Zum Hauptinhalt springen
Graubünden

Der letzte Schliff in der Areon: Wie die neue Stadthalle Chur verändern wird

Die Churer Eventhalle öffnet bald ihre Tore. Geschäftsführer Andres Hartmann gibt bereits jetzt einen Einblick, wie es in der Aeron aussieht und was noch ansteht.
Simon Blatter
heute um 14:20 Uhr

Ein Artikel aus der «Bündner Woche»

Ein seltsam anmutendes Fahrzeug streckt neben der grossen Fassade eine Hebebühne aus. Oben demontiert ein Arbeiter die letzten Halterungen des Baugerüsts. Es ist klar: Der Bau ist so gut wie fertig, wir können eintreten. Sofort fällt auf: Hier drin ist es angenehm kühl. Ist die Halle etwa klimatisiert? Nein, sagt Andres Hartmann, Geschäftsführer der Stadthalle Chur AG. Oben im einladenden Sitzungszimmer führt er weiter aus: «Die Halle ist ein sehr energetisches Gebäude. Wir verwenden Grundwasser aus einer eigens von der IBC gebauten Energiezentrale. Über einen Wärmetauscher wird das Gebäude damit gekühlt oder gewärmt.» Neben der hohen Energieeffizienz habe dies auch den Vorteil, dass die erreichte Temperatur sehr lange erhalten bleibt. Aber: Um eine gewünschte Temperatur zu erreichen, ist Vorausplanen gefragt. Es kann nämlich bis zu drei Tagen dauern, bis das angepeilte Komfortniveau erreicht ist. Je nach erwartetem Gästeaufkommen und Wetter bei einem Event muss die Kühlung oder Heizung entsprechend im Voraus aktiviert werden.

Viel los

Auch wenn Andres Hartmann spürbar stolz auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz der neuen Halle ist, so sind dies nicht die einzigen Neuerungen, die er der Churer Bevölkerung mit der neuen Halle verspricht. Und so nimmt er die «Büwo» mit auf einen Rundgang durch die Halle. Dabei fällt auf: Alles ist gross. Der Haupteingang führt direkt in eine riesige, fast schon endlos wirkende Halle. Ist dies nun die grosse Konzerthalle? Mitnichten, das ist lediglich das Foyer, also sozusagen das «Vorräumchen», ist von Andres Hartmann zu erfahren. Und auch davon nur die Hälfte, da die Trennwand aktuell geschlossen ist. Tatsächlich sei das gesamte Foyer aber fast so gross wie die alte Stadthalle. In der Areon wird also in anderen, für Chur bisher unbekannten Dimensionen gedacht. Wird so viel Platz für Events in Chur denn überhaupt nachgefragt? «Bis Ende 2026 sind wir jeden einzelnen Tag ausgebucht, auch unter der Woche ist immer ein Auf- oder Abbau im Gang», sagt Andres Hartmann dazu und schildert gleich einige Beispiele: «Es finden dieses Jahr zwei Messen statt. Zum einen die bekannte Berufsbildungsmesse ‹Fiutscher›. Zum anderen die Eigenheim-Messe, die wegen der neuen Halle überhaupt erst nach Chur gekommen ist.

«

Bis Ende 2026 sind wir jeden einzelnen Tag ausgebucht, auch unter der Woche ist immer ein Auf- oder Abbau im Gang.»

Andres Hartmann, Geschäftsführer der Stadthalle Chur AG

Dazu kommen das Oktoberfest, Konzerte und viele private Weihnachtsessen.» Für den Hallendirektor ist das allein aber noch kein Grund zur Euphorie. «Das vierte Quartal ist immer das beste für Events. Zudem zieht eine neue Halle auch neugieriges Publikum an, das die neue Halle mal ausprobieren möchte. Insofern war die gute Buchungslage für den Start zu erwarten.» Positiv überrascht hingegen ist er davon, dass auch die Hälfte der Kapazität für 2027 bereits ausgebucht ist und man schon Anfragen in die nächsten Jahre verschieben oder gar ganz absagen habe müssen.

