Glarus bildet 100 Leute aus, die Leben retten: Das muss man zu den First Respondern wissen
Sie sind noch vor den Rettungssanitätern vor Ort: In lebensbedrohlichen Situationen sollen bei einem Notruf im Glarnerland ausgebildete Freiwillige erste Hilfe leisten. Das Wichtigste in 10 Punkten.
Sie sind noch vor den Rettungssanitätern vor Ort: In lebensbedrohlichen Situationen sollen bei einem Notruf im Glarnerland ausgebildete Freiwillige erste Hilfe leisten. Das Wichtigste in 10 Punkten.
Was sind First Responder?
Wörtlich übersetzt bedeutet der englische Begriff «Erstantwortende» oder «Erstreagierende», sinngemäss sind «Ersthelfende» in medizinischen Notfällen gemeint. Im Konzept «First Responder Plus» des Kantons Glarus werden Notfallhelferinnen und -helfer als Ergänzung zu den professionellen Rettungskräften beschrieben und in vier Kategorien eingeteilt: Ersthelfende, First Responder, First Responder Plus und Rapid Responder. First Responder gibt es schon in verschiedenen Kantonen.
Welche Art von Notfallhelfenden wird benötigt?
Für das Rettungsnetz, das jetzt aufgebaut wird, werden First Responder Plus gesucht. Denn unter «Ersthelfenden» werden im Konzept Personen und insbesondere Laien verstanden, die bei einem Notfall zufällig anwesend sind und Hilfe leisten, was natürlich nicht planbar ist. First Responder sind dagegen Leute, die für Einsätze bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand oder bei Bewusstlosigkeit ausgebildet sind. First Responder Plus werden darüber hinaus auch für weitere Einsätze aus- und weitergebildet. Als Beispiele werden Notfälle mit Personen genannt, die sichtbar stark bluten, Brustschmerzen oder Atemnot haben und Wärme- oder Kälteschutz benötigen. Auf Rapid Responder soll vorerst verzichtet werden. Das sind Leute von professionellen Rettungsdiensten wie Rettungssanitäter oder Notärztinnen, die in ihrer Freizeit für Ersteinsätze in der Nähe ihres Aufenthaltsortes aufgeboten werden können. Wenn sich solche Personen trotzdem auch ausserberuflich für das Rettungsnetz engagieren wollen, können sie das als First Responder Plus tun.
Wofür braucht es First Responder Plus?
Für die Erstversorgung von Notfallpatienten bis zum Eintreffen der professionellen Einsatzkräfte. First Responder Plus sollen bei lebensbedrohlichen Notfällen die klassische Rettungskette ergänzen und die Überlebenswahrscheinlichkeit der betroffenen Person erhöhen. Diese sinkt laut der Mitteilung des Kantons zum Beispiel nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand jede Minute um 10 Prozent.
Wo braucht es First Responder plus?
Vorerst vor allem an Orten, die vom Rettungsdienst des Kantonsspitals Glarus weniger schnell als andere erreicht werden können. Das sind neben Braunwald, wo es bereits eine Gruppe mit First Respondern gibt, in Glarus Süd noch Rüti, Linthal, Engi, Matt und Elm; in Glarus Nord Bilten, Filzbach, Obstalden und Mühlehorn; also in insgesamt zehn Dörfern.
Wie viele First Responder Plus braucht es?
Das Konzept sieht langfristig den Aufbau von bis zu 100 First Responder Plus in 20 lokalen Gruppen im ganzen Kanton vor. Für die erste Phase sollen als Ergänzung zur bestehenden Gruppe in Braunwald neun neue Gruppen mit total rund 50 Personen gebildet werden.
Wer kann First Responder Plus werden?
Jede Person, die mindestens 18-jährig sowie physisch und psychisch belastbar ist. Eine feste obere Altersgrenze gibt es nicht, wie Gesundheitsminister Markus Heer auf Anfrage erklärte. First Responder Plus unterstehen im Zusammenhang mit einem Einsatz zudem der Schweigepflicht und müssen eine entsprechende Vereinbarung unterschreiben. Weiter braucht es ein persönliches Mobiltelefon, eine ausreichende Haftpflicht- und eine Unfallversicherung während der Einsätze. Empfohlen wird zudem eine Schutzimpfung gegen Hepatitis B. Ein eigenes Fahrzeug ist nützlich, aber nicht Pflicht. Die weitere Ausrüstung wird zur Verfügung gestellt, kennen muss man die Standorte der Notfallrucksäcke, von denen in jedem Einsatzgebiet mindestens einer jederzeit zugänglich gelagert wird.
Wer bildet die First Responder Plus aus?
Mitglieder des Samariterverbands Glarnerland beziehungsweise der lokalen Samaritervereine. «Zudem erfolgt auch ein regelmässiger Austausch mit dem Rettungsdienst des Kantonsspitals Glarus», heisst es im Konzept des Kantons. Laut diesem muss die Ausbildung mindestens der «First Aid Stufe 2» des Interverbands für Rettungswesen entsprechen. Das ist der schweizerische Dachverband von Organisationen, die sich mit Notfallpatienten befassen, und die Ausbildungsstufe vermittelt das Wissen für Erste-Hilfe-Massnahmen bei akuten Erkrankungen oder Körperschädigung nach einem Unfall. Nach der Ausbildung stehen alle zwei Jahre Auffrischungskurse an.
Wer alarmiert die First Responder Plus?
First Responder Plus werden über die Sanitätsnotrufzentrale aufgeboten und das nie alleine, sondern immer zusammen mit den professionellen Rettungskräften des Rettungsdienstes des Kantonsspitals oder der Rega. Da es überall mehrere First Responder Plus gib, müssen sie keine Pikettdienste leisten und auch nicht jederzeit erreichbar sein. «Hingegen ist es selbstverständlich», steht im Konzept, «dass die First Responder Plus unter Wahrung der eigenen Sicherheit und unter Beachtung der Strassenverkehrsordnung so rasch als möglich ausrücken und den Einsatzort erreichen.»
Was verdient ein First Responder Plus?
Grundsätzlich nichts, die Tätigkeit ist ehrenamtlich. Für die Einsätze werden die First Responder Plus aber nach den Tarifen der Alpinen Rettung Schweiz entschädigt. Mit dieser hat der Kanton eine Leistungsvereinbarung für den Aufbau und Betrieb des First-Responder-Plus-Systems abgeschlossen.
Was kosten Aufbau und Betrieb des First-Responder-Plus-Systems?
Laut Konzept betragen die Startinvestitionen 220’000 Franken, die jährlichen Betriebskosten 31’000 Franken. Die Finanzierung wird in der Leistungsvereinbarung mit der Alpinen Rettung Schweiz (ARS) geregelt. Laut Mitteilung leistet der Kanton in den Jahren 2025 und 2026 einen Beitrag von insgesamt 78’500 Franken für die Projektleitung und den Aufbau der neun neuen First-Responder-Plus-Gruppen. 2026 werden für die Betriebskosten 7750 Franken fällig, danach 15’500 Franken pro Jahr. Zudem wurde mit dem Abschluss der Leistungsvereinbarung mit der ARS die Sicherstellung der Bergrettung erneuert. Diese jährliche Beitragspauschale an die ARS beträgt 45’000 Franken.
Marco Häusler ist Dienstchef der Zeitungsredaktion «Glarner Nachrichten». Er absolvierte den zweijährigen Lehrgang an der St. Galler Schule für Journalismus und arbeitete bei der ehemaligen Schweizerischen Teletext AG und beim «Zürcher Unterländer», bevor er im Februar 2011 zu Somedia stiess. Mehr Infos
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