Buchtipp Februar
Roman des Monats Februar:
Tommie Goerz: «Im Schnee»
Das, was der über achtzigjährige Max wissen muss, kommt nicht im Fernsehen. Deswegen hat er keinen, und auch kein Radio. Es gibt die Strasse und einen Stammtisch. In diesem Dorf hält sich standhaft das Alte, weil es einfach, gut und echt ist, so wie die Motoren, die Max mit Leidenschaft flickt. Die Totenglocke und seine Nachbarin haben ihm gerade vom Tod von Schorsch erzählt. Der war ein Leben lang viel mehr als ein Freund für Max. Und jetzt liegt er im Haus zur Totenwacht aufgebahrt, wo die Alten zusammenkommen, um ihn in Geschichten noch einmal aufleben zu lassen. Wie der Schnee draussen alles langsam zudeckt und still werden lässt, kommen drinnen lang verdrängte Vorfälle ans Licht, welche diese oft verschlossene Dorfgemeinschaft erleuchten und nicht selten einen etwas erschaudern lassen. Die Abende in der Wirtsstube, wo sich «Neubürger» aus der Stadt an den Stammtisch wagen, sind die harmlosen Erinnerungen. Der ruhige, aber eindringliche Roman erzählt von der Enge des Dorfes, die Geborgenheit geben kann, aber auch abschottet. Und vom Schweigen, das Leben retten, aber auch manchmal Leben kostet. Die Trauernden verbindet die Erinnerungen an Schorsch, das ursprüngliche Leben ums Schlachten, Karteln, Handwerken. Es geht um Veränderungen im Leben und um Wandel und Verlust. Für uns Leser ist das gemeinschaftliche Miteinander in diesem Dorf eine einzige Reise in eine fremdgewordene Welt, die es gilt in vielerlei Hinsicht wieder zu würdigen, weil hier nicht von Community und Support geredet wird, sondern einfach gemacht wird, weil es sich so miteinander gehört. Was zwischen den Zeilen steht, berührt einzigartig. Das können nur die Meisterstücke unter den Büchern. DAS ist ein Glanzstück!