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Graubünden

Hinter dem Zauberberg

Davoser Zeitung
03.08.2024, 07:00 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Hugo Marti bewunderte Thomas Manns «Zauberberg». Der Feuilletonchef des «Bunds» hatte sich 1928 wie auch Mann mit Tuberkulose angesteckt und war ab 1933 oft Patient in der Basler Volksheilstätte am Eingang des Flüelatals. Im «Davoser Stundenbuch» beschreibt er die Innen- und Aussensichten eines Lungenkranken. Die Requisiten und Themen erinnern durchaus an sein grosses literarisches Vorbild.

«Das ist die flaue Stunde, die weiche Stunde, gefährlich wie keine andre: zwischen Licht und Dunkel, die Stunde der Dämmerung. In unserem Leib zittern noch die Reize des Lichts, das uns umspült und mit knisternden Wellen berieselt hat. Wir sind müde von der lächerlich geringen Anstrengung, wir strecken die Waffen und ergeben uns, wir kehren in unsere Krankheit zurück, wie in ein bergendes Haus, das wir mutwillig verlassen haben. Es war schön draussen, wir werden morgen wieder durchbrennen, aber für heute Nacht sind wir froh unterzukriechen. Es ist eine Demut in uns, die uns mürbe macht. Mit unverhohlener Genugtuung starren wir auf den Fiebermesser, er bringt keine Sensation, er hält sich in den Grenzen des erlaubten, aber er lässt uns auch nicht im Stich, auf ihn ist Verlass», schreibt Hugo Marti in seinem «Davoser Stundenbuch» aus dem Jahr 1935.

Brillante Essays und kurze Geschichten

In Basel als Sohn eines Bankiers und einer Pfarrerstochter geboren, war Hugo Marti bald Vollwaise. Befähigt durch sein gutes Französisch, ging er 1915 als Hauslehrer zu einer Fürstenfamilie nach Rumänien. Im Februar 1917 floh er mit deren Kindern über Russland und Finnland nach Norwegen. Kriegsbedingt war von dort die geplante Weiterreise in die Schweiz nicht mehr möglich. Ab 1919 in der Schweiz, schrieb Marti brillante Essays und kurze Geschichten. Er starb 43-jährig nach einer Operation in der Basler Volksheilstätte.

Das vom Kulturplatz verlegte und dort und bei Schuler Bücher erhältliche Buch «Promenaden – ein literarischer Spaziergang durch Davos», bietet weitere zwölf Autorenporträts mit Audiolinks.

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