Viel Vielfalt

Eine gute Auslastung der grossen Areon-Halle heisst auch, dass in Chur künftig mehr los ist. Damit dies so bleibt, arbeitet das Team von Andres Hartmann an der Bekanntheit bei Agenturen und Konzertveranstaltern ausserhalb von Chur mit dem Ziel, dass diese die Alpenstadt neu in ihre Tourenplanung aufnehmen. «Bei grossen Tour-Agenturen in Europa gibt es zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit, für Schweizer Acts ein bis zwei Jahre. Bis sich das hier niederschlägt, dauert es entsprechend noch einen Moment», sagt Andres Hartmann. Klar sei aber, dass man mit der neuen Halle viel mehr verschiedene Events anbieten könne. Beispielsweise seien grosse Seminare oder Generalversammlungen in Chur bisher kaum möglich gewesen.

«Für die Region ist das ein Wirtschaftstreiber. Ob klassische Konzertbesucher, die eine Hotelübernachtung dranhängen, Business-Reisende oder eine Firma mit grossem Firmenanlass, für den Mitarbeitende und Geschäftspartner anreisen – die Wertschöpfungskette reicht relativ weit.» Doch in der neuen Eventhalle ist nicht nur eine grössere Vielfalt an Events möglich, die Anlässe können auch in kürzeren Zeitabständen aufeinanderfolgen. «Wenn früher ein Veranstalter freitags einen Anlass hatte, war er samstags mit Abbauen beschäftigt und es konnte kein Anlass stattfinden. Jetzt haben wir ein eigenes Team, das in der Nacht umbaut. Nach einem Konzert am Freitagabend kann so am Samstagmorgen bereits ein Brunch stattfinden», schildert Andres Hartmann.

Viel Platz

Die neue Halle ist also nicht nur grösser, sondern auch effizienter. Warum das so ist, zeigt sich im weiteren Verlauf des Rundgangs. In einem Nebenraum neben der grossen Konzerthalle stapeln sich unzählige Stehtische, Stühle und andere Requisiten. Sie alle haben einen fahrbaren Untersatz. «Hier muss niemand etwas tragen. Wir können alles bequem in die Halle schieben. Je nachdem, ob eine Veranstaltung mit Bestuhlung, mit Stehtischen oder mit einer grossen Freifläche stattfindet, haben wir so die Halle sehr schnell umgebaut», erklärt Andres Hartmann. Hinzu kommt, dass in sämtlichen Räumen Technik und Bühne bereits fix installiert sind. Abseits all dieser Details bleibt jedoch das Hauptmerkmal der neuen Halle: Platz. Viel Platz.

Besonders ersichtlich wird dies im Herzstück der Areon, in der grossen Halle mit Platz bis zu 6500 Personen. Ist sie leer, hallt es hier im wahrsten Sinne des Wortes. Die kleinen Ausbesserungsarbeiten am anderen Ende des Raumes sind gut hörbar. Sind weniger Leute anwesend, kann man die Halle aber verkleinern. Und zwar mit ferngesteuerten Vorhängen. An der ganzen Hallendecke verteilt befinden sich nämlich Vorhangschienen. So können die Mitarbeitenden der Stadthalle Chur AG mit einer Fernsteuerung die Vorhänge dorthin manövrieren, wo die Halle abgetrennt werden soll.

Auch die anderen Räume wirken riesig, vor allem jetzt, wo sie leer sind. Der kleinste Raum bietet Platz für rund 100 Personen. Grösser ist das Loft im zweiten Stock. Auch hier finden noch Feinschliffarbeiten statt. Piekfein fertiggestellt und sauber geputzt ist jedoch dessen grosszügige Dachterrasse mit Blick auf die Stadt Chur. Das Einzige, was hier noch fehlt, ist die Blumenwiese hinter dem Balkongeländer. Dies sei vor allem der Trockenheit geschuldet, so der Eventstätten-Chef. Und wieder betont er das Thema Nachhaltigkeit. Man habe sich nämlich entschieden, vorerst auf eine Bewässerung zu verzichten. So wird das Dach eben etwas später grün.

