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Graubünden

Bündner sammelt 1600 Fussballtrikots – und das wertvollste ist kein Weltstar-Leibchen

Beckham, Messi, Ronaldo – und der CB Trun-Rabius. In der Trikot-Sammlung von Gilbert Sutter aus Chur hängen Leibchen aus aller Welt. Hier öffnet uns der Sammler seine Türe.
Simon Blatter
heute um 10:00 Uhr

Das Zimmer in der hellen Wohnung an der in Chur könnte auf den ersten Blick ein Sportgeschäft sein. Ist es aber nicht. Vielmehr ist die persönliche Triktosammlung von Gilbert Sutter ein Museum für Fussball-Begeisterte. Das Museums-Feeling breitet sich umso mehr aus, wenn der Trikotsammler zu erzählen beginnt. Zu jedem Trikot hat er nämlich eine Ankedote aus der Fussballwelt oder aus seinem persönlichen Leben auf Lager. Doch der Reihe nach. Wieso sammelt er ausgerechnet Fussbal-Trikots und nicht etwa Fussbälle? «Das hat schleichend an-gefangen», erzählt er. «Als ich noch selber Fussball spielte, hatte ich mal ein Holland-Leibchen gekauft. Dann irgendwann habe ich an einem Match vom FC Basel ein Trikot direkt von einem Spieler erhalten und habe mich rieseig darüber gefreut.» So sei er in den Sog des Sammelns gekommen, woraus ein emotionaler Antrieb enstanden sei. „Plötzlich schaute ich bei einem Match schon in der 80. Minute, wo ich am besten hinstehe, um ein Trikot eines Spielers zu erhalten.» Durch dieses spezielle Hobby hat Gilbert Sutter nicht nur seine Sammlung von rund 1600 Fussball-Trikots aufgebaut, sondern auch ein weltweites Netzwerk zu Materialwarten, Angestellten von Fussbalclubs, Fans und anderen Trikotbegeisterten. So kenne er die Materialwarte fast aller Fussballclubs in der Schweiz und in Deutschland sowie von zwei in England persönlich. «So komme ich an das eine oder andere Leibchen etwas einfacher.» Wichtig seien auch die Freundschaften zu anderen Trikotsammlern, beispielsweise habe er auch in Mexiko einige gute Kontakte, mit denen er Trikots tauschen könne.

Das lang ersehnte Trikot

Seine Trikot-Sammlung ist inzwischen so gross, dass er nicht mehr alle Trikots in der Wohnung haben kann. Besonders seit dem Umzug letzten Winter sei der Platz dafür kleiner geworden. Und so ist noch rund die Hälfte seiner Sammlung in Kisten im Keller verstaut. Dabei handelt es sich um jene 800 Trikots, die er gekauft habe, etwa in Fanshops oder an Charity-Aktionen. Bei sich in der Wohnung hat er diejenigen, die die Spieler selbst getragen haben. «Die, die ich direkt von einem Spieler bekommen habe oder die, die mir beispielsweise ein Materialwart geschenkt hat, haben für mich den höchsten emotionalen Wert. Die sind unverkäuflich», schwärmt Gilbert Sutter. Nicht nur emotional, auch finanziell habe seine Sammlung einen hohen Wert erreicht. «Bevor ich unter der Brücke schlafen muss, würde ich die Sammlung natürlich verkaufen, aber zuvor auf keinen Fall», meint er.

Bei Weltstars wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi könne ein Trikot schon mal zu einem fünfstelligen Betrag gehandelt wer-den. Der weltweite Lieblingsspieler des Tri-kotsammlers ist David Beckham. Während dessen aktiven Zeit hat Gilbert Sutter für ein halbes Jahr in Manchester gewohnt und besass damals eine Saisonkarte für Manchester United, woraus seine Begeisterung für den Spieler David Beckham entstand. So sei es lange sein ehrgeiziges Ziel gewesen, an ein Trikot von ihm zu kommen. Über Umwege ist ihm das schliesslich gelungen: «Ein Trikotsammler in Italien sammelt lediglich Trikots vom AC Mailand, hat aber eines von David Beckham erhalten. Ich hatte dafür eines vom AC Mailand und konnte mit ihm tauschen.» Durch den Tausch habe er zwar noch etwas draufzahlen müssen, sei aber verhältnismässig günstig zu seinem Traumtrikot gekommen. Kein Wunder, dass dieses Kleidungsstück einen Ehrenplatz in der Sammlung hat und vor dem grossen Regal von einer Schaufenster-Puppe mitten im Raum getragen wird.

