In Niederurnen jassen so viele wie noch nie um den «Totz» von Agatha Stüssi
von Margrit Neeracher, Sara Good und Marco Lüthi
Am dritten Agatha-Stüssi-Cup lieferten sich eine Rekordzahl von 48 ehrgeizigen Jasserinnen und Jassern in 24 Teams einen spannenden Wettstreit um den begehrten Wanderpokal – den «Totz». Wegen der grossen Teilnehmerzahl wurde am vergangenen Samstag das Jassturnier im «Jakobsblick» in Niederurnen durchgeführt.
Der Wettkampf folgte einem Turniermodus, der dem der Fussball-Weltmeisterschaft nachempfunden war: Gestartet wurde mit einer Gruppenphase, anschliessend folgten die K.o.-Runden. Überraschenderweise konnten die Favoriten der vergangenen Turniere nicht glänzen, einige fanden sich sogar auf den hintersten Plätzen wieder. Und so kam es, dass im Final die Teams «Wiediker», bestehend aus Jonas Zürrer und Sanna Gubler, und das Newcomer-Team «geiliwg.ch», bestehend aus Selvin und Timo Blöchlinger, aufeinandertrafen. Beides Underdog-Teams. Nach vielen Jahren bitterer Niederlagen und Platzierungen auf den hinteren Rängen packte das Team «Wiediker» in diesem Jahr seine Chance und beendete den Final mit einem beeindruckenden, dreifachen Weis von vier Bauern.
Erstes Turnier des Jassvereins «Linth Undäufä»
Der Vorstand des Jassvereins «Linth Undäufä» zeigte sich zufrieden mit dem Ablauf des Turniers. Es war der erste Agatha-Stüssi-Cup, der vom noch ganz jungen Verein organisiert wurde. Im vergangenen Jahr gründete der 24-jährige Student Hannes Scherrer und seine Kolleginnen und Kollegen den Jassverein, um ihre regelmässigen Turniere besser organisieren zu können. Damit begonnen hatten sie, als die Coronamassnahmen gelockert wurden. Doch die zunehmende Teilnehmerzahl sprengten den Rahmen im Zuhause von Scherrer schnell einmal. Darum wurde der Agatha-Stüssi-Cup 2023 in der «Schützenstube» in Näfels ausgetragen. Dies mit über 30 Teilnehmenden, wovon laut Scherrer ein Grossteil unter 27-Jährig war.
«Unser Ziel ist es, die Hemmschwelle fürs Jassen zu senken», sagte Scherrer im Mai 2023 nach der Vereinsgründung. Bei ihren Turnieren würden sich auch Anfängerinnen und Anfänger anmelden. Deshalb stünden sie auch nicht in Konkurrenz zur Glarner Jassmeisterschaft. «Wir legen die Regeln anders aus, sodass man doppelt und dreifach ansagen kann. So haben Einsteiger die Chance, auch erfahrene Jasser zu schlagen», so Scherrer.
Jassen und Justiz-Skandale
Beim Verein «Linth Undäufä» geht es aber nicht nur ums Jassvergnügen. Der Verein hat sich auch ein hehres Ziel gesetzt: die Aufmerksamkeit auf Justiz-Skandale aus der Vergangenheit zu lenken. Deshalb wurde der Jasscup nach Agatha Stüssi benannt. Im 19. Jahrhundert wurde sie wegen «liederlichen Lebenswandels» verurteilt und musste fortan in ihrem Heimatort Riedern bleiben. Sie riss aus und brachte ein uneheliches Kind auf die Welt. Danach wurde sie zu einer Totzstrafe verurteilt und zu Hause angekettet. Nach einem Jahr wurde ihr angeboten, sie vom Totz zu befreien, sofern sie nach Amerika auswanderte. Sie willigte ein. In Amerika verlor sich ihre Spur.