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Graubünden

Das ist die neue Badi Schiers: Freibad startet nach zweijährigem Umbau in die Sommersaison

Neu stehen in der Schierser Badi zwei exotische Tiere am Kinderbecken und freuen sich auf die Badegäste. Das erwartet Besucherinnen und Besucher.
Bündner Woche
heute um 11:00 Uhr
heute um 11:14 Uhr

Von Simon Blatter

Der kleine Elefant und die rote Schlange fühlen sich etwas verloren an diesem kühlen und wolkenverhangenen Morgen Anfang Mai. Sie haben sich noch nicht so richtig an ihre neue Umgebung gewöhnt. Die Landschaft um sie herum gleicht einer kargen Wüste und ihr Wasserreservat ist trocken. Dennoch haben die beiden einen Ausdruck von Vorfreude im Gesicht. Sie wissen nämlich: Schon bald wird in der kargen Wüste ein saftiger Rasen spriessen und rund um sie herum fröhliche Kinder planschen. Voraussichtlich am 23. Mai, bei schlechtem Wetter eine Woche später am 30. Mai, wird nämlich ihr Habitat, die Schierser Badi, nach zweijähriger Umbaupause in neuem Glanz für die Öffentlichkeit zugänglich.

Viel Licht

Darauf freuen sich nicht nur der Elefant und die Schlange am neuen Kinderbecken, sondern auch Reto Stiefel, Betriebsleiter der Evangelischen Mittelschule Schiers (EMS), zu der das Freibad gehört. Neben dem Kinderbecken sticht der Holzbau des neuen Garderobengebäudes ins Auge, der anstelle des alten Schindelhauses steht. Geplant hat diesen das Architekturbüro Liesch Architekten AG aus Chur. Das Unternehmen schreibt, der Bau bestehe weitgehend aus unbehandeltem einheimischem Holz. Tatsächlich fällt in den lichtdurchfluteten öffentlichen Garderoben und im Kiosk der Duft nach frischem Holz auf. Im Gebäude führt eine Treppe nach unten auf den ebenfalls erneuerten Sportplatz der Schule. Die Garderoben des Sportplatzes dienen auch als Schulgarderoben fürs Freibad. Weiterhin ein zentraler Bestandteil der Anlage bleibe der öffentliche Kiosk mit Snacks, Grilladen und kleinen Gerichten, schreibt die EMS in einer Medienmitteilung. «Mit der Sanierung bleibt die vertraute Atmosphäre bestehen, während die Infrastruktur deutlich verbessert wurde», heisst es dort weiter. So habe man beispielsweise die beiden bestehenden Becken neu ausgekleidet. Auch die Mitarbeitenden bringen die vertraute Atmosphäre zurück: «Die Angestellten in dieser Saison sind alles Leute, die schon im alten Freibad gearbeitet haben», berichtet Reto Stiefel.

Neue Technik und nachhaltiger Badi-Betrieb

Weniger sichtbar, aber eigentlicher Kern der gesamten Sanierung, ist die Technik. So können die Photovoltaik-Anlage auf der Hälfte des Dachs des zentralen Garderobengebäudes und die thermische Anlage auf der anderen Dachhälfte einen Grossteil des Stroms für den Betrieb generieren und das Wasser im Schwimmbecken leicht aufheizen. Die vorherigen technischen Installationen habe man komplett ersetzt, erzählt Reto Stiefel. «Während der zwei Baujahre haben wir 2024 geplant und 2025 umgesetzt», blickt er auf die Bauzeit zurück. Bis zur Eröffnung stehe jetzt noch das Testen der technischen Anlagen an. Finanziert hat den Umbau die EMS, während die Gemeinde Schiers einen jährlichen Betriebsbeitrag beisteuert. Die Einwohnerinnen und Einwohner von Schiers können sich also freuen, bald wieder in der dorfeigenen Badi zu entspannen und gemütlich ihre Bahnen zu schwimmen. Gerade während der Sommerferien sei die Badi Schiers nämlich ein echter Geheimtipp, schwärmt Reto Stiefel: «Dann sind viele Einheimische in den Ferien. So herrscht hier meist eine gemütliche Atmosphäre abseits vom grossen Trubel. Es gibt sogar Zeiten, in denen man das Bad für sich alleine hat.»

Vor fast 100 Jahren gebuddelt, heute noch wertvoll

Die EMS schreibt, die neue Badi sei eine wichtige Investition für die Region. Dies bekräftigt auch deren Direktor Hans-Andrea Tarnutzer: «Die Badi Schiers ist für unsere Schule und die Region ein wichtiger Begegnungsort. Mit der Sanierung schaffen wir einen Ort, der vertraut bleibt und gleichzeitig zeitgemäss und nachhaltig funktioniert», wird er in der Medienmitteilung der Schule zitiert. Ob und wie die Badi saniert wird, war bis kurz vor der vorübergehenden Schliessung im September 2023 nicht bekannt. Zuvor hatte die Gemeinde Schiers nämlich diverse Optionen geprüft, unter anderem ein neues Hallenbad. Schlussendlich hat sich die umfassende Sanierung des Freibades als finanziell realistischste Lösung gezeigt, die in einer Abstimmung von der Bevölkerung bestätigt wurde. Zuletzt wurde die Badi Schiers vor rund 40 Jahren saniert.

Auf der grünen Wiese würde man heute an diesem Standort wohl keine Badi mehr neu erbauen, meint Reto Stiefel. Gemäss seiner Information wurden die heutigen Schwimmbecken im Jahr 1928 von damaligen Schülern in deren Freizeit noch von Hand ausgehoben. Im Verlaufe der Zeit hat sich die Badi zum festen Bestandteil des Dorfes entwickelt. «Da hängen auch viele Emotionen am Bad», sagt Reto Stiefel, «und tatsächlich ist es auch für uns als Schule ein Mehrwert für den Sportunterricht. Deshalb haben wir uns entschieden, dass sich die Sanierung für uns lohnt.» Über diesen Entscheid freuen sich auch die Schierser Bevölkerung sowie der Elefant und die Schlange am Planschbecken. Besonders aufs baldige Auffüllen ihres Wasserreservats, die schöne Liegewiese und das emsige Treiben in der Badi.

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