Darum investieren Chur, Vaduz und Mels noch einmal 16 Millionen: In Haag entsteht das modernste Druckzentrum Europas
Die Somedia Partner AG investiert bis Ende Jahr 16 Millionen Franken in das Druckzentrum Haag. Es entstehen neue Drucktürme und ein Papierlager. Warum diese Investitionen Sinn machen und weshalb man bei den Besitzern in Chur, Vaduz und Mels an die gedruckte Zukunft glaubt.
Deshalb wird in den Zeitungsdruck investiert
Die Auflagezahlen der Tages- und Wochenzeitungen aus dem Druckzentrum im sankt-gallischen Haag sinken jährlich um drei bis fünf Prozent. Und dennoch steigt die Nachfrage nach Druckkapazitäten – weil es immer weniger solche Druckzentren gibt. Das erklärt Urs Zieri, Geschäftsführer der Somedia Partner AG in Haag, die zu gleichen Teilen Somedia, dem Vaduzer Medienhaus und der SL Druck und Medien AG gehört. «Der Abbau von Druckzentren ist grösser als der Rückgang der Auflagen», so Zieri.
Was in Haag geschieht, ist mehr als ein Ausbau, es ist ein klares Bekenntnis zur Zukunft des gedruckten Journalismus.»
Urs Zieri, Geschäftsführer Somedia Partner AG
Das wird in Haag investiert
Bis Ende Jahr werden in Haag zwei neue Drucktürme installiert und ein neues Papierlager gebaut. Die Kosten von 16 Millionen Franken stemmt die Somedia Partner AG aus eigenen Mitteln und mithilfe eines Kredits. Bereits vor fünf Jahren wurden in Haag 16 Millionen Franken in eine neue Druckmaschine investiert. Die nun bestellte Maschine wurde im vergangenen Oktober geordert, im August wird sie geliefert. Die Verantwortlichen sind überzeugt, dass neben der gedruckten Zeitung insbesondere das Beilagen- und Kundengeschäft eine Zukunft hat. In Haag werden neben Zeitungen auch Prospekte und Magazine gedruckt. Und genau dafür will sich Haag mit der erneuten Investition rüsten. Hinzu kommt ein Ausbau beim Personal. Zieri möchte den Bestand um ein Drittel auf 50 Mitarbeitende aufstocken.
Deshalb ist Haag das modernste Druckzentrum
Im März wurde das Druckzentrum in Bussigny im Kanton Waadt geschlossen. Ende des kommenden Jahres wird auch das Druckzentrum Zürich stillgelegt. Die Zukunft von weiteren Druckzentren ist ebenfalls ungewiss. Das 2006 gegründete Druckzentrum in Haag ist neben jenen in Aarau, Bern, St. Gallen, Langenthal, Monthey und Lugano eine der wenigen verbliebenen Zeitungsdruckereien in der Schweiz. Und dank den beiden 16-Millionen-Franken-Investitionen wird Haag nicht nur zum modernsten Druckzentrum des Landes, es zählt auch zu den fortschrittlichsten Anlagen in ganz Europa. Eine solche Investition habe es in den vergangenen Jahren in eine Zeitungsdruckerei landesweit nicht mehr gegeben, sagt Zieri.
Wir schaffen nicht nur Kapazitäten, sondern setzen auch ein Signal für unsere Kunden.»
Urs Zieri, Geschäftsführer Somedia Partner AG
Dieser Kunde druckt neu in Haag
Dank dem Wegfall anderer Druckereien und dem Ausbau in Haag wird bald ein Teil der «Coopzeitung» im St. Galler Rheintal gedruckt. 450'000 der schweizweit 2,4 Millionen Exemplare entstehen künftig in Haag. Es sind die Ausgaben für Graubünden, Glarus, St. Gallen, das Fürstentum Liechtenstein und Winterthur. Der Druck dieser Zeitungen dauert 24 Stunden und benötigt 4500 Tonnen Papier. Zum Vergleich: Zusammen mit weiteren Aufträgen wird der Papierverbrauch in Haag von aktuell 4000 Tonnen auf 11'000 Tonnen ansteigen. Der Vertrag mit der «Coopzeitung» wurde über fünf Jahre abgeschlossen. Weitere Verlagshäuser aus der ganzen Schweiz sind auf der Suche nach alternativen Druckpartnern. Einige hätten bereits ihr Interesse an Haag bekundet, so Zieri.
Heute werden in Haag 9 Tageszeitungen mit gesamthaft 100'000 Exemplaren gedruckt. Mit der neuen Anlage werden es 14 Tageszeitungen sein. Neu dazu kommen Zeitungen aus dem Rheintal, dem Appenzell und dem Zürcher Oberland. Ebenfalls hinzu kommen 26 Wochenzeitungen mit bis zu 72'000 Exemplaren. Die Zeitungsproduktion ergänzt der Werbedruck für eigene Printprodukte und externe Auftraggeber.
450'000
Exemplare der «Coopzeitung»
werden künftig in Haag gedruckt. Dafür braucht es 4500 Tonnen Papier.
So nachhaltig ist das Druckzentrum Haag
In Haag wird mit lösungsmittelfreien Farben gedruckt. Dank prozessarmen Plattenbelichtern spart das Druckzentrum 75'000 Liter Trinkwasser und 3000 Liter Chemie pro Jahr. Die hauseigene Photovoltaikanlage liefert jährlich 380'000 Kilowattstunden Strom. Das entspricht dem Verbrauch von rund 80 Haushalten. Ansonsten wird Ökostrom bezogen. Prozesswärme wird zum Heizen des Gebäudes genutzt. 90 Prozent des Papieres werden von den nächstgelegenen Papierfabriken bezogen. Dazu muss man wissen, dass Zeitungspapier sechs bis sieben Lebenszyklen hat, wenn es als Altpapier gesammelt wird.