«Cool Man» Peter Steiner: Wie ein Kioskbetreiber aus Pany zum Techno-Star wurde
Dieser Artikel erschien als Teil der Serie «Weisch no …?» in der «Bündner Woche».
Wenn man darüber nachdenkt, welche Bündnerinnen und Bündner über die Schweizer Landesgrenze hinaus bekannt geworden sind, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Peter Steiner alias «Cool Man». Er wurde Mitte der 1990er-Jahre mit einem Techno-Hit zum internationalen Star. Doch erzählen wir die Geschichte der Reihe nach.
Peter Steiner kam 1917 in Pany zur Welt und führte ein mehr oder weniger unauffälliges Leben als Kioskbetreiber in San Bernardino, der gerne Viehmärkte besuchte, ehe er 1993 zur Werbefigur wurde. Genau gesagt für die Schokoladenmarke Milka, für deren Reklame eine Art moderner, aber doch urwüchsiger Alp-Öhi gesucht wurde, imposante Bartpracht natürlich inklusive. In einem Interview erzählte Steiner, dass seine Tochter Bernadette die Einladung zum Casting für den Werbespot eingefädelt habe. «Beim Casting sagte ich vor der Kamera spontan einen lustigen Spruch. Prompt hiess es: ‹Herr Steiner, Sie sind engagiert.›»
So kam es, dass nun ein rund 30 Sekunden langer Werbespot mit Peter Steiner in die Wohnzimmer flimmerte. Vor einer winterlichen Bergkulisse sieht man ihn mit grüner Mütze auf dem Kopf und hört ihn sagen: «Ah, ein Stadtmensch! Sie glauben wohl auch, dass wir hier oben etwas altmodisch sind. Aber das stimmt nicht! Wir haben das ‹Milka Fresh› erfunden. Da ist Minze drin, in einer knackigen Füllung und zarter Schoggi von Milka. Aber Vorsicht: It's cool, man!» Von da an sei «der Teufel los» gewesen: «Wildfremde kamen auf mich zu und nannten mich ‹Cool Man›.» In solchen Momenten hätten sich schnell einmal sechzig, siebzig oder hundert Personen um ihn geschart, verriet Steiner im Nachrichtenmagazin «10 vor 10».
Fast ein halbes Jahr in den Charts
Der Kultstatus, den der Spot mittlerweile hatte und beim Milka-Hersteller Suchard sogar zeitweise zu Lieferengpässen führte, animierte das deutsche Musikproduzentenduo XXL, den Satz «It's cool, man» zum Refrain eines Techno-Songs werden zu lassen. Er stürmte im Januar 1995 die Charts, erreichte Platz vier in der Schweiz sowie fünf in Österreich und Deutschland. In der Schweizer Hitparade war der Song fast ein halbes Jahr zu finden. Im dazugehörigen Videoclip, übrigens immer noch auf Youtube zu finden, sieht man einen tanzenden Peter Steiner mit Cowboy-Hut, Sonnenbrille und Hosenträgern. Fast erinnert er ein wenig an die texanischen Hardrocker von ZZ Top, denen ja auch eine beeindruckende Bartpracht zu eigen war.
Der mit dem Hit verbundene Erfolg führte dazu, dass bei Steiners nun ein veritabler Geldsegen einsetzte und die Familie von einem Hamburger Anwalt beraten wurde, um nicht Gaunern zum Opfer zu fallen. Steiners Frau Katherina meinte in «10 vor 10», es seiunwichtig, was sie verdienten, wichtig sei, dass ein Haufen junger Leute Plausch an einem fröhlichen alten Mann mit Bart habe. Ein wenig ging die Party auch noch weiter, denn im Mai 1995 erschien eine zweite Single mit dem Titel «Geierwally», die sich immerhin noch zehn Wochen in den Schweizer Charts halten konnte und Platz zehn erreichte. Zwischen 1999 und 2001 kamen weitere fünf Singles mit «Cool Man» Peter Steiner auf den Markt, so etwa «Oh You Fröhliche» im Jahr 2000. Diese Songs konnten allerdings nicht mehr an den grossen Erfolg der ersten beiden anknüpfen, sodass ein Comeback ausblieb.
