnierend
Rücken Caltgeras: ca. 3.4 m/Jahr | stagnierend
Rutschung Dorf: ca. 2.4 m/Jahr | zunehmend
Das sagen die Verantwortlichen
Bei dem Informationsanlass in Tiefencastel waren sowohl Experten als auch Gemeindevertretende zugegen. Stefan Schneider, Geologe und Leiter des Frühwarndienstes in Brienz, erklärte, dass die Rutschgeschwindigkeiten in einem Teil des Absturzhanges in den letzten Monaten unerwartet angestiegen seien und zeitweilig Rekordwerte erreicht hätten. Dennoch könne der Frühwarndienst «mit sehr grosser Sicherheit ausschliessen», dass das Dorf gefährdet werde, schreibt Keystone SDA weiter.
Auch Geologe Reto Thöny bestätigte, dass aufgrund der zunehmenden Geschwindigkeiten das Risiko für grossvolumige Felsabbrüche gestiegen ist, jedoch beschränkt sich die Gefährdung ausschliesslich auf unbesiedelte Bereiche des Bergsturzgebiets. Die potenzielle Ausbreitungsreichweite dieser Abbrüche hat sich verringert.
Christian Gartmann, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde, betonte gegenüber Keystone SDA, dass sich die Gefährdungssituation für das Dorf allgemein nicht wesentlich verändert hat.
Der Ursprung des Brienzer Rutsches liegt lange zurück. Hier findet ihr eine interaktive Übersicht mit den bedeutendsten Ereignisse und Entwicklungen:
Ein Jahr nach dem Felssturz in Brienz/Brinzauls: Die bedeutendsten Ereignisse und Entwicklungen
Entwarnung und Pläne zur Reduzierung der Bauverbotszonen
Zur Lage in den umliegenden Dörfern Vazerol, Surava und Tiefencastel gab es seitens der Gemeinde wiederum Positives zu berichten. Die Lage habe sich etwas entspannt und die kantonale Gefahrenkommission empfehle dort, die Planungszone mit den bestehenden Bauverboten zu reduzieren, erklärte Andri Largiadèr, Forstingenieur des kantonalen Amtes für Wald und Naturgefahren.
Der Gemeindevorstand wird diese Empfehlungen in seiner nächsten Sitzung besprechen, wie Keystone SDA weiter schreibt. «Wir werden die Empfehlungen der Gefahrenkommission nicht in Frage stellen und ihnen Folge leisten», betonte der Gemeindepräsident Daniel Albertin.
Sicherheitslage in Surava und Vazerol verbessert
Im neusten Lagebulletin erklärte die Gemeinde bereits, dass für Surava und den westlichen Teil von Vazerol keine Gefahr mehr durch Bergstürze bestehe. Im Gewerbegebiet von Tiefencastel bleibt eine minimale Restgefährdung. In Brienz bleibt das umfassende Bauverbot weiterhin bestehen.
Albertin zeigte sich am Mittwoch optimistisch und betonte, dass eine Verkleinerung der Planungszone einen Schritt in Richtung erhöhter Sicherheit darstelle. Er deutete zudem an, dass in ein bis zwei Jahren möglicherweise weitere Bereiche von Vazerol aus der Planungszone herausgenommen werden könnten, abhängig von neuen Erkenntnissen zur Stabilität des Berges. Dis dahin sei Geduld gefragt. (red)