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Nach dem Deponie-Rutsch im Gäsi: Bis jetzt will keiner für den Schaden aufkommen

Der Deponie-Rutsch im Gäsi blockierte die Linth und zerstörte das Linthbord. Die Deponiebetreiberin und das Linthwerk möchten sich aber noch nicht festlegen, wer den Schaden bezahlen muss.

Martin
Meier
23.01.25 - 10:29 Uhr
Glarus
Zwei Wochen nach dem Rutsch: Auch der schräg stehende Strommast könnte noch ein teures Nachspiel haben.
Zwei Wochen nach dem Rutsch: Auch der schräg stehende Strommast könnte noch ein teures Nachspiel haben.
Bild Sasi Subramaniam
Das Ereignis kommt über Nacht und überraschend. Ende Oktober gerät im Gäsi ein Teil der Deponie Ardega ins Rutschen. Die Massen reissen Bäume und die Uferstrasse mit. Das Material schlipft bis in der Linth und verstopft deren Abfluss zu rund zwei Dritteln. Das Wasser breitet sich ins Vorland aus. Viel mehr Wasser kann der Fluss jetzt nicht mehr aufnehmen. Schon ein Gewitter könnte die Linth zum Überborden bringen.

Die Axpo und SN-Energie werden angehalten, die Stromproduktion zurückzufahren, um damit das abfliessende Wasser so gering wie möglich zu halten.

Parallel dazu planen spezialisierte Ingenieur- und Geologiebüros mit Hochdruck mögliche Sofortmassnahmen. Tage später kann der Pfropfen in der Linth entfernt werden. Derweil die Ardega-Deponie «mit Hochdruck» an der Stabilisierung des Hangs arbeitet. Im Bereich des rechten Ufers werden Spundwände aus Stahlblech in den Boden eingelassen, welche ein Nachrutschen von Deponiematerial verhindern.

Daniel Hösli: Der Deponiebetreiber will über die Höhe des Schadens noch keine Angaben machen.
Daniel Hösli: Der Deponiebetreiber will über die Höhe des Schadens noch keine Angaben machen.
Bild Sasi Subramaniam

«Was den Rutsch ausgelöst hat, wissen wir noch nicht», sagt Linthwerk-Ingenieur Ralph Jud. «Um die Ursache des Erdrutsches abzuklären, ist ein externes Gutachten in Auftrag gegeben worden», erklärt Deponiechef Daniel Hösli. Die Untersuchungen seien noch im Gange.

«Die Frage nach den Kosten und der Kostenübernahme geht einher mit der Frage nach der Ursache des Erdrutsches.»

Daniel Hösli, Deponiebetreiber

Noch unbekannt sei daher die Höhe des Schadens, sagt Hösli. «Ebenso, wer für diesen aufkommen muss.» Die Frage nach den Kosten und der Kostenübernahme gehe einher mit der Frage nach der Ursache des Erdrutsches. «Erst wenn diese Fakten vorliegen, kann auch die Kostenfrage geklärt werden», betont Hösli. «Oberste Priorität war, nach dem Erdrutsch erst einmal das Gelände zu sichern und dafür zu sorgen, dass der Abfluss im Escherkanal wieder gewährleistet wird.»

Ralph Jud: Der Linthwerkingenieur rechnet nicht damit, dass das Linthwerk oder die Gemeinde Glarus Nord zur Kasse gebeten werden.
Ralph Jud: Der Linthwerkingenieur rechnet nicht damit, dass das Linthwerk oder die Gemeinde Glarus Nord zur Kasse gebeten werden.
Bild Sasi Subramaniam

Die Frage nach der Übernahme der Kosten könnte in ein Schwarzpeter-Spiel ausarten. «Da ist noch sehr viel offen», sagt Ralph Jud. Bezahlen müssten den Schaden aber grundsätzlich die Verursacher, im vorliegenden Fall die Deponiebetreiber. Diese würden wohl versuchen, auch ihre Berater mit in die Pflicht zu nehmen, sagt der Linthingenieur. «Da wird es wohl noch zu einem Hickhack kommen.» Jud rechnet aber nicht damit, dass das Linthwerk oder die Gemeinde Glarus Nord zur Kasse gebeten werden. «Auch wenn wir zusammen mit Glarus Nord Grundeigentümer sind.»

Betroffen vom Hangrutsch war auch die Axpo. «Obschon der Stromkonzern die Stromproduktion vorübergehend zurückgefahren hat, sind dadurch keine Produktionsverluste entstanden», sagt Mediensprecher Martin Stutz. «Wir haben gesamthaft nicht weniger Elektrizität produziert.» Das Wasser sei einfach gespeichert und später für die Stromproduktion eingesetzt worden, fährt Stutz fort. Für den Entscheid, die Produktion zu stoppen, gebe es keine gesetzliche Grundlage. «Wir waren aber von Beginn des Ereignisses bis hin zur Aufhebung der Einschränkungen an einem konstruktiven und lösungsorientierten Austausch mit den Verantwortlichen der Ardega und des Linthwerks», sagt der Mediensprecher.

Martin Stutz räumt aber ein, dass die Axpo bezüglich Forderungen für den Schaden an einer 50-kV-Leitung mit dem Deponiebetrieb in Verhandlung sei. Beim Rutsch habe es einen Betonmasten verschoben. «Die Stromleitung musste daher abgeschaltet werden», sagt Stutz.

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