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Graubünden

Allein mit Musikfreundinnen und -freunden

Davoser Zeitung
07.08.2023, 17:00 Uhr
11.05.2026, 12:16 Uhr

Im Waldhotel locken am Dienstag Liegestühle, drei Instrumente und die betörende Stimme der Sopranistin Julia Duscher zum Wandelkonzert «Auf Kur». Man darf gespannt sein, ob die erholsame Höhenluft auch der Theorbe von Lorenzo Abate gut bekommt.

Die italienische Schalenhalslaute ist besonders empfindlich, ihre 14 Saiten verstimmen sich schnell. Bis zu zwei Meter lang können die Basssaiten sein, die an dem langen Hals gespannt sind, das machte sie im 17. Jahrhundert zum beliebten Generalbassinstrument. Intendant Marco Amherd hat es lange nicht richtig gekannt, sagt er: «Die Theorbe ist für mich ein kleines Wunderinstrument. Sie ist unglaublich vielseitig einsetzbar und klanglich immer wieder überraschend. Meist hören wir sie als Begleitinstrument oder Continuoinstrument bei grösseren Barockorchestern.» Lorenzo Abate spielt aber auch solistische Stücke von kaum bekannten Komponisten wie Napoléon Coste und Mauro Giuliani.

Im Atrium des Waldhotels ist dann ein zweites weniger oft gehörtes Soloinstrument zu hören, das Akkordeon. Der junge Slowene Nejc Grm erforscht seine Klangmöglichkeiten von Schuberts «Winterreise» bis zu neuen Klängen von Olga Neuwirth. Schon am Neujahrskonzert des Davos Festivals hat er sein Publikum verzaubert.

Im Konzert «Von der Freundschaft» im Kongresszentrum steht die legendäre ­Pariser «Groupe des Six» im Fokus, eine Gruppe befreundeter Komponierender um Arthur Honegger und Darius Milhaud. Tillmann Höfs, der schon 2021 Festivalhornist in Davos war, spielt mit Julius Asal am Klavier Francis Poulencs ohrenschmeichelnde «Élégie», und die junge Schweizer Harfenistin Joanna Thalmann interpretiert die Harfensonate von Germaine Tailleferre, der einzigen Frau in der Sechsergruppe.

Am Donnerstag feiert das Davos Festival seinen traditionellen Entdeckungstag, präsentiert von Swiss Life. Er beginnt um 10 Uhr mit einem gemeinsamen Offenen Singen in der Pauluskirche, danach geht es in die Kirche St. Theodul zu «Allein auf der Orgelbank» und nachmittags an den Bahnhof Davos Platz für einen musikalischen Zwischenhalt. Zu diesen ja auch sonst kostenlosen Programmpunkten kommt das schon im letzte Jahr beliebte «Pas de deux – Ballett für alle», wo um 15 Uhr in der Aula der SAMD professionelle Tänzerinnen und Tänzer in die Welt des Balletts einführen. Und zum Konzertkarten-Sonderpreis endet der Tag mit «Zuflucht in Davos» im Kongresszentrum, unter anderem mit zwei Vogelstimmen aus Olivier Messiaens «Catalogue d'oiseaux», gespielt von dem zuletzt mit vielen Nachwuchspreisen ausgezeichneten 22-jährigen niederländisch-amerikanischen Pianisten Carter Muller.

Am Freitag lockt die diesjährige Festivalwanderung auf «Wege zum Glück», es geht von Davos Wiesen über vier musikalische Stationen nach Filisur. Besonderer Höhepunkt ist dabei ein Auftragswerk des Davos Festival an die 30-jährige armenische Komponistin Aregnaz Martirosiyan. Intendant Marco Amherd: «Ich wollte dieses Mal die traditionelle Uraufführung am Festival nicht in ein normales Konzert einbinden und einen grossen Scheinwerfer darauf richten, sondern diese direkt in unsere Wandermusik integrieren. So kann die neuste Musik vielleicht direkt einen Weg in unsere Herzen finden und sich mit schönen Wandererinnerungen verbinden.» Aregnaz Martirosyan hat soeben ihr Kompositionsstudium in Luzern bei Dieter Ammann beendet. Das Stück ist für Solo-Akkordeon geschrieben. «Unser Akkordeonist Nejc Grm kannte sie bereits, und auf der Suche nach einer passenden Komponistin war sie auf seiner Wunschliste ganz oben. Ich war mir sicher, diese Kombination wird bestens funktionieren. Nun bin ich gespannt, wie weit die Töne ins Tal tragen werden.»

Mara Engel schreibt für das Davos Festival.

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