Das Regierungskonzert, eine Institution
von Swantje Kammerecker
«Glarus pflegt seine Rituale wie kaum ein anderer Kanton», war vor einigen Jahren in einer Kolumne der «NZZ» zu lesen. Landsgemeinde und Näfelser Fahrt wurden dabei ebenso erwähnt wie das Regierungskonzert. Die Schreibende erinnert sich, aufgehorcht zu haben, als sie erstmals dieses Wort hörte. Musiziert da etwa die Regierung selbst? Oder liess sie gar zur eigenen Unterhaltung ein Ensemble auftreten?
Tatsächlich geht dieses wohl einzig im Glarnerland bekannte Format auf den Regierungsrat Rudolf Schmid zurück, der im Zweiten Weltkrieg für eine kulturelle Bereicherung der Bevölkerung sorgen wollte. Mit einem Beitrag aus dem Lotteriefonds wurde vom Regierungsrat 1944 der damaligen Glarner Konzert- und Vortragsgesellschaft ein Geldbetrag zugesprochen, der am 18. Februar 1945 das erste Regierungskonzert ermöglichte. Erich Schmid, damals Glarner Musikdirektor, dirigierte das Stadtorchester Winterthur, Solist war der Pianist Paul Baumgartner. Die Schweizerische Musikzeitung war des Lobes voll, die «Neue Glarner Zeitung» schrieb: «Die grosse Zuhörerschaft bedachte die Ausführenden mit rauschendem Beifall.» Die Erfolgsgeschichte setzte sich fort. Als Dirigenten folgten unter anderem Jakob Kobelt, Peter Eidenbenz, Alois Koch; berühmte Solistinnen wie Clara Haskil, Johanna Martzy oder Maria Stader begeisterten.
«Solisten ersten Ranges»
Heute, ein Dreivierteljahrhundert später, leitet der Glarner Musiker Martin Zimmermann das Ressort Konzerte der Kulturgesellschaft Glarus und organisiert in dieser Funktion auch seit 2002 die Regierungskonzerte. Er ist überzeugt: «Auch wenn die Glarner Zuhörerschaft heute mobiler ist, bleibt das Regierungskonzert nach wie vor ein wichtiges, einzigartiges Ereignis in unserem Kulturleben. In Städten mit eigenem Orchester ist es ja völlig normal, dass ein oder mehrere Orchesterkonzerte pro Woche stattfinden. Wenn bei uns alle zwei Jahre ein Konzert mit einem Berufsorchester stattfindet, ist das Interesse gross, das Publikum sehr dankbar.»
Dass Kultur für die Standort- und Lebensqualität höchst wirksam sei, hätten bereits vor 100 Jahren die Gründer der damaligen Glarner Musikgesellschaft erkannt. Ihrem Anspruch, nur «Solisten ersten Ranges» zu verpflichten, wird auch in den Regierungskonzerten nachgelebt – und dabei gelang immer wieder Erstaunliches.