Zum Hauptinhalt springen
Ereignisse

Widerstand gegen Verhaltenskodex des Churer Bistums

Der Churer Priesterkreis will den neuen Verhaltenskodex des Bistums Chur nicht unterzeichnen. Dies gab er in einem Schreiben bekannt.
Agentur sda
30.04.2022, 10:50 Uhr
gestern um 12:16 Uhr

Der Bischof bedauerte den Gang des Priesterkreises an die Öffentlichkeit. Er hatte den verbindlichen Kodex mit dem Ziel beschlossen, Missbrauch in der Kirche zu verhindern.

Die Gegner des Kodex bekräftigten zwar in ihrem Schreiben vom Donnerstag, über das CH Media am Freitag berichtete, dass auch ihnen viel an der Prävention von Übergriffen läge. Jedoch verletze das neue Leitwerk mehrfach die Regeln der katholischen Kirche. Konkret geht es ihnen um Aspekte zur Lehre der katholischen Beziehungs- und Sexualmoral und um den Umgang mit Sexualität.

Zum Thema Homosexualität etwa sieht der Kodex vor, auf pauschal negative Bewertungen von angeblich unbiblischen Verhalten aufgrund der sexuellen Orientierung zu verzichten. Wer dies unterzeichne, so der Priesterkreis, dürfte danach die kirchliche Lehre zu Homosexualität nicht mehr verkünden. Darin sei festgehalten, dass Homosexualität eine schlimme Abirrung und in keinem Fall zu billigen sei.

Bedenken wegen Abtreibungen

Weiter verlangt der Kodex, sexuelle Rechte als Menschenrechte und als Recht auf sexuelle Selbstbestimmung anzuerkennen. Dies sei aus Sicht der Gegner nicht haltbar, weil darunter auch das Recht einer Abtreibung enthalten sei. Diese sei aber eine in sich schlechte Handlung, zu der die kirchliche Lehre nun nicht mehr verkündet werden dürfte.

Letztlich widerstrebt dem Churer Priesterkreis, dass der Kodex vorschreibt, in Seelsorgegesprächen Themen rund um die Sexualität nicht aktiv aufzugreifen, oder keine Fragen zum Intimleben oder dem Beziehungsstatus zu stellen. Mit einer solchen Regelung dürfte man dann auch keine Ehedokumente mehr ausfüllen, hiess es.

«Wenn Priester, Diakone und Laienmitarbeiter, die in unsittlichen hetero- oder homosexuellen Beziehungen leben, nicht mehr zur Rede gestellt und, wenn keine Besserung eintritt, aus dem kirchlichen Dienst entlassen werden dürfen, wird in zweifacher Weise eine Doppelmoral installiert.»

Man bedauere sehr, dass der Diözesanbischof Hand zum Versuch geboten habe, die LGBT-Ideologie unter dem Deckmantel der Übergriffsprävention in der Kirche zu implantieren und damit die Glaubenslehre der Kirche auszuhöhlen, schrieb der Priesterkreis und fordert deshalb eine Überarbeitung des Verhaltenskodex.

Bedauern über öffentlichen Widerstand

Bonnemain äusserte am Freitag sein Bedauern über den öffentlichen Widerstand, bevor eine persönliche Begegnung stattgefunden habe. Er werde sich aber für eine Klärung einsetzen, schrieb der Bischof in einer Erklärung.

Einzelne Passagen des Kodex müssten im richtigen Zusammenhang gelesen und gedeutet werden, teilte Bonnemain weiter mit. Hier sei die Gabe der Differenzierung und Unterscheidung ausschlaggebend, was in den Ausführungen der jetzigen Erklärung des Churer Priesterkreises zu wenig Raum finde.

Er sei sich seiner Aufgabe als Diözesanbischof in Einheit mit dem Papst und dem gesamten Bischofskollegium bewusst, hiess es weiter. Er habe klar gesagt, dass er von allen Seelsorgenden erwarte, dass sie ein Leben im Einklang mit dem Evangelium führen würden, das zu einer glaubwürdigen Verkündigung gehöre.

Der Kodex sei ein Beitrag zur Wahrung der Würde der Menschen, hatte Bonnemain bei der Unterzeichnung des Leitwerks Anfangs Monat in Chur gesagt. Das Dokument beschreibe mit konkreten Anweisungen, wie diese Würde in der Realität gewahrt werden könne. Das Ziel sei eine «angstfreie Kirche». Ein solch verpflichtendes Instrument für geistliche und weltliche Seelsorgerinnen und Seelsorger gibt es in keinem anderen Schweizer Bistum. (sda / red)

Widerstand gegen Verhaltenskodex des Churer Bistums | Südostschweiz