Viel sicherer

Zurück in der grossen Halle im Erdgeschoss. Gleich hinter der noch nicht installierten Bühne befindet sich der ebenso grosszügige Backstage-Raum. Viele Künstlerinnen und Künstler wollten in der alten Stadthalle nicht auftreten, da es dort keinen richtigen Backstage-Bereich gab, begründet Andres Hartmann dessen Notwendigkeit. Nun ziele man darauf ab, auch Acts mit höheren Ansprüchen anlocken zu können. Während des gesamten Rundganges kommt Andres Hartmann immer wieder auf ein weiteres wichtiges Thema zu sprechen, das sich im Vergleich zur alten Stadthalle merklich verbessert hat: die Sicherheit. So verfügt das Gebäude über gut ausgeschilderte Notausgänge, eine automatische Brandmeldeanlage und eine Sprinkleranlage, die sich bei Rauchentwicklung automatisch einschaltet. In Zusammenarbeit mit der Feuerwehr hätten sie bereits alle möglichen Szenarien besprochen, erzählt Andres Hartmann.

So hätten sie die gesamte Halle starkem Rauch ausgesetzt. Davon zeigt er ein Video. Dank der automatischen Entlüftung war es selbst nach 20 Minuten noch möglich, durch die gesamte Halle zu blicken und es war lediglich leichter Dunst sichtbar. «Es war schlichtweg unmöglich, das Gebäude so starkem Rauch auszusetzen, dass man nichts mehr sah», berichtet Andres Hartmann. Aufgrund des neuesten Stands der Sicherheitseinrichtungen würden sich derzeit viele Hauswartungsfirmen und Sicherheitsfachleute für die Technik in der Halle interessieren und besichtigten sie als Musterbeispiel, erzählt Andres Hartmann nicht ohne Stolz.

«

Es war schlichtweg unmöglich, das Gebäude so starkem Rauch auszusetzen, dass man nichts mehr sah»

Andres Hartmann, Geschäftsführer der Stadthalle Chur AG

Für Veranstaltende bringt dies bedeutende Vorteile mit sich: Mussten diese zuvor jeweils selbst ein Sicherheitskonzept erstellen, ist dies in der neuen Halle alles vordefiniert. Auch für Churer Veranstaltungsbesuchende dürften die hohen Sicherheitsstandards eine beruhigende Nachricht sein. Und so bleibt die Vorfreude, dass in Chur bald mehr läuft. Den Auftakt macht die Band Gotthard mit dem Eröffnungskonzert am 11. September.

Viel zu alt

Die Stadthalle an der Kasernenstrasse wurde in den 1930er-Jahren als Viehhandelsmarkthalle gebaut. Kurz vor 1950 fanden darin auch erste Publikumsanlässe statt. Mit einem Alter von über 90 Jahren ist das Gebäude nun an seinem Lebensende. Hauptgrund dafür ist, dass es den heutigen Sicherheitsnormen nicht mehr entspricht. Zudem blieben in der alten Halle auch die Veranstaltungen aus und sie wurde aufgrund der niedrigen Standards immer weniger gebucht. Die Stadthalle Chur AG verkaufte somit das Gebäude wieder zurück an die Stadt und erwarb das neue Grundstück in der Oberen Au. Seit Juli sind in der alten Stadthalle keine Veranstaltungen mehr erlaubt. Da die Churer Stimmbevölkerung das Projekt der neuen Brambrüeschbahn im Frühling ablehnte, bleibt die Zukunft des Areals an der Kasernenstrasse vorerst ungewiss.

Mehr zum Thema: Bauarbeiten, Baustelle, Chur