Ein Fest für Mensch und Tier: Vier Generationen Flütsch feiern den Alpabzug in Klosters
Ein Artikel aus der «Bündner Woche»
Samstagmorgen, kurz vor 10 Uhr. Der Shuttle-Bus am Bahnhof Klosters ist zum Bersten voll. Alle haben dasselbe Ziel: den Alpabzug. Ein Volksfest für Einheimische? Auch, aber nicht nur. Im Stimmen-Wirrwarr erklingen neben Prättigauer-Dialekt auch Hochdeutsch, Englisch, Französisch, Japanisch, Koreanisch und Rhätoromanisch. Für die einen ist es alljährliche Tradition, andere sind in den Ferien und wollen die Schweizer Postkartenidylle in echt erleben. An diesem Prachtstag können sie das.
Beim Parkplatz Monbiel angekommen, herrscht noch Ruhe vor dem Sturm. Die Leute verteilen sich, im grossen Festzelt ist noch nicht viel Betrieb. Je weiter entfernt vom Parkplatz, desto ruhiger wird die Morgenstimmung. Wenig später sind gar keine Leute mehr auf dem Weg zu sehen, nur noch Alpwiesen und prächtiges Bergpanorama.
Am Ende des Waldes macht der Pfad eine Kurve, und es erscheint die Alp Pardenn. Hier ändert sich die Szenerie schlagartig. Die morgendliche Ruhe weicht hektischem Treiben. Die letzten Vorbereitungen für den Alpabzug sind in vollem Gange. «Ihr müsst als letzte einstehen am Umzug», «Um 11 Uhr laufen wir los», und ähnliche Wortfetzen schallen durch die frische Alpluft. Sofort wird spürbar: Hier steht ein wichtiger Tag an. Im Mittelpunkt dieses Tages stehen aber nicht die Menschen, sondern die Tiere.
Ein wichtiges Fest
Und so sind in einer Wiese am Wegesrand zahlreiche Kühe aufgereiht. Eine nach der anderen erhält ein schmuckes Hütchen aus Blumen auf den Kopf. «Tschäppel» nennt sich der liebevoll geflochtene Kopfschmuck. Doch nicht alle tragen denselben. Hat dies eine Bedeutung? «Nicht alle tragen exakt dasselbe Muster, das ist reiner Zufall und sorgt für ein farbenfrohes Auftreten. Aber eine Kuh trägt eine ganz besondere», erklärt ein Helfer und deutet auf die andere Seite der Reihe. Und tatsächlich: Ein Tier ist von mehreren Leuten umgeben, die ihr einen riesigen «Tschäppel» aufsetzen, über dem ein grosses Herz aus Blumen thront. «Sie ist diejenige Kuh, die diesen Sommer am meisten Milch gab und deshalb einen besonderen Kopfschmuck tragen darf», so die Erklärung.