Ischiasschmerzen weggebügelt
Dennoch war und blieb Steiner eine Berühmtheit, wenngleich die «Südostschweiz» ihn lediglich als «Cervalat-Prominenz» taxierte. Trotzdem oder gerade deshalb war der «Cool Man» immer wieder präsent, so etwa als er in Churs Partnerstadt Bad Homburg einen Bartwettbewerb leitete oder vom Magazin «Gesundheits-Tip» angesichts seines rüstigen Alters um Ratschläge für ein langes Leben gebeten wurde. Dabei gab er auch eine skurrile Anekdote zum Besten: Seine Frau habe ihm in jungen Jahren die Ischiasschmerzen regelrecht weggebügelt. «Der Arzt hat meiner Frau geraten, mich mit einem Bügeleisen zu behandeln. Ich lag auf einem Tisch, zugedeckt mit dicken, alten Leintüchern. Dann ist meine Frau 20 Minuten lang mit dem warmen Bügeleisen über meinen ganzen Körper gefahren. Anschliessend hat sie mir Rücken und Beine mit Grappa eingerieben. Seither sind die Schmerzen wie weggeblasen.»
Gegen die intensive Sonneneinstrahlung in den Bergen hatte er «immer eine Dose Niveacreme im Hosensack. Die streiche ich mir dick auf Gesicht und Glatze. Das schützt mich genauso gut wie moderne Sonnencreme. Um einen Sonnenstich zu vermeiden, trage ich immer meinen schwarzen Hut.» Gesund bleibe er, indem er nur wenig auf einmal esse und kaum Alkohol trinke. «Zum Frühstück habe ich am liebsten Maisriebel. Zudem kocht meine Frau nie mit tierischen Fetten.» Und was den imposanten Bart betraf, für den er auch Preise gewann, so verriet Steiner, dass er ihn mit Babyshampoo pflege. «Das geht schnell. Für das Rasieren früher habe ich jeweils zeitiger aufstehen müssen.»
«Karikatur der städterischen Projektion des knorrigen Berglers»
Als Peter Steiner 90 Jahre alt wurde, liess es sich selbst alt Bundesrat Adolf Ogi nicht nehmen, dem Jubilar persönlich zu gratulieren. Und im Herbst 2007 stand der rüstige Rentner noch einmal auf der grossen Bühne, dies im Rahmen der Fernsehsendung «Die grössten Schweizer Hits». Doch nur zwei Wochen später verstarb Steiner nach einem Schwächeanfall im Spital seiner Wahlheimat Walenstadt. Die «Südostschweiz» schrieb: «Als ‹Cool Man› war Steiner nicht nur Stammgast in TV-Sendungen, Hochglanzmedien und bei Galaabenden, sondern auch so etwas wie die Karikatur der städterischen Projektion des knorrigen Berglers. Dieser Rolle verweigerte er sich zwar nicht, er führte sie aber regelmässig schalkhaft ad absurdum.» Denn Humor hatte er zweifellos – vom «Gesundheits-Tipp» gefragt, mit welcher Frucht er sich vergleichen würde, antwortete der «Cool Man»: «Mit einer Dörrbirne. Die ist auch runzlig noch sehr geniessbar.»
Das ist «Weisch no …?»
Über «Weisch no …?»: In seiner «Büwo»-Kolumne berichtet Christian Ruch von
vielfältigen Momenten aus der Vergangenheit. Er erzählt von Dingen, Ereignissen, Personen
und Phänomenen, an die man sich – ob gern oder genervt – erinnert und die heute irgendwie
verschwunden sind.