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Glarus

Nach Storchen-Drama im Linthgebiet: Darf eine Livekamera auch sterbende Jungstörche zeigen?

Dutzende Jungstörche starben im nasskalten Wetter in ihren Nestern. In einem Fall übertrug eine Webcam das Drama. Wie viel Natur darf oder soll den Zuschauern per Livestream zugemutet werden?
online@suedostschweiz.ch
07.06.2024, 10:37 Uhr
heute um 11:31 Uhr

Seit 2016 können die Lachner Störche dank einer fest installierten Livekamera rund um die Uhr beobachtet werden. Das führe aber auch immer zu Diskussionen, «vor allem dann, wenn die Leute Bilder zu sehen bekommen, die sie eigentlich nicht sehen möchten», erklärt Heini Rogenmoser.

Exakt so eine Situation traf Ende letzter Woche ein. Die zwei verbliebenen Jungstörche im Horst sind wegen des nassen und kalten Wetters verendet – kein schöner Anblick. «Durch den Kot und die Futterreste war der Boden der Storchennester so stark verdichtet, dass kaum mehr Wasser abfliessen konnte», erklärt Rogenmoser. «Die Jungstörche liegen somit im Wasser, über mehrere Tage führt das zu Lungenentzündungen.»

Kamera spät abgestellt

Das Drama im Nest wurde von vielen Zuschauern am Bildschirm mitverfolgt. Bei der Gemeinde Lachen gingen deshalb etliche Mails ein; die Leute wollten helfen, die Vögel retten oder beschwerten sich, weil die Kamera nicht abgestellt wurde. «Es wäre wahrscheinlich besser gewesen, wenn ich die Webcam früher ausgeschaltet hätte», bestätigt der Storchenvater. 

«Ich erkläre dann den Leuten, dass wir nicht eingreifen können und auch nicht wollen. Das Sterben von Jungtieren ist ein natürlicher Prozess, der nicht vermenschlicht werden soll. Es ist nicht sinnvoll, dass wir eingreifen und diese Störche retten, nur weil das Drama mitverfolgt werden kann.» 

«Jeder muss selber entscheiden, wann er abschaltet»

Schliesslich gehe es ja nicht nur um dieses eine Nest in Lachen, bei welchem die Livekamera installiert sei und daher das Drama mitverfolgt werden konnte, «in unserer Umgebung hat es inzwischen über 70 Horste, in denen ebenfalls Jungstörche verendeten.» Das gehöre zur Natur, wer das nicht akzeptieren möchte, sollte sich diese Bilder auch nicht zumuten. «Es ist wie beim Fernsehschauen: Jeder muss selber entscheiden, wann er abschalten will», sagt Storchenvater Rogenmoser.