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Glarus

Spott und Kritik nach Blitzer-Fall in Leuggelbach: «Mein Auto fährt auch immer zu schnell»

Ein Mann macht sein Assistenzsystem für sein zu schnelles Fahren mitverantwortlich. Ein Opfer der Technik oder selber schuld? Das sagt ihr zum Blitzer-Fall im Glarner Hinterland.
Yvonne Samsarova
vor 58 Minuten

Der Artikel über einen Autofahrer, der wegen eines Blitzer-Vorfalls vor Gericht stand, hat auf Facebook und Instagram zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Der Mann wurde im Januar 2025 zwischen Leuggelbach und Luchsingen mit 29 Stundenkilometern zu viel geblitzt. Eigentlich dürfte man nur 50 Stundenkilometer fahren.

Er argumentierte vor Gericht, das Assistenzsystem habe das Auto beschleunigt. Im Zentrum der Diskussion steht jedoch weniger der konkrete Fall als die Frage, wie stark sich Autofahrende auf Fahrassistenzsysteme verlassen dürfen und wo ihre Eigenverantwortung beginnt.

Unglaubwürdige Begründung?

Das Kantonsgericht schreibt im Urteil, dass der Fahrer selber bemerken muss, wenn das Assistenzsystem falsch liegt. Der Fahrer wird deshalb wegen einer einfachen Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In der Kommentarspalte auf Social Media schreibt der Grossteil der Nutzerinnen und Nutzer, dass die Verantwortung unabhängig von technischen Hilfen immer bei der Person am Steuer liege. So schreibt ein User: «ICH bin der Fahrer und nicht das Navi, der Satellit oder die KI».

Mehrere Nutzerinnen und Nutzer argumentieren, Assistenzsysteme seien lediglich Unterstützung und könnten den Fahrer oder die Fahrerin nicht von der Pflicht entbinden, die Geschwindigkeit selbst zu kontrollieren. Entsprechend stossen die Erklärungen des Autofahrers bei vielen auf Unverständnis. Einige bezeichnen die Begründung als unglaubwürdig oder sprechen von einer Ausrede.

Gleichzeitig gibt es auch Personen, die den Hinweis auf das Assistenzsystem zumindest teilweise nachvollziehen können. Mehrere Personen berichten von eigenen Erfahrungen mit modernen Geschwindigkeitsassistenten oder Verkehrszeichenerkennung. Diese würden Tempolimits teilweise falsch erkennen oder auf veraltete Navigationsdaten zurückgreifen.

Zahlreiche Kommentare sind mit Lach- oder ablehnenden Emojis versehen. Ein Nutzer schreibt zum Beispiel: «Ja, mein Auto fährt auch immer zu schnell, ich muss immer den Fuss vom Gas nehmen.»

Verständnis für die Argumentation

Auf dem Abschnitt, auf dem der Mann unterwegs war, wurde die Höchstgeschwindigkeit nach einem schweren Unfall von 80 auf 50 km/h reduziert. Ein Nutzer schreibt: «Ganz ehrlich? Ich glaube es ihm sogar. Das ist mir am Anfang auch passiert.»

Daran knüpft eine weitere Diskussion an: Einige der Kommentierenden fragen, ob Autohersteller in die Verantwortung genommen werden sollten, wenn Assistenzsysteme fehlerhaft arbeiten oder irreführende Informationen liefern. Andere widersprechen dieser Sicht klar und halten fest, dass technische Systeme den Menschen nicht von seiner Sorgfaltspflicht entbinden.

Debatte über Höhe der Strafe

Auch die Höhe der Strafe wird in den Kommentaren vereinzelt thematisiert. Mehrere Personen verweisen auf das im Artikel erwähnte Einkommen des Autofahrers und kritisieren, dass die Busse ihn finanziell kaum treffe. Einige fordern eine strengere Sanktion. «Wenn er 400'000 Franken Jahreslohn hat, ja Herr Gott, dann trifft es ja keinen Armen, also zahlen und beim nächsten Mal aufpassen», heisst es in einem Kommentar. Die endgültige Strafe ist noch unklar, da der Autofahrer das Urteil weiterzieht.