Volley Näfels: Der erfolgreichste Volleyball-Verein der Schweiz kämpft ums Überleben
Volley Näfels ist finanziell schwer angeschlagen und steht kurz vor dem Aus. Wie es so weit kommen konnte – und was den neunfachen Schweizer Meister noch retten könnte.
Volley Näfels ist finanziell schwer angeschlagen und steht kurz vor dem Aus. Wie es so weit kommen konnte – und was den neunfachen Schweizer Meister noch retten könnte.
Köbi Hefti
Die Uhr tickt gnadenlos – und es geht nicht um Punkte und Pokale. Es geht um Kinderträume, um die Jugend und um die Identität einer ganzen Region. Auch wenn es derzeit sportlich gut läuft, ist Volley Näfels finanziell schwer angeschlagen und steht kurz vor dem Aus – und dabei trifft es nicht nur die NLA-Mannschaft. Wenn jetzt niemand handelt, endet in wenigen Monaten eine grosse Erfolgsgeschichte des Schweizer Sports – und mit ihr die Zukunft von Hunderten Kindern und Jugendlichen ihres Lieblingssports Volleyball.
Was passiert ist
Am 5. September, an der Hauptversammlung von Volley Näfels, legte Präsident Martin Landolt die Karten auf den Tisch. Seine Worte drangen durch den Saal – und trafen mitten ins Herz: «Wir stehen mit dem Rücken zur Wand. Ohne massive Hilfe wird es Volley Näfels bald nicht mehr geben.» Bedrückte Stille. Die Gesichter der Mitglieder spiegelten die Schwere des Moments. Ein Verein, der über Jahrzehnte eine Erfolgsgeschichte schrieb, kämpft ums nackte Überleben.
Das ist Volley Näfels
Zwischen 1995 und 2025 war Näfels das Nonplusultra des Schweizer Volleyballs. Die Lintharena bebte, wenn die Gelb-Schwarzen oder über Jahre die Grün-Weissen aufliefen. Näfels war Synonym für Spitzenvolleyball, mobilisierte im Schlepptau über die vielen Jahre Tausende von Kindern und Jugendlichen fürs Volleyball. Neun Meistertitel, neun Cupsiege, internationale Auftritte – und 27 Schweizer Meistertitel im Nachwuchs zieren das Palmares. Ist dieser Glanz bald nur noch Erinnerung, weil ein riesiges Loch in der Kasse ist?
So viel Geld fehlt
50'000 Franken fehlen sofort, um die laufende Saison zu überstehen. 150'000 Franken müssen bis zum Frühjahr 2026 aufgebracht werden, damit Swiss Volley Näfels die Lizenz verlängert.
Gelingt das nicht, zieht der Verband dem Glarner Leuchtturm den Stecker. Was bleibt ist der Konkurs, die Liquidation und das Ende von Volley Näfels. In welchem Umfang Volleyball danach im Glarnerland noch weiterleben würde, steht in den Sternen.
Wie es so weit kommen konnte
Dass ein solcher Traditionsverein so tief ins Straucheln gerät, hat viele Gründe:
– Steigende Kosten: Krankenkasse, Unfallversicherung, Spielerwohnungen, Transfergebühren etc.
– Sponsoren-Lücke: Namhafte Glarner Firmen engagieren sich kaum mehr bei den Vereinen. Topadressen, darunter auch Volley Näfels, verschwanden vom Radar.
– Immer höhere Anforderungen: Swiss Volley erhöht laufend die Vorgaben für Lizenz, Infrastruktur und Administration. Dies bindet die sonst schon knappen finanziellen und personellen Ressourcen.
– Eigene Fehler: Landolt spricht Klartext. «Wir haben nicht immer die richtigen Entscheide getroffen. Insbesondere ich selbst war zu lange zu zuversichtlich, was das Finden von neuen Sponsoren betrifft. Aber es war für mich schlichtweg unvorstellbar, dass Volley Näfels im Stich gelassen wird. Zudem fehlt es uns an genügend Menschen, die Netzwerke nutzen und Einnahmequellen erschliessen könnten.»
– Verunglückte Aktionen: So durften beispielsweise die beliebten Schoggisäckli plötzlich nicht mehr verkauft werden, oder für die attraktiven «Powerlose» wurde der Preis von 200 auf 100 Franken reduziert. Statt der erhofften Mehrverkäufe blieben diese aber gleich wie zuvor, mit der fatalen Folge von 20'000 Franken Mindereinnahmen.
Nicht nur für die Profis
Die Krise betrifft den ganzen Verein mit seinen über 200 Mitgliedern und die Volleyballschule, nicht nur die Profimannschaft. Sie trifft vor allem die Jugend. Allein 120 Kinder bis 16 Jahre trainieren Woche für Woche bei Näfels, entweder in der Volleyballschule oder in den verschiedenen U16-Teams. Hier lernen sie, was Teamgeist bedeutet, was Fairness heisst, wie man Rückschläge wegsteckt. Hier finden sie Freunde, Vorbilder.
Was die Eltern sagen
Die Eltern zeigen sich betroffen und hoffen auf eine Zukunft des Vereins. «Volley Näfels leistet einen so wichtigen gesellschaftlichen Beitrag und gibt Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich im Sport zu engagieren, wo sie top gefördert und begleitet werden. Wir sind begeistert von dem, was Volley Näfels bietet», sagen die Eltern zweier volleyballbegeisterter Kinder.
Warum es die NLA-Mannschaft braucht
Die bittere Wahrheit lautet: Ohne Spitzensport gibt es keinen Nachwuchs- und Breitensport mehr. Wenn der Verein kollabiert, verschwindet nicht einfach nur die erste Mannschaft, es bricht auch das Fundament weg, da zahlreiche Mitglieder der ersten Mannschaft auch im Nachwuchsbereich als Trainer aktiv sind.
Was der Verlust für die Volleyballschweiz bedeutet
Schon grosse Namen wie Lugano, Leysin oder Servette sind verschwunden. Doch wenn Näfels fällt, trifft es den erfolgreichsten Klub der Schweizer Volleyballgeschichte. Ein Leuchtturm, der weit über den Kanton Glarus hinausstrahlt, würde erlöschen. Es wäre ein verheerendes Signal, verbunden mit der Frage: Wenn sogar Näfels keine Zukunft hat – wer dann?
Wie der Verein gerettet werden kann
Noch ist nichts endgültig. Präsident Landolt ist überzeugt: «Es gibt viele Möglichkeiten, Geld zu beschaffen – Bandenwerbung, Matchball-Sponsoren, Gönnerbeiträge. Aber wir brauchen die Menschen, die ihre Netzwerke spielen lassen. Die Region, die Firmen, die Fans – alle sind jetzt gefragt.» Auch die Vereinsmitglieder kämpfen mit. Sie haben an der Hauptversammlung einer deutlichen Beitragserhöhung zugestimmt oder beispielsweise am Esaf in Mollis rund tausend Helferstunden geleistet.
Jeder Beitrag zählt. Ob 50 Franken von einer Privatperson oder 50'000 von einem Unternehmen – alles kann den Unterschied machen.
So könnt ihr helfen
Der Verein lanciert nochmals eine breit angelegte Rettungsaktion über die Fundraising-Plattform crowdify.net. «Jetzt oder nie», betont Präsident Landolt.
Das Fundraising von Volley Näfels findet ihr hier.
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