Ganz Graubünden an einem Tag: Die «Südostschweiz» stellt sich der grossen Herausforderung
Wie entscheiden die Medien eigentlich, worüber sie berichten? Im Lokaljournalismus gibt es darauf eine einfache Antwort: Themen entstehen dort, wo Menschen leben. Im Dorf, in der Gemeinde, im Alltag. Lokaljournalismus greift auf, was die Menschen beschäftigt und was direkt vor der eigenen Haustüre passiert.
Der Tag des Lokaljournalismus am Dienstag, 5. Mai, macht sichtbar, wie lokale Medien arbeiten, und zeigt zugleich ihre Bedeutung für die Demokratie auf. In einer erstmals länderübergreifenden Initiative öffnen Redaktionen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und Luxemburg ihre Türen oder gehen hinaus in die Regionen.
Wir besuchen Sie – Fragen, Ideen, Geschichten
Die Medienfamilie Südostschweiz macht genau das – und dazu mit einem ehrgeizigen Ziel. Statt im Medienhaus in Chur zu bleiben, verteilt sich die Redaktion am 5. Mai im ganzen Kanton Graubünden. Unter dem Motto «1 Tag – 100 Gemeinden» besuchen Zweierteams aus Journalistinnen, Produzenten, Fotografinnen und Grafikern jede einzelne Bündner Gemeinde. Sie sprechen mit Menschen beim Bäcker, auf dem Dorfplatz oder beim Bahnhof. Was die Redaktionsmitglieder an diesem Tag erleben, kann laufend verfolgt werden: Bilder, Videos und kurze Texte erscheinen in unserem Live-Ticker und auf den Social-Media-Kanälen.
Die Aktion hat ein klares Ziel: Die Redaktion will wissen, was vor Ort beschäftigt, welche Themen wichtig sind und wo es Gesprächsbedarf gibt. Gleichzeitig zeigt der Tag, wie vielfältig Graubünden ist – und wie viele Geschichten in den Regionen stecken.
Programm im Medienhaus in Chur
Im Medienhaus von Somedia gibt es am Tag des Lokaljournalismus ebenfalls Einblicke hinter die Kulissen. Von 16 bis 19 Uhr begrüssen Joachim Braun, Leiter der Chefredaktion, sowie Stefanie Demarmels, stv. Chefredaktorin Print/Online, Besucherinnen und Besucher persönlich. Sie beantworten Fragen, nehmen sich Zeit für Austausch und sind offen für Lob, Kritik und Ideen.
Spielerisch wird es mit dem Geschicklichkeitsspiel Jenga, das Wissen rund um den Lokaljournalismus und die Arbeit der Medienfamilie Südostschweiz vermittelt. Einen Blick in die Geschichte der «Südostschweiz» bietet zudem das Zeitungsmuseum mit historischen Ausgaben. Dazu gibt's Kaffee und selbst gebackenen Kuchen.
Nikola Nording, Chefredaktorin Online/Zeitung: «Es ist quasi auch
für uns Weiterbildung»
100 Gemeinden an einem Tag? Schafft die Redaktion das überhaupt?
Nikola Nording: Es ist eine sportliche Herausforderung, ganz klar. Aber wir haben in der Vorbereitung viel Zeit in die Routenplanung investiert und gemeinsam schaffen wir es. Denn wir haben ganz klar ein Ziel: Alle Gemeinden werden am 5. Mai besucht.
Was erhoffen sich «suedostschweiz.ch» und die «Südostschweiz» von den Begegnungen?
Wir möchten wissen: Was bewegt den Ort, an dem wir gerade sind, am meisten? Welche Themen haben wir vielleicht noch nicht aufgegriffen? Gibt es spannende Menschen, die wir porträtieren können, oder kuriose Eigenheiten im Ort, die es sonst nirgends gibt? Wir haben ein offenes Ohr und wollen uns mit den Bündnerinnen und Bündnern unterhalten.
Warum ist Lokaljournalismus gerade in Graubünden so wichtig?
Lokaljournalismus verbindet – gerade in einem Flächenkanton wie Graubünden mit seinen unterschiedlichen Regionen und Sprachen braucht es so ein verbindendes Element. Als Regionalmedium zeigen wir, was vor der Haustüre zwischen Pontresina und Landquart, Scuol und Cazis los ist. Und wir berichten nicht nur, sondern wir erklären auch und hinterfragen kritisch. Wenn wir unseren Job gut machen, ist ein vermeintlich kleines Thema plötzlich relevant für den ganzen Kanton oder sogar die ganze Schweiz. Das sehen wir oft, wenn überregionale Medien unsere Berichterstattung aufgreifen.
Wo liegen die grössten Herausforderungen bei einer solchen Kantonstour?
Ganz klar sind das die Entfernungen: Von Chur aus ist man schneller in Zürich als zum Beispiel in der Val Müstair. Das mussten wir bei der Planung berücksichtigen. Ausserdem werden in unserem Kanton drei Sprachen gesprochen: Es macht also keinen Sinn, jemanden, der kein Italienisch spricht, ins Misox zu schicken. Positiv ist allerdings, dass ganz viele Kolleginnen und Kollegen sich ganz bewusst Ecken im Kanton ausgesucht haben, an denen sie noch nie waren. Es ist quasi auch für uns Weiterbildung.
Wird an dem Tag denn nichts anderes berichtet?
Doch, wir halten natürlich den Betrieb weiterhin aufrecht. Es gibt Kolleginnen und Kollegen, die im Medienhaus die Stellung halten und auf aktuelle Entwicklungen reagieren können. Ausserdem produzieren wir Berichte vor. Trotzdem soll an dem Tag klar sein, was unser Schwerpunkt ist: der Besuch bei den Leuten.
Wie können Leserinnen und Leser ihre Anregungen einbringen, wenn sie an diesem Tag nicht vor Ort sind?
Das ist jederzeit – auch ausserhalb des Tags des Lokaljournalismus – möglich. Leserinnen und Leser können sich per Mail an graubuenden@suedostschweiz wenden oder uns im Medienhaus in Chur besuchen. Telefonisch sind wir ebenfalls erreichbar.
Und wo ist die Chefredaktorin am Tag des Lokaljournalismus anzutreffen?
Ich werde zusammen mit meinem Kollegen Olivier Berger im Calancatal und im Misox unterwegs sein. Während ich hoffe, dabei meine Italienischkenntnisse noch ein bisschen zu vertiefen, spricht Olivier ausgezeichnet Italienisch und so können wir mit den Leuten vor Ort ins Gespräch kommen.