Eine verfahrene Situation
Es rumort im Kantonshauptort. Überall hagelt es Kritik, und es will und will nicht enden. Nicht genug, dass die nationale Boulevard-Zeitung vom «dümmsten Parkplatz der Schweiz» spricht und die Leserbriefspalten der «Glarner Nachrichten» Woche für Woche voll sind, es wettert selbst die ehemalige Gemeindepräsidentin. Sie spricht gar von Wutbürgertum à la Deutschland.
Der TCS wettert noch viel deutlicher und will den Volksentscheid rückgängig machen. «Hexenhammer der Bürokratie» nennt er das neue Verkehrskonzept. Glarus mutiere «zum grimmigen Verbotsstaat» und befinde sich auf dem «bürokratischen Irrweg».
Welch ein Kontrast zu den Anfangsjahren der 2011 gegründeten Gemeinde. Lange konnte der Gemeinderat auf den Goodwill des Stimmvolks zählen. Den Nutzungsplan brachten Christian Marti und Co. praktisch unbeschadet durch – als einzige im Kanton. Und trotz der Steuersenkung zum Start der neuen Gemeinden bekam der Hauptort die Finanzen bald in den Griff. So gut, dass er die beiden anderen Gemeinden mittlerweile finanziell unterstützt. Fast alle Vorlagen, welche die Gemeinde auf den Weg bringen sollten, fanden Gnade beim Volk. Einzig bei den städtischen Absichten verweigerte das Volk dem Duo Christian und Christian die Gefolgschaft.
Die Stimmung kippt
Das änderte schlagartig, als der eine der beiden als Regierungsrat kandidierte. Tempo 30 in Netstal wurde von nun an lautstark kritisiert – paradoxerweise von jenen Personen, die selber zuvor Verkehrsberuhigung für die Mattstrasse gefordert hatten, aber das ist eine andere Geschichte. Das Szenario wiederholte sich beim Eisfelddach, das ein Anliegen der Eisvereine war, bei dem die Gemeinde dann aber den Lead übernahm und am Schluss Kostenüberschreitungen rechtfertigen musste. Es folgte die Rückweisung des Linthstegs, und seit Monaten dominiert nun der Ärger über Velobügel, Betonpflöcke und Parkbussen die Stimmung im Hauptort. Mit der anstehenden Fasnacht und der Einführung der Gebühr für Laternengaragen wird das Thema aktuell bleiben. Zu allem Unbill gesellt sich der Aufschrei zur Landsgemeinde-Inszenierung von Glarus Service hinzu. Die Vereinigung der Lädeler hat zwar nichts mit dem Gemeinderat zu tun, wird aber von vielen in denselben Topf geworfen. Kritik ist nicht nur aus der bekannten Nörgelerecke zu hören, sondern über die Stammtische hinaus.