Porträts von frühen Glarner Fotografen zum ersten Mal in Farbe
von Jarryd Lowder*
Zum ersten Mal sind zwei ungenannte Personen in Farbe zu sehen, die vor rund 130 Jahren in Glarus fotografiert wurden. In mehrstündiger Arbeit hat der Autor die Schwarz-Weiss-Fotos mit modernster Digitaltechnik restauriert und nachkoloriert. Die Absicht ist nicht, das authentische Originalporträt zu ersetzen, sondern sich die Person auf dem Foto mit der Lebendigkeit vorzustellen, die Farbe mit sich bringt.
Die späten 1800er bis frühen 1900er-Jahre waren eine sehr aktive Zeit für das aufkommende Medium der Fotografie im Kanton Glarus. Der Familienbetrieb Schönwetter ist vielen bekannt, dessen Name prangt noch heute über einem Schaufenster in der Stadtmitte, aber auch viele andere Fotografen hatten ihre Ateliers in Glarus.
Die in diesem Artikel gezeigten Porträts stammen von vier in der Stadt ansässigen Fotografen: Philipp Beckel, Fridolin Glarner-Feiger, Emil Jeanrenaud-Gaschen und Joachim Knobel. Ab etwa 1860 war das Visitformat als Medium für Studio-Porträts weltweit sehr beliebt. Der fotografische Abzug – auf einer etwas grösseren Kartonkarte – war etwa so gross wie eine heutige Businesskarte und wurde üblicherweise unter Verwandten und Freunden ausgetauscht, um sie in deren persönliche Fotoalben aufzunehmen.
«Das Fotoatelier als Traumfabrik»
Jahrzehnte bevor die meisten Menschen eine eigene Kamera besassen, mussten sie einen örtlichen Fotografen aufsuchen, um ihr Porträt aufnehmen zu lassen. August Berlinger, Autor des Buches «Strom fürs Glarnerland», hat während rund 20 Jahren die Geschichte der frühen Glarner Fotografen erforscht und Informationen über die Standorte ihrer Betriebe und die Zeitspannen, in denen sie tätig waren, zusammengetragen.
Berlinger erklärt: «Fotografien waren – auch für vermögende Menschen – keine Alltagsprodukte. Für die hohen Kosten wollten die Kunden auch etwas haben, und ganz wichtig, dieses seltene Ereignis wurde dementsprechend auch zelebriert – es bildete nicht den Alltag, sondern die Ausnahme ab.» Auf Seite der Abgebildeten zeige sich das an deren besten Kleidern, einer sorgfältigen Frisur oder Kopfbedeckung und allenfalls auch Schmuck. «Auch wurden verschiedene gemalte Bildhintergründe, romantische Landschaften, herrschaftliche Gärten oder Vorhangdekorationen, zur Auswahl bereitgehalten, mit entsprechend vornehmen oder modischen Möbeln und Teppichen. Das Fotoatelier als eine Art Traumfabrik», führt der Lokalhistoriker weiter aus