Bündner Gastronom geht auf Online-Bewertung ein – und wie
Tripadvisor, Google und Co. haben es in den letzten Jahren einfacher gemacht, ein Restaurant oder Hotel zu bewerten, wenn es sein soll sogar anonym. Die Antwort auf eine Google-Bewertung des Hotels und Restaurants «Belfort» in Alvaneu ging in den letzten Tagen viral. Mit einer ziemlich direkten Antwort begründete der Wirt sein Handeln auf einen spezifischen Wunsch. Mit Erfolg. Auf dem Facebook-Profil sowie in den Google-Rezensionen des Hotels und Restaurants zeigen die meisten Gäste grosses Verständnis für den Gastgeber.
Die Auseinandersetzung zur Google-Bewertung
Peter G., auf Google:
«Wir wurden vom Gatten der Wirtin bedient. Als 1 von 4 Personen nach einem Gemüseteller gefragt hat, wurde er sehr unhöflich und hat gemeint, dass das ‹nicht Ihr Stil› sei, ebenso wie: ‹Unsere Gerichte gibt es ganz oder gar nicht›. Sehr enttäuschend im Vergleich zum letzten Besuch. Von einem guten und auch genug teuren Restaurant kann man mehr erwarten.»
Die Antwort von Paul Zünd, Hotelier des Belfort:
«Herzlichen Dank für Ihre Beurteilung. Ich möchte allerdings genauer darauf eingehen: Sie haben nicht einfach nur nach einem Gemüseteller gefragt, sondern haben gefragt, ob unsere Zucchettipiccata mit mediterranem Gemüse und Kräuterkartoffeln vegan erhältlich sei: Nein, denn in einer Piccata sind immer Ei und Käse drin und im mediterranen Gemüse eingelegte Artischocken, d.h. Essig. Wenn ich nun alles weglasse, was nicht vegan ist, so erhalte ich ein unvollständiges, unausgewogenes Gericht, welches ich nicht bereit bin, zu servieren. Der Gemüseteller, wie man ihn an manchen Orten erhält, ist weder ausgewogen noch originell und auch nicht übermässig gesund, weshalb ich ihn nicht anbiete.
Die veganen Gerichte, welche ich Ihrer Begleitung angeboten habe, wie die Edame-Nudeln mit Gemüse, den veganen Flammkuchen oder auch den Salatteller mit Melonen haben kein Gehör gefunden. Wenn man dann auf einem Gericht, das ich nicht anbiete, weiter herumreitet, dann werde ich zwar bestimmt, aber nicht unhöflich. Ich bitte Sie, bei Ihren Beurteilungen fair zu bleiben; fair wäre es auch dem Restaurant gegenüber, wenn man reservieren würde, damit sich ein Restaurant oder wie in unserem Fall der Alleinkoch dementsprechend vorbereiten kann. Vegan kochen bedeutet nämlich, neben allen Vorbereitungsarbeiten für das bestehende Angebot nochmals bei null anzufangen, um eine Kontamination zu verhindern. Und wenn man sich als Veganerin ausgibt, dann bitte ganz, auch ohne Bier...
Falls Sie nur aus einer Laune heraus vegan essen wollten, so versuchen Sie doch, zu Hause richtig vegan zu kochen oder besuchen Sie ein veganes Restaurant. Wir sind für unsere kreative Küche bekannt, mit Fleisch, aber nicht nur, und für Forelle aus dem Albulatal. Wenn man dann als Veganer die angebotenen veganen Gerichte verschmäht und deswegen aus einer Laune heraus einen von fünf Sternen verteilt, dann ist das schlicht und einfach nicht fair.
Bezüglich ‹genug teuer›: Kann es sein, dass Sie von einem Restaurant, das auf dem Land liegt, erwarten, günstiger zu sein als anderswo? Warum? Es bestehen dieselben Lohnverpflichtungen, dieselben Mietbedingungen, dieselben Kosten für Energie, lediglich die Beschaffungskosten für Lebensmittel, Betriebsmaterial und Kosten für Anfahrtswege von Servicetechnikern etc. sind wesentlich höher als in Agglomerationen. Ich wünsche mir, dass Sie Ihre nächste Beurteilung, sei es hier oder in einem anderen Restaurant, überlegter angehen. Ich bitte Sie ganz grundsätzlich, sich mit einer Branche tiefer auseinanderzusetzen, bevor Sie diese kritisieren.
Herzliche Grüsse aus dem Albulatal nach einem 16-Stunden-Arbeitstag bei 34° im Schatten
Paul Zünd
Dipl. Hotelier-Restaurateur/HF SHL, Gatte der Wirtin»