Die lebende Davoser Legende
Andres Ambühl war aufgeregt. Es war das erste Mal, dass er bei einem Eishockey-Training dabei sein würde. Er zog sich seine Schlittschuhe an, schnürte sie fest zu und lief zum Eisfeld. Vorsichtig setze er einen Fuss nach dem anderen aufs Eis, hielt sich dabei an der Bande fest. Es war nicht nur sein erstes Training, es war überhaupt das erste Mal, dass Ambühl auf Schlittschuhen stand. Er war sieben Jahre alt. «Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mein Trainer in der ersten Stunde nur damit beschäftigt war, mir das Schlittschuhlaufen beizubringen», sagt Ambühl und lacht.
Es dauerte nicht lange, da hatte Ambühl seine Schlittschuhe im Griff. Und nicht nur das. Er entwickelte sich zu einem der besten Spieler auf dem Eisfeld, sodass man schnell auf ihn aufmerksam wurde. Er war talentiert. Aber auch ehrgeizig. Er wollte das schaffen, was er auf dem Eisfeld in der Arena in Davos mit sechs Jahren erlebt hatte. Damals, als sein Papa ihn zu seinem ersten Hockey-Match ins Stadion mitgenommen hatte. Sein Vater, der schon ein riesiger Fan des HC Davos war, noch bevor Ambühl überhaupt auf der Welt war, besass eine Saisonkarte. Entsprechend konnte er sich alle Spiele ansehen, wenn ihm danach war und er Zeit hatte. Und eines Tages nahm er seinen Sohn mit. Ambühl war sogleich angefressen vom Spiel, sagte seinem Vater: «Das will ich auch mal machen.» Also meldeten sie ihn fürs Training in Davos an.
Heute, 30 Jahre später, spielt Ambühl in der Profi-Liga. Es ist inzwischen seine 16. Saison – und ein Ende ist noch lange nicht in Sicht. Sein Vertrag läuft noch bis 2021. Und auch danach will der 36-Jährige noch einmal verlängern. Das zumindest wäre sein Wunsch, wenn es seine Gesundheit zulässt. «Ich will mindestens bis 40 spielen», sagt er. Im Oktober bestritt Ambühl sein 1000. Spiel in der National-League, der höchsten Eishockey-Liga der Schweiz; etwas, das bis dato nur zwölf Eishockeyspieler vor ihm geschafft hatten. Und doch haben nur die wenigsten von ihnen so viel erreicht wie Ambühl. Er holte sechs Meistertitel mit dem HC Davos und den ZSC Lions. Er war bei 15 Weltmeisterschaften und vier Olympia-Turnieren dabei, wobei er mit der Nati an der WM 2013 in Schweden sensationell die Silbermedaille gewann. Fünf Jahre später holte die Schweiz bei der WM in Dänemark erneut Silber. Diesmal aber ohne Ambühl. Ihm wurde zuvor nahegelegt, nicht zu spielen, weil er sich eine Knieverletzung zugezogen hatte. «Das hat mich schon recht genervt», sagt er. «Aber was sollte ich schon machen?»