«Der Entscheid gegen den Windpark ist fatal und unsolidarisch»
Der Glarner Landrat hat dem Windpark in der Linthebene den Stecker gezogen. Diesen Entscheid kann Jürg Rohrer nicht nachvollziehen. Der Professor für erneuerbare Energien an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil und Präsident der Energieallianz Linth findet, dass man nicht immer nur von der Energiewende reden, den Ball aber anderen zuspielen könne.
Jürg Rohrer, Sie kritisieren den Entscheid des Landrats. Warum?
Ich finde den Entscheid fatal, wir fühlen uns vor den Kopf gestossen. Weltweit sucht man händeringend nach Massnahmen, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Dazu ist ein rascher Umstieg auf Elektromobilität und Wärmepumpen notwendig, was den Stromverbrauch erhöhen wird. Trotzdem könnten wir in Zukunft den gesamten Strombedarf aus einheimischen, erneuerbaren Energien decken. Die Glarner Regierung, respektive der Landrat, hat die Möglichkeit vertan, einen wichtigen Beitrag dazu zu leisten. Der Entscheid ist zudem unsolidarisch: Der Kanton nimmt gerne Geld aus dem Finanzausgleich oder lässt sich die Umfahrungsstrasse vom Bund bezahlen. Aber wenn er selber einen Beitrag mit Windenergie zur Schweizer Energieversorgung leisten soll, ist es vorbei mit der Solidarität.
War der Entscheid mutlos?
Es gibt zwei Philosophien, denen ein Politiker folgen kann: Entweder er fragt sich, was das Volk will, und tut das, was der Mehrheit gefällt. Oder er hat eigene Visionen und führt die Leute an etwas heran. In Krisenzeiten braucht ein Land mehr Politiker von der zweiten Sorte, die auch bei – im wahrsten Sinne des Wortes – starkem Gegenwind an einer Idee festhalten. Mir kommt es so vor, als hätte der Landrat einfach auf diejenigen gehört, die am lautesten geschrien haben.
Sollten Entscheidungen über Standorte für Windparks dem Bund obliegen?
Ich kenne mich mit der Kompetenzverteilung in der Raumplanung nicht detailliert genug aus, um diese Frage beantworten zu können. Klar ist für mich: Es geht nur über stärkere Einflussnahme vom Bund. Es kann nicht sein, dass die Interessen Einzelner über das Gesamtwohl gestellt werden, wenn irgendwo ein Windpark gebaut werden soll. Sonst schiebt man den Ball nur hin und her, und am Schluss passiert aber gar nichts.