Die regionale Sammlung

Highlights sind für den Trikotsammler aber nicht nur die Leibchen von Weltstars: Seit er seinen grossen Traum vom Trikot von David Beckham verwirklichen konnte, konzentriert er sich immer mehr auf lokale Clubs. «Ich bin absoluter Beckham-Fan. Sein Trikot habe ich jetzt. Messi habe ich, Ronaldo habe ich, De Bruyne habe ich. Jetzt reizt mich das Lokale immer mehr.» Und so erzählt er stolz, er sei wohl weltweit der einzige Trikotsammler, der ein Trikot des CB Trun-Rabius besitze. Da seine Mutter aus Trun stamme, sei dieses Trikot für ihn auch ein Stück Familiengeschichte und Kindheitserinnerung. Doch nicht nur das: «Es ist einfach cool, wenn du ein Matchliebli kriegst von einem Club, der gar keinen Fanshop hat.» Spieler dieser Clubs seien meist auch sehr stolz, dass ihr Trikot in derselben Sammlung sei wie jenes von David Beckham. Clubs wie der FC Domat/Ems, der FC Chur oder eben der CB Trun-Rabius tragen ihr Trikot meist die ganze Saison oder noch länger, während Weltstars meist bis zu vier Trikots pro Spiel haben. Aus Sicht des Spielers habe es in einem lokalen Verein deshalb viel die grössere Bedeutung, ein Trikot zu verschenken. Oft schrieben ihm diese Spieler sogar eine persönliche Widmung aufs Trikot. Diese Gesten schätzt Gilbert Sutter sehr.

Tatsächlich ist sein Lieblingstrikot in der Sammlung nicht etwa jenes von David Beckham, sondern eines aus der Region: Eines Tages habe er nämlich den Liechtensteiner Yanik Frick für ein Trikot angefragt. «Zwei Wochen später stand er persönlich bei mir vor der Tür und hat mir direkt nach dem Match sein Trikot ge-schenkt. Das werde ich nie mehr vergessen.» Besonders gefreut habe ihn auch, dass der Fussballspieler in der persönlichen Widmung auf dem Trikot seine Bewunderung über den Umgang mit seiner Krebserkrankung ausgedrückt und ihm viel Kraft gewünscht habe.

Leidenschaft für Fussball und Mode

Als Trikotsammler kann Gilbert Sutter seine beiden grössten Leidenschaften miteinander verbinden. Er ist nämlich nicht nur eingefleischter Fussballfan, sondern auch ein Mode-Liebhaber. Wenn er etwa mit seiner Frau in einer Stadt unterwegs sei, sei er es, der immer zu Louis Vuitton oder auch mal an eine Modeschau von Dolce und Gabbana gehe. Würde man nach dem Klischee gehen, sei er diesbezüglich die «Frau in der Beziehung», sagt er und lacht.

So kommt es nicht von ungefähr, dass er neben dem Trikotsammeln mit seiner Frau zusammen das Modelabel «Joseph Rettus» entwickelt hat. Josef sei sein zweiter Vorname und der Vorname seines verstorbenen Vaters gewesen. Rettus ist die Rückwärts-Version seines Nachnamens Sutter.

Hauptklientel des Labels seien vor allem Rapper, die noch wenig bekannt sind. Der deutsche Songwriter und «Rap Clown» Bajazzo sei jetzt beispielsweise mit Kleidern vom Label «Joseph Rettus» unterwegs. Als Mode-Kenner und Trikotsammler freut er sich vor allem über einen speziellen Mode-trend: «Es kommt jetzt dieser Retro-Trend auf. In München läuft jeder zweite mit einem Fussballtrikot aus vergangen Zeiten rum» Natürlich hat auch er selbst so ein Retro-Trikot. Er wühlt kurz durch seine Sammlung und zeigt es: Nicht etwa eines aus München, sondern vom FC Chur. «Hier sieht man, wie sich der Stoff mit der Zeit entwickelt hat. Dieses Trikot ist viel schwerer und weniger luftig als die heutigen synthetischen.» Gilbert Sutter kennt also nicht nur den Club, sondern auch die Bestandteile des Trikots. Nach dem eigenen Modelabel, der immer grösser werdenden Trikot-Sammlung und dem Trikot von David Beckham, was ist denn nun sein nächster Traum? «Wenn David Beckham so wie damals Yanik Frick bei mir an der Tür klingelt und mir persönlich sein Trikot überreicht, dann höre ich auf mit sammeln, dann habe ich alle Träume erlebt.»

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