Für Roger Rychen geht es in Galgenen gleich von null auf hundert
Nach einer langen Pause in der Vorbereitung startet der Glarner Eidgenosse am Sonntag am Schwyzer Kantonalen in die Kranzfestsaison.
Nach einer langen Pause in der Vorbereitung startet der Glarner Eidgenosse am Sonntag am Schwyzer Kantonalen in die Kranzfestsaison.
Wo ist Roger? Das ist die nächste Frage – und für die Glarner Schwingerfans viel wichtiger. Roger gibt es seit 1991 und ist seit 2011 eine Erfolgsgeschichte. Damals gewann Roger seinen ersten Kranz. Mittlerweile ist er bei 69 angelangt. Darunter befinden sich drei eidgenössische Kränze. Roger hält sich an den Wochenenden meistens auf Schwingfestplätzen auf und muss bei seiner Grösse von 1,90 Metern dort nicht gesucht werden, obwohl es von Leuten wimmelt. Roger ist dabei immer mit einem blauen Hemd (ist es königsblau?) mit Längsstreifen und schwarzen langen Hosen bekleidet.
Eine geplante Pause
Zurück zur Frage: Wo ist Roger? Die Antwort: Am Sonntag tritt er am Schwyzer kantonalen Schwingfest in Galgenen an. Für den Glarner ist es der erste Wettkampf seit dem Hallenschwinget in Niederurnen am 25. Februar. Stellt sich natürlich die Frage: Wo war Roger?
Der dreifache Eidgenosse machte eine Pause. Diese hatte er bewusst geplant, weil er und seine Ehefrau Nicole zum zweiten Mal Eltern wurden und Roger Rychen die Zeit mit seiner Familie verbringen wollte. Am Ostersamstag war es so weit: Giulia kam zur Welt, Rychens waren nun zu viert, und Ariana hatte ein Schwesterchen. Wie es im Leben so ist: Alles lässt sich nicht planen.
So musste Rychen den geplanten Start am Worblentaler Hallenschwinget in Bolligen vom 23. März absagen. Grund: eine Atemwegserkrankung. Diese machte sich mit einem extrem starken Reizhusten bemerkbar. «Teilweise plagte mich der Husten derart, dass ich in der Nacht sitzend im Bett schlafen musste», sagt Rychen. Dieser Husten war nicht nur stark. Es dauerte auch eine gefühlte Ewigkeit, bis er weg war. «Ich litt bestimmt drei Wochen darunter. Die vom Arzt verschriebenen und für mich als Sportler erlaubten Mittel halfen nicht, und vom Antibiotika bekam ich Probleme mit dem Bauch.» So griff Rychen auf Hausmittel zurück, die allmählich Besserung brachten. «Ich musste mich in Geduld üben und den Husten ausheilen lassen», so Rychen. Er war übrigens nicht der einzige Schwinger, der von diesem lästigen Husten geplagt wurde. «Domenic Schneider hat mir seine Beschwerden genau gleich geschildert.» Der Thurgauer litt an Weihnachten an diesen Symptomen.
Nicht geplant war ebenfalls, dass Roger Rychens Frau Nicole ein paar Tage nach der Geburt nochmals ins Spital musste. «Sie fühlte sich nicht gut, was an schlechten Blutwerten lag. Aber nach ein paar Tagen war sie wieder zu Hause», erzählt Rychen. In dieser Zeit war er daheim zusätzlich gefordert. «Dafür ist ein Vater ja da», sagt Rychen. Und er konnte auch auf die Unterstützung der Grosseltern von Ariana und Giulia zählen.
Einen Monat ohne Training
Die geplante und ungeplante Pause führte dazu, dass Rychen einen ganzen Monat schwingerisch inaktiv war. «Das gab es bei mir schon lange nicht mehr. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt eine so lange Zeit nicht trainierte», sagt er. Deshalb ist auch er gespannt, wie es am Sonntag am Schwyzer Kantonalfest für ihn laufen wird. «Ich starte praktisch von null auf hundert in die Saison.»
Ganz bei null musste Rychen bei Wiederaufnahme des Trainings allerdings nicht beginnen. Neben der Basis, die er Anfang Jahr legen konnte, verfügt Rychen auch über grosse Erfahrung. Und diese Routine hilft in solchen Situationen. Rychen verzichtete dieses Jahr zum Beispiel auf das Trainingslager der Schwinger auf Fuerteventura, absolvierte dafür ein «persönliches Trainingslager in Magglingen», wie er betont. Dort konnte er mit den Schwinger-WK-Soldaten trainieren. «Und das hat mich vorwärtsgebracht.» Im Kraft- und Konditionsbereich hat Rychen auf das gleiche Programm wie in den Vorjahren vertraut. «Damit machte ich gute Erfahrungen.»
Das Beste daraus machen
Ganz ohne «normale» schwingerischen Blessuren verlief die Vorbereitung für Rychen aber doch nicht. In einem NOS-Training Anfang Jahr verstauchte er sich das Handgelenk, und nach dem Hallenschwinget in Niederurnen gabs kleinere Probleme mit der Schulter. «Zum Glück verletzte ich mich nicht ernsthafter.» Und betreffend den Trainingsrückstand sagt Rychen: «Es ist nun mal so, wie es ist. Ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen.» Das heisst, dass er sicher an den kantonalen Schwingfesten – auf seiner Agenda stehen nach dem Schwyzer das Glarner-Bündner, St. Galler, Zürcher und Bündner-Glarner – jeweils den Kranz holen will und sich mit diesen Wettkampfeinsätzen auf das erste Bergfest am Schwarzsee und das NOS in Meilen vorbereiten kann. Sein Saisonhöhepunkt bildet dann das eidgenössische Jubiläumsschwingfest in Appenzell. «Hier habe ich den Vorteil, dass ich als eidgenössischer Kranzer bei der Selektion wohl etwas privilegiert bin und mir weniger Sorgen um eine Nomination machen muss», sagt Rychen.
Der Papi ist gefordert
Nun wissen wir, wo Roger ist und was er so gemacht hat. Aber wo ist Walter? Etwa bei Rychens zu Hause? Dieses Kinderbuch würde vielleicht helfen, wenn Ariana etwas Mühe hat mir ihrer jüngeren Schwester. «Ariana hat grosse Freude an Giulia und kümmert sich lieb um sie», sagt Roger Rychen, «aber ab und zu ist sie eifersüchtig – vor allem wenn sie das Gefühl hat, Papi kümmere sich mehr um Giulia als um sie.» Dieser Papi hat sich in den nächsten Wochen aber auch noch um seine Gegner im Sägemehl zu kümmern.
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