Mensch und Mensch kommen zusammen
Vierzehn Personen, die sich vorher nicht kannten und durch die IG offenes Davos und die Walservereinigung Graubünden zusammengeführt wurden, gestalteten den Raum. Man könnte auch sagen, es sei «eine einzige Gruppe Geflüchteter», je nach Zeithorizont. Im Mittelalter verliessen nämlich viele das Wallis, um unwirtliches Gebiet – wie auch Davos – urbar zu machen. Heute nennen wir sie Walser. Wir denken an sie als die wirklich Einheimischen. Andere im Ausstellungsteam waren hingegen erst gerade fünf Monate hier. Ist dieser Hintergrund wichtig für die Auswahl der Werke?
Das Triptychon «Alpleben» (1917) von Ernst Ludwig Kirchner wurde gleich zu Beginn zu einem Symbol des Zusammenseins, um gemeinsam etwas zu vollbringen, mitunter in widrigen Umständen. Auf dem Bild sind die herausfordernden Bedingungen der Landwirtschaft in den Bergen dargestellt. Die Vielstimmigkeit der Ausstellungsmachenden kam hier zum Ausdruck: Man einigte sich, sich nicht auf einen Gedanken zu einigen. Rund um das Alpleben sind Sprichwörter in allen beteiligten Sprachen und ihren Schriften zu sehen, die einerseits Vielstimmigkeit zeigen und andererseits spürbar machen, wie in allen Teilen der Welt das Spannungsfeld von «alleine» und «gemeinsam» besteht. In der Ausstellung können Sprichworte aus verschiedenen Teilen der Welt entdeckt werden, die diesen Gedanken ausdrücken, und mit ihm kommt man dem Expressionisten Kirchner sehr nah, denn er wollte nicht die äussere Welt darstellen, sondern einen Ausdruck für seine innere Welt finden.
Den gemeinsamen Weg finden
Wie entsteht überhaupt eine gemeinsame Ausstellung mit so vielen Personen aus verschiedenen Lebenswelten? Als Einstieg wurden Themen gesammelt, die die Beteiligten interessieren, die sie wichtig finden: Helfen, Heimat, Respekt, Lernen hatten die meisten Punkte, direkt gefolgt von Miteinander, Brücken, Sport und Neuanfang. Im Gespräch wurde dann das Motiv der Begegnung zentral. So beginnt der gemeinsame Weg mit offenen Türen und Ausblicken auf die Davoser Landschaft. Das Team wählte einen stimmigen, bunten Mix aus auch nicht so bekannten Werken. Johanna Veit Gröbner, Geschäftsleiterin der IG offenes Davos, sinniert: «Ob das kleinformatige Ölbild ‹Junkerboden› (1938) mit seinen warmen Farben und dem Licht in der Hütte und auf den Bäumen Mut macht oder auch durch seine Schatten nicht so ganz einladend wirkt, bleibt